Erstmals fünf Gegentore in Liga 3 Viel vorgenommen, nichts erreicht – das Osnabrücker 1:5

Von Harald Pistorius und Stefan Alberti

Frust im Schneeregen von Wiesbaden: Bashkim Renneke, Marcel Appiah und Marius Gersbeck nach der zweiten Klatsche gegen den SV Wehen, der schon das Hinspiel 4:0 gewonnen hatte. Foto: imago/HuebnerFrust im Schneeregen von Wiesbaden: Bashkim Renneke, Marcel Appiah und Marius Gersbeck nach der zweiten Klatsche gegen den SV Wehen, der schon das Hinspiel 4:0 gewonnen hatte. Foto: imago/Huebner 

Wiesbaden. Viel vorgenommen, nichts erreicht. Der VfL Osnabrück hat mit dem 1:5 beim SV Wehen einen denkbar schlechten Start ins Jahr 2018 hingelegt. Gute spielerische Ansätze und eine mutige Einstellung dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Mannschaft mitten im Abstiegskampf steckt.

Offensiven Fußball will Trainer Daniel Thioune spielen lassen, der Sieg ist das Ziel und nicht der ermauerte Punkt. Das hat der Nachfolger von Joe Enochs seinen Spielern vermittelt. Vor der Winterpause schlug sich das in drei optimal erfolgreichen und sehenswerten Heimspielen nieder, auch auswärts versteckte sich die Mannschaft nicht und hätte mehr als zwei Punkte holen können.

An der Vertiefung und Verfeinerung von neuem System und Stil hat die Mannschaft in der Vorbereitung gearbeitet, in Wiesbaden wollte sie den nächsten Schritt gehen und forderte ein gut besetztes Spitzenteam heraus – mit zwei offensiven Außenverteidigern, nur einem „Sechser“ vor der Abwehr und fünf Offensivspielern.

Zweikampfschwächen

Das war zu viel des Guten, weil die Defensive nicht standhielt. Von Anfang an unter Druck, fand die Abwehr nicht zu der nötigen Stabilität, was nicht nur am Ausfall des gelbgesperrten Sušac lag. Renneke und Wachs setzten zwar über die Flügel offensive Akzente, waren aber im Spiel nach hinten gegen starke Angreifer oft überfordert.

Auch Groß allein schaffte es im Zentrum nicht, das schnelle Umschaltspiel zu stören, denn von Danneberg und Klaas bekam er zu wenig Unterstützung. Und im Zentrum der Viererreihe gerieten Appiah und Engel ins Schwimmen; keiner von beiden war an diesem Tag der robuste Abwehrchef und Defensiv-Organisator wie ihn – beispielsweise – die Wehener in Ruprecht hatten. Dazu kamen Unaufmerksamkeiten und Zweikampfschwächen, die bestraft wurden: Zwei Kopfball- und zwei Kontertore ließ der VfL in der ersten Halbzeit zu und hatte die Partie schon zur Pause (1:4) so gut wie verloren. Eine Ecke und eine unbedrängt geschlagene Rechtsflanke nutzten die Innenverteidiger Mockenhaupt (3.) und