Trainer Bergner als Hoffnungsträger Chemnitzer FC reist mit viel Unruhe zum VfL Osnabrück

Von Michael Thiele

David Bergner kämpft in Chemnitz mit vielen Problemen. Foto: imago/Kerstin KummerDavid Bergner kämpft in Chemnitz mit vielen Problemen. Foto: imago/Kerstin Kummer

Chemnitz. Der Chemnitzer FC betrachtet die Partie am Freitag (19 Uhr) beim VfL Osnabrück als „Sechs-Punkte-Spiel“. Entweder gewinnen die Himmelblauen und ziehen an den Lila-Weißen in der Tabelle vorbei oder sie verlieren auf einem Abstiegsplatz den Anschluss. Neben dem Platz herrscht viel Unruhe bei den Sachsen.

Ein Flutlichtspiel in Osnabrück ist etwas ganz Besonderes. Das weiß auch Chemnitz-Trainer David Bergner: „Osnabrück kommt in den Heimspielen über die Emotionen und geht ein hohes Tempo im Umschaltspiel.“ Was passiert, wenn man den VfL im eigenen Stadion gewähren lässt, musste Chemnitz‘ Rivale Zwickau erfahren, als der FSV am 14. Spieltag mit 0:4 an der Bremer Brücke unterging. „Mit Marc Heider und Marcos Álvarez stehen gestandene Drittliga-Kicker auf dem Platz. Gerade sie müssen wir vom eigenen Tor fernhalten“, betont Bergner.

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Aktuell hat der Trainer aber noch weitere Probleme. „Momentan ist es schwer, in Chemnitz zu trainieren. Deswegen haben wir die Einheiten auf dem Kunstrasen kurz und kompakt gehalten“, sagt Bergner und spielt auf die gegenwärtigen Temperaturen vor Ort an, die um den Gefrierpunkt pendeln. Frostig ist aber nicht nur das Klima auf, sondern auch neben dem Rasen. Wochenlange Grabenkämpfe zwischen Aufsichtsrat, Vorstand und Geschäftsführung haben die Himmelblauen gelähmt.

In Chemnitz kracht es an allen Ecken und Enden

Statt die Kräfte für den Abstiegskampf zu bündeln, verzettelte sich der Verein auf Nebenschauplätzen. Die Konsequenz: Während der Saison warfen zunächst zwei der Stadt Chemnitz nahe Aufsichtsräte, später der langjährige Vorstandsvorsitzende Mathias Hänel und zuletzt Finanzvorstand Stefan Bohne das Handtuch. Jüngst wurde der für die Lizenzierung zuständige Geschäftsführer ebenfalls abgesetzt. In Chemnitz kracht es an allen Ecken und Enden.

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Ein Derbysieg wie der am letzten Wochenende gegen Carl Zeiss Jena ist daher Balsam für die geschundene CFC-Seele – es war der erste Drittligaerfolg seit dem 1:0-Heimsieg gegen Schlusslicht Rot-Weiß Erfurt Ende Oktober 2017. Wenn die Trendwende gelingen soll, muss in Osnabrück jedoch nachgelegt werden. „Wir haben gesehen, dass Osnabrück in der Defensive verwundbar ist. Es ist für beide Vereine ein Sechs-Punkte-Spiel. Wir wollen mit Kompaktheit, Dynamik und Mentalität dagegenhalten“, sagt Bergner.

Stark in der Offensive, schlecht in der Defensive

Im Nachfolger des Anfang Januar geschassten Horst Steffen ruhen die Hoffnungen der Verantwortlichen. Denn in der Winterpause konnten – auch aus finanziellen Gründen – kaum große Transfers realisiert werden. Einzig die zuvor vereinslosen Abwehrspieler Mikko Sumusalo (u.a. RB Leipzig/RW Erfurt) und Marcus Hoffmann (u.a. RB Leipzig/Hansa Rostock) wurden dem Kader zugeführt, während Angreifer Danny Breitfelder zum Regionalligist Union Fürstenwalde wechselte.

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Dass Chemnitz im Angriff genügend PS auf die Straße bekommt, ist bekannt: Daniel Frahn (zehn Tore) und Myroslav Slavov (acht) kommen zusammen auf 18 Treffer. Die Achillesferse ist indes die Defensive. 42 Gegentreffer sind der schlechteste Wert der Liga. Die Neuzugänge Hoffmann und Sumusalo sollen dort für die nötige Stabilität sorgen. Gegen Jena hat dies ganz gut geklappt – seit acht Drittligapartien stand wieder einmal hinten die Null. „Wir wollen an die zweite Halbzeit aus dem Jena-Spiel anknüpfen, die Kompaktheit wieder hinbekommen und Nadelstiche setzen“, berichtet Bergner.

Stammkeeper Kunz fällt aus

Im Tor muss der Trainer allerdings auf Stammkeeper Kevin Kunz verzichten, der sich zu Beginn der Partie gegen Jena eine Schultereckgelenksprengung zuzog und wochenlang fehlt. Ersatzmann Kevin Tittel ist hingegen unerfahren, machte seine Sache nach seiner Einwechslung jedoch ordentlich und hielt den wichtigen 1:0-Sieg fest. Gegen Osnabrück steht seine Startelfpremiere an.