„Macht Spaß, was sich Trainer ausdenkt“ VfL Osnabrück unter Thioune: Unberechenbar und variabel

Kollektive Enttäuschung: Tim Danneberg (links) und Emmanuel Iyoha nach einer vergebenen Chance. Foto: osnapixKollektive Enttäuschung: Tim Danneberg (links) und Emmanuel Iyoha nach einer vergebenen Chance. Foto: osnapix 

Osnabrück. „Never Change a Winning Team?“ Kein Motto für Daniel Thioune. Der VfL-Trainer wechselte trotz des – nicht nur angesichts des Ergebnisses überzeugenden – 6:1-Sieges gegen Chemnitz gegen den KSC dreimal Personal und fundamental die Taktik – und hatte hinterher dafür zwei einleuchtende Erklärungen.

„Wir wollten mit drei Verteidigern im Zentrum die Stürmer des Gegners einkreisen, sodass vor allem Anton Fink nicht in seine Räume vor unserer Abwehr kommt. Und wir wollten Stürmer, die viel unterwegs sind, lange Bälle mit Größe, Robustheit und Schnelligkeit verarbeiten können“, erklärte Thioune. Eine Taktik, die defensiv absolut aufgegangen ist: Fink hatte als Spielgestalter immer mindestens einen Gegenspieler im Rücken, von KSC-Torjäger Fabian Schleusener war so gut wie gar nichts zu sehen.

Offensiv agierte der VfL auffällig, auch wenn Christian Groß zugab, dass „nach einer kräftezehrenden ersten Halbzeit hintenraus etwas die Körner gefehlt haben.“ Aber die Überraschung zuvor – Dreierkette, Pressing, mutiges Anlaufen, schnelles Spiel auf aktive Stürmer – war gelungen. „Das macht schon auch Spaß, wenn sich der Trainer immer was Neues ausdenkt. Es ist seine Philosophie, uns auf jeden Gegner speziell einzustellen – und wir können mit der Umsetzung beweisen, dass wir variabel sind und unberechenbar, auch für kommende Gegner“, sagte Tim Danneberg.

Vielleicht nicht ganz so viel Spaß gemacht haben dürfte die Rotation Jules Reimerink und Marcos Alvarez, die trotz des Kantersieges vor sechs Tagen aus der Startelf gefallen sind. „Ich habe ihnen vor dem Spiel erklärt, dass es keine Entscheidung gegen die beiden Spieler war, sondern für die Stärken der Jungs, die aus taktischen Gründen reingekommen sind“, erklärte Thioune, der durchblicken ließ, dass er angesichts der englischen Woche froh sei, am Sonntag auf erwartungsgemäß tiefem Boden in Lotte einige Spieler in der Hinterhand zu haben, die frisch und relativ ausgeruht sind.

„Der VfL hat das Spiel bestimmt in der ersten Halbzeit. Auch nach dem Wechsel hatte Osnabrück viel Ballbesitz, wobei wir dann die besseren Chancen hatten“, sagte KSC-Trainer Alois Schwartz. „Wir sind nicht so gut ins Spiel gekommen, weil wir mit der Spielweise des VfL zu Beginn unsere Probleme hatten. Da fehlte bei uns Aggressivität“, gab David Pisot zu. Der Verteidiger, der „vier schöne Jahre lang“ das VfL-Trikot getragen hat, sprach bei seiner Rückkehr an die Bremer Brücke mit dem KSC von einem besonderen Spiel.