3:2 für den VfL Tempo und Nickeligkeiten – und ein glücklicher Sieg für den VfL Osnabrück

Von Stefan Alberti und Christian Detloff


Lotte. Rasse, Tempo und Nickeligkeiten – ein echtes Derby am Lotter Kreuz: Und am Ende durfte sich der VfL Osnabrück über ein glückliches 3:2 freuen. Der Siegtreffer fiel erst in der Nachspielzeit. Tim Danneberg stocherte aus dem Gewühl heraus das Leder über die Linie.

So traten sie an: Wie in den Vorwochen auch: VfL-Coach Daniel Thioune schickte wieder einmal eine veränderte Startelf aufs Feld. Marc Wachs musste diesmal überraschend auf der Bank Platz nehmen, für ihn rückte Konstantin Engel auf die linke Außenverteidiger-Position. Jules Reimerink und Marcos Álvarez kehrten wieder zurück. Der Niederländer kam am vergangenen Mittwoch gegen den Karlsruher SC ja überhaupt nicht zum Einsatz, Álvarez nur wenige Minuten. Auf Lotter Seite setzte Trainer Andreas Golombek eher auf eine bewährte Formation – bis auf eine Ausnahme: Michael Schulze stand überhaupt nicht im Kader, Joshua Putze bekam einen Platz in der ersten Elf. Schulzes Ausfall war das Glück für Michael Hohnstedt: Der Ex-Osnabrücker durfte sich zumindest erst einmal auf der Bank der Sportfreunde platzieren.

So lief das Spiel: Tja, das Spiel wurde mit wenigen Minuten Verspätung angepfiffen. Insbesondere der im Schatten liegende Außenlinienbereich bereitete Schiedsrichter Robert Kampka Sorgen: gefrorenes und rutschiges Geläuf – offensichtlich funktionierte in diesem Areal die Rasenheizung nicht. Kampka ließ den Rasen kurzerhand auf beiden Seiten neu abkreiden, sodass das Spielfeld insgesamt fünf Meter an Breite verlor. Ein nicht gerade alltäglicher Vorgang im deutschen Profifußball.

Von dem verengten Geläuf ließen sich die Spieler allerdings nicht beeindrucken. Die Partie nahm von der ersten Minute an Fahrt auf – und in der sechsten Minute zappelte der Ball zum ersten Mal im Lotter Netz: Moritz Heyer hatte Tim Danneberg im Strafraum gelegt – Elfmeter. Álvarez verwandelte den berechtigten Elfer sicher. Nur vier Minuten später machte Heyer seinen Fehler wieder wett. Der ehemalige Osnabrücker konnte im Sechzehner ungestört eine Vorlage von Kevin Pires-Rodrigues annehmen – Heyer fackelte nicht lange, zog aus 14 Metern ab – 1:1. Was für ein Derby-Auftakt. Und die Platzherren nahmen fortan das Heft das Handelns in die Hand, machten Druck. Doch die erneute Führung erzielte der VfL – mit einem Traumtor von Álvarez. Der Mittelstürmer kam 35 Meter vor dem Lotter Tor in Ballbesitz – das Schlitzohr nahm kurz den viel zu weit vor dem Tor stehenden Lotter Keeper Benedikt Fernandez ins Visier und zog ab. Der Ball schlug ein – 2:1 für die Osnabrücker nach 26 Minuten. Zweite VfL-Chance, zweites VfL-Tor. (Der Liveticker zum Nachlesen)

Die Lotter drängten jedoch weiter. Sie wollten den Ausgleich. Maximilian Oesterhelweg scheiterte erst mit einem 16-Meter-Volley an Marius Gersbeck (41.), kurz vor der Pause setzte der Lotter Angreifer einen Freistoß knapp neben das Tor. Ein Remis zur Halbzeit war möglich – und wäre auch verdient gewesen.

