Osnabrücker Last-minute-Sieg 3:2 – Lila-weißes Tollhaus am Lotter Kreuz

Von Stefan Alberti und Christian Detloff

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Lila-weiße Feier: Spieler und Fans nach dem 3:2-Erfolg. Foto: KemmeLila-weiße Feier: Spieler und Fans nach dem 3:2-Erfolg. Foto: Kemme 

Lotte. Ein bisschen Drama. Ein bisschen Rudelbildung. Dazu ein Treffer für die Auswahl zum Tor des Monats und ein Last-minute-Sieg. Mehr Zutaten für ein rassiges Fußballspiel konnten die Spieler der Sportfreunde Lotte und des VfL Osnabrück kaum liefern. Am Ende feierten die Lila-Weißen einen glücklichen 3:2-Erfolg.

Als sich Sportfreunde-Trainer Andreas Golombek von seinem VfL-Kollegen Daniel Thioune in den Feierabend verabschiedete, hatte der frühere Osnabrücker Profi natürlich noch nicht die Niederlage verarbeitet. Der Fußballkrimi am Lotter Kreuz hinterließ Spuren: „Mensch, Daniel, du hast es gut: kurze Rückfahrt nach einem Auswärtsspiel, Sieg in der Tasche und gleich vielleicht noch ein Gläschen Wein. Ich muss heute Abend trauern“, meinte Golombek in Richtung Thioune.

„Keine Spielführung“

Dabei hätte das Spiel auf dem schwer zu bespielenden und in den Außenbereichen wegen Verletzungsgefahr etwas verkleinerten Geläuf auch exakt umgekehrt enden können. Das Derby nahm von Minute eins an Fahrt auf. Nach dem ersten gefährlichen Angriff des VfL zappelte bereits der Ball im Netz des Lotter Gehäuses. Moritz Heyer hatte Tim Danneberg im Strafraum gelegt – Elfmeter. Marcos Álvarez verwandelte sicher – 1:0 für den VfL nach sechs Minuten. Kurze Zeit später machte Heyer seinen Fehler wieder wett. Der 22-Jährige fackelte nach Vorarbeit von Kevin Pires-Rodrigues nicht lange und versenkte unbedrängt aus 14 Metern die Kugel in die Maschen – 1:1 nach zehn Minuten.

Und die Platzherren nahmen fortan das Heft des Handelns in die Hand. „Wir hatten überhaupt keine Spielführung“, meinte später Thioune. Doch trotz der Lotter Dominanz ging der VfL erneut in Führung: Wieder war es Álvarez. Mit einem Traumtor. Das Schlitzohr hatte registriert, dass Lottes Keeper Benedikt Fernandez viel zu weit vor seinem Kasten stand – Álvarez zog aus 35 Metern ab, und der Ball landete im Tor. 2:1 für die Gäste nach 26 Minuten. „Das 1:2 war wie ein Eigentor, so ein Ding darf niemals fallen“, meinte Golombek.

Halbzeitansprache

Wer nun dachte, dass die Gastgeber nach diesem kuriosen Treffer angeknockt seien, sah sich getäuscht. Die Lotter schüttelten sich kurz und gaben weiter Gas. Maximilian Oesterhelweg hatte vor der Pause noch zweimal den Ausgleich auf dem Fuß: Erst scheiterte er mit einem 16-Meter-Volley an Marius Gersbeck (41.), kurz vor der Halbzeit setzte der Lotter Angreifer einen Freistoß nur knapp neben das Gehäuse.

Thioune musste reagieren, trotz der Führung sein Team wachrütteln. „In der Halbzeitansprache habe ich versucht nachzujustieren.“ Nachjustierung in puncto Zweikampfführung und Galligkeit – „was uns kurze Zeit später erst einmal überhaupt nicht gelungen ist“. Der VfL verlor einen Zweikampf nach dem anderen – und kassierte folgerichtig und verdientermaßen den neuerlichen Ausgleich. Pires-Rodrigues brachte die Arena zum Kochen, als er in der 51. Minute aus 16 Metern abzog und VfL-Innenverteidiger Stephen Sama den Ball ins Tor abfälschte – 2:2.

Die Gäste fanden nur schwer ins Spiel zurück. Lotte wirkte weiter willensstärker und galliger. Bestes Beispiel: Nach einer Ecke des VfL schalteten die Sportfreunde blitzschnell um – Kevin Freiberger bediente einmal mehr Oesterhelweg, dessen Schuss aber knapp über das Gersbeck-Gehäuse segelte.

Warten auf den Derbysieg

Das Golombek-Team war dem Siegtreffer näher als der VfL. Die Osnabrücker verschafften sich ab der 70. Minute zwar wieder mehr Luft, allerdings ohne zwingende Torchancen herauszuspielen. Als sich die knapp 7000 Zuschauer bereits auf ein 2:2 eingestellt hatten, wurden die Platzherren noch einmal bitterböse bestraft. Es lief bereits die Nachspielzeit, als der eingewechselte Utku Sen den Ball in den Lotter Strafraum zirkelte: Marc Heider traf zunächst die Latte, ehe Tim Danneberg im Gewühl den Ball über die Torlinie stocherte. 3:2 für den VfL – und das Stadion am Lotter Kreuz war ein lila-weißes Tollhaus.

Was bleibt? Der VfL durfte den ersten Auswärtssieg in der 3. Liga seit dem 9. September 2017 feiern – zog nach Punkten (29) nicht nur mit den Lottern gleich und verschaffte sich weitere Luft im Tabellenkeller. „Dieser Sieg ist zum Genießen, aber eben nicht gleichbedeutend mit dem Klassenerhalt“, stellte Thioune fest. Dieser Dreier müsse nun am kommenden Samstag mit einem weiteren Erfolg gegen Großaspach vergoldet werden.

Und die Sportfreunde? Sollten vielleicht nicht mehr zu lange an der Niederlage knabbern, „auch wenn wir wahninnig enttäuscht sind“, wie Golombek meinte. Der Coach wurde dann wieder kämpferisch: „Es wird der Tag kommen, an dem Lotte auch mal ein Derby gewinnt.“


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