Vier Tore in elf Minuten VfL Osnabrück besiegt Chemnitz beim Torfestival mit 6:1

Von Harald Pistorius und Johannes Kapitza


hp/jka Osnabrück. Zur Halbzeit sah es allenfalls nach einem glanzlosen Arbeitssieg aus, am Ende feierten 7300 Zuschauer mit dem VfL Osnabrück ein mitreißendes Torfestival. Mit dem grandiosen 6:1 gegen den Chemnitzer FC hat die Mannschaft von Trainer Daniel Thioune den Sicherheitsabstand zur Abstiegszone der 3. Liga auf sechs Punkte vergrößert.

Zusätzlich hat die Mannschaft sich in einer starken zweiten Halbzeit den Frust über den Fehlstart ins Jahr 2018 von der Seele geschossen und die Selbstzweifel verscheucht, die möglicherweise aufgekommen waren. Das Team zeigte sein Potenzial und bestärkte mit dieser Vorstellung auch seinen jungen Trainer, der in der aufkommenden Abstiegsangst kühlen Kopf und das Vertrauen in seinen Weg bewahrte.

Sechs Treffer, sechs Schützen

Natürlich sprechen heute alle von sechs Treffern durch sechs verschiedene Schützen, von einem Torrausch wie lange nicht mehr und von denkwürdigen elf Minuten, in denen der VfL das hauchzarte 1:0 auf ein grandioses 5:0 ausbaute. Und natürlich sangen alle am Ende gemeinsam „Oh, wie ist das schön…“

Aber die Basis zum kostbaren Sieg wurde in der ersten Halbzeit gelegt. Der VfL begann verhalten und riskierte nicht mehr als nötig, um die Spielkontrolle zu bewahren. Viel mehr taten auch die Chemnitzer nicht, doch sie hatten vor dem VfL die Chance zur Führung: Slavov verzog ganz knapp, als er nach einem langen Ball frei vor Gersbeck stand (19.). Auch das gehört zur Geschichte dieses Spiels, dass der VfL in Rückstand hätte geraten können.

Der VfL hatte noch keine Torchance gehabt, als ihm das 1:0 gelang: Nach einem Zuspiel von Susac zog Klaas das Tempo an, drang in den Strafraum ein und zwang Grote zu einem elfmeterreifen Foul; Álvarez verwandelte nervenstark (22.). Das gab dem VfL zwar etwas mehr Möglichkeiten, doch mehr als eine Chance durch Klaas (43.) gab es nicht mehr. ( Hier gibt es den Liveticker zum Nachlesen)

Befreit stürmende Mannschaft

Die zweite Hälfte begann der VfL wesentlich entschlossener und druckvoller. Das 2:0 durch Heider ließ den Knoten dann platzen: Das Solo des vorbildlichen Kämpfers, das als verhaltener Lauf begann und mit einem trockenen Torschuss endete, als drei himmelblaue Slalomstangen hinter ihm lagen, war der Startschuss zu einem Torwirbel einer wie befreit stürmenden Mannschaft, der alle mitriss: Reimerinks Volley nach einer Flanke des zum Linksaußen mutierenden Wachs (62.), Dannebergs entschlossener Kopfball (64., nach Vorarbeit von Groß und Heider) sowie der Rechtsschuss von Klaas (68., abgefälscht von Grote) versetzten 7300 Zuschauer in einen Freudentaumel.

Erstes Drittligator für Krasniqi

Keiner von ihnen störte sich am Chemnitzer Ehrentor von Baumgart (78.) – wohl aber Trainer Thioune, der das Nachlassen seines Teams direkt nach der Partie ansprach. Immerhin hatte Krasniqi mit dem 6:1 einen würdigen Schlusspunkt gesetzt und per Kopf sein erstes Drittligator erzielt (87.).

Zehn der elf Spieler, die beim 0:1 in Halle auf dem Platz gestanden hatten, waren auch gestern in der Anfangsformation; nur Appiah (für den Renneke nach rechts hinten rutschte) blieb draußen, dafür kam Klaas, der erneut ein Schwungrad war.

Deutlich wurde erneut das offensive Potenzial der Mannschaft. Um es zu entfalten, braucht sie Ruhe und Sicherheit. In der ersten Halbzeit war zu sehen, dass der Negativlauf der letzten Woche das Team ein wenig aus der Fassung gebracht hatte. Es waren kleine Schritte, mit denen sich der VfL die Sicherheit holte, nach der Führung aufdrehte und sich in einen Spielrausch steigerte. Gerade deshalb gilt: die erste Halbzeit nicht vergessen, die zweite nicht überbewerten.

Aber ein bisschen freuen darf man sich schon.


VfL Osnabrück - Chemnitzer FC 6:1 (1:0)

VfL Osnabrück: Gersbeck - Renneke, Susac, Sama, Wachs - Groß, Danneberg (77. Krasniqi) - Heider (67. Iyoha), Klaas, Reimerink - Alvarez (66. Sen)

Auf der Bank: 1 Paterok (Tor), 4 Appiah, 5 Engel, 14 Arslan.

Es fehlen: Dercho, Bickel, (alle Reha nach OP), Ruschmeier, Zorba, Kristo, Möller, Breulmann, Leon Tigges (nicht im Kader).

Chemnitzer FC: Tittel, Dartsch (46. Leutenecker), Sumusalo, Scheffel, Hoffmann (27. von Piechowski) - Baumgart, Grote, Reinhardt - Hansch, Kluft (72. Frahn) - Slavov.

Tore: 1:0 Alvarez (22., Rechtsschuss, Elfmeter, Foul Grote an Klaas), 2:0 Heider (57., Rechtsschuss nach Solo), 3:0 Reimerink (62., Rechtsschuss volley, Linksflanke Wachs), 4:0 Danneberg (64., Kopfball, Vorarbeit Groß und Heider), 5:0 Klaas (68., Rechtsschuss, abgefälscht von Grote), 5:1 Baumgart (78., Rechtsschuss, Zuspiel Hansch), 6:1 Krasniqi (87., Kopfball, Rechtsflanke Reimerink).

Gelb: 44. Reimerink (4.), 59. Renneke (2.)/63. Scheffel

Schiedsrichter: Pascal Müller (Löchgau).

Zuschauer: 7331, davon 200 aus Chemnitz.

Die nächsten Spiele: am Mittwoch (14. Februar, 19 Uhr) gegen Karlsruher SC. Am Sonntag (18. Februar, 14 Uhr) bei SF Lotte.