Der Ausgleich ließ dann in den zweiten 45 Minuten nicht lange auf sich warten: Die Lotter kamen weiter mit der passenden Galligkeit aus der Kabine – und Pires-Rodrigues besorgte in der 51. Minute mit einem abgefälschten Schuss ins lange Eck das 2:2. Ein Muntermacher für den VfL? Nein. Das Golombek-Team gab weiter Gas, der VfL ließ sich zu sehr in der eigenen Spielhälfte einschnüren. Lotte wirkte einfach gieriger und willensstärker. Bestes Beispiel: Die Hausherren schalteten nach einer VfL-Ecke blitzschnell um – Kevin Freiberger bediente Oesterhelweg, dessen Schuss nur knapp über das Gersbeck-Gehäuse strich.

Mitte der zweiten Halbzeit befreite sich der VfL zwar ein wenig aus der Lotter Umklammerung. Echte Torchancen sprangen für das Thioune-Team jedoch nicht heraus. Aber ein Spiel dauert bekanntlich ja manchmal mehr als 90 Minuten: In der Nachspielzeit traf Tim Danneberg aus dem Gewühl heraus zum 3:2 für den VfL. Ein glücklicher Sieg.

So ist die Lage: Ein eminent wichtiger Dreier für die Osnabrücker. Der VfL hat das Polster auf den Chemnitzer FC (Abstiegsrang 18) auf sieben Punkte halten. Die Sportfreunde Lotte stehen mit 29 Punkten ebenfalls sieben Punkte vor den Chemnitzern.

So war die Stimmung: Prächtig. Erstklassige Derbystimmung – mit einem lila-weißen verbalen und optischen Übergewicht.

So geht‘s weiter: Jetzt haben beide Teams gut eine Woche Zeit. Der VfL Osnabrück spielt am Samstag zuhause gegen die SG Sonnenhof Großaspach, die Sportfreunde Lotte müssen bei der Spielvereinigung Unterhaching antreten.


25. Spieltag: SF Lotte - VfL Osnabrück 2:3 (1:2)

SF Lotte: 30 Fernandez – 23 Langlitz, 5 Rahn, 16 Straith, 28 Putze – 3 Wendel, 20 Pires-Rodrigues (82. 8 Dej), 15 Heyer – 24 Lindner, 19 Freiberger, 11 Oesterhelweg (77. 9 Facklam).

Lotte-Reserve: 33 Zummack (Tor), 4 Rossmann, 14 Hober, 22 Hohnstedt, 29 Wegner.

Es fehlten: Haitz (Hüfte), Neidhart (Kahnbeinbruch), Piossek (Reha/Achillessehnenriss), Gorschlüter (Hüfte), Rosinger (Rotsperre), Schulze (Grippe), Atalan, Brock, Buchholz (alle nicht im Kader).

VfL Osnabrück: 21 Gersbeck – 7 Renneke, 17 Sušac, 37 Sama, 5 Engel – 10 Groß, 13 Danneberg – 15 Reimerink (65. 29 Krasniqi), 25 Iyoha (82. 19 Steffen Tigges), 20 Heider – 11 Álvarez (77. 8 Sen).

Es fehlten: Klaas (Oberschenkelprobleme), Dercho (Reha/OP Sprunggelenk), Savran (Innenbandriss, Knorpelschaden), Bickel (im Aufbau), Leon Tigges, Ruschmeier, Zorba, Möller, Kristo (nicht im Kader).

VfL-Reserve: 1 Paterok (Tor), 4 Appiah, 14 Arslan, 16 Wachs.

Tore: 0:1 Álvarez (6., Foulelfmeter), 1:1 Heyer (10., Rechtsschuss), 1:2 Álvarez (26., Rechtsschuss). 2:2 Pires-Rodrigues (51., abgefälschter Linksschuss), 2:3 Danneberg (90.+1, Rechtsschuss).

Gelbe Karten: 23. Langlitz (5. Verwarnung), 41. Heyer (9.), 61. Pires-Rodrigues (4.), 68. Rahn (3.)/38. Iyoha (1.), 79. Engel (3.), 83. Sama (2.).

Schiedsrichter: Dr. Robert Kampka (Mainz).

Zuschauer: 6615 (davon etwa 3500 Osnabrücker).