Thioune: Angst hemmt Harmlos in Halle – VfL Osnabrück steckt im Tabellenkeller fest

Von Stefan Alberti und Johannes Kapitza

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Was ist los? VfL-Kapitän Christian Groß (links) versteht die Welt nicht mehr. Foto: GelhotWas ist los? VfL-Kapitän Christian Groß (links) versteht die Welt nicht mehr. Foto: Gelhot

Halle (Saale). Der Ton wird rauer. Als die VfL-Profis nach dem 0:1 beim Halleschen FC mit hängenden Köpfen in die Kurve zu den Osnabrücker Fans trotteten, gab es zunächst kaum aufmunternde Worte. Die Anhänger machten ihrem Unmut mit Pfiffen, Gesten und nicht druckreifen Beschimpfungen Luft.

Die lila-weiße Stimmung schlägt um. Dort, wo in den vergangenen Wochen immer noch die Meinung vorherrschte, dass der VfL schon irgendwie den Weg aus dem Tabellenkeller findet, breitet sich nun ein ungutes Gefühl aus. In den Köpfen nistet sich immer mehr das Abstiegsgespenst ein. Der VfL ist der Verlierer des 23. Spieltags in der 3. Fußball-Liga: 0:1 gegen einen Konkurrenten aus der Abstiegsregion, Preußen Münster (4:2 bei Bremens U23), die Sportfreunde Lotte (2:0 gegen Aalen) und der FSV Zwickau (3:0 in Erfurt) setzten sich mit ihren Erfolgen vom VfL ab. Dazu rückte der Chemnitzer FC, derzeit auf Abstiegsrang 18, nach dem 1:0 gegen Jena auf drei Punkte an die Osnabrücker heran. Der CFC gastiert am Freitag an der Bremer Brücke. „In diesem Spiel müssen wir mit aller Macht und Gewalt punkten“, forderte VfL-Trainer Daniel Thioune direkt nach der Niederlage in Halle.

„Wollten kompakt stehen“

Die Partie beim HFC erinnerte über weite Strecken an die zahlreichen mutlosen Auftritte des VfL in der Rückrunde der vergangenen Saison. „Wir haben nicht das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten.“ Ein Satz, der nach verlorenen Spielen oft zu hören ist. Am Samstag in Reihen des VfL natürlich auch. Und? Was hatten sie sich vorgenommen? Erstmals unter Thioune startete der VfL mit einer defensiven Grundausrichtung – resultierend aus sieben Gegentoren in den ersten beiden Spielen des Jahres 2018. „Wir wollten hinten kompakt stehen – und nach vorne im Umschaltspiel Nadelstiche setzen.“

Den Auftrag, in der Defensive kompakt aufzutreten, setzte der VfL in den ersten 45 Minuten durchaus gut um – auch dank des neuen Innenverteidigers Stephen Sama, der mit seinen Vorder- und Nebenleuten immer wieder lautstark kommunizierte. Vielleicht hätte Konstantin Engel der Viererkette hinten noch mehr Stabilität verliehen. Der 29-Jährige war allerdings am Samstagmorgen mit einem grippalen Infekt aufgewacht, was einen Einsatz unmöglich machte. Engel saß dann zwar auf der Bank – allerdings nur als Staffage.

Die Defensive harmonierte auch ohne „Koka“ – allerdings forderten die Hallenser den VfL auch nur selten. Der HFC-Angriff mit Benjamin Pintol, Mathias Fetsch und Marvin Ajani wirkte phasenweise ideenlos. Nur einmal schlugen die Hausherren gnadenlos zu, als die Gäste kollektiv schliefen –und Pintol nach einem Einwurf unbedrängt flanken konnte. Der Ex-Osnabrücker Erik Zenga legte ab auf Ajani, der sich aus 13 Metern ebenso ungestört die Ecke zum 1:0 aussuchte (53.).

Standards ungenutzt

Der VfL war mit seiner Offensivabteilung noch harmloser als der HFC-Angriff. Die Spitzen Marc Heider und Marcos Álvarez blieben stumpf, über die Flügel kreierten Bashkim Renneke und Jules Reimerink kaum gefährliche Aktionen. Und im Zentrum wurden Kapitän Christian Groß und Drittliga-Rekordspieler Tim Danneberg ihrem Anspruch als Führungsspieler nicht gerecht. Wenn es in einem Spiel an der Durchschlagskraft mangelt, hilft manchmal einfach ein erfolgreicher Abschluss nach einem Standard weiter. Aber auch hier: Fehlanzeige. Ein Eckenverhältnis von 6:2 für den VfL brachte keine entscheidenden Vorteile. Vier bis fünf aussichtsreiche Freistoßsituationen blieben ebenfalls ungenutzt. Dass sein Team mit weiteren Auftritten wie in Halle in große Schwierigkeiten kommen wird, ist auch Thioune bewusst. Mit etwas Abstand zum Spiel wehrte sich der Coach am Sonntag jedoch vehement dagegen, jetzt in Abstiegsangst zu verfallen: „Ich bin nicht bereit, über Angst zu reden. Angst hemmt. Wir befinden uns in einer sehr schwierigen Situation.“ In der täglichen Arbeit sei es wenig hilfreich, „wenn wir jeden Tag über Abstiegskampf reden“.


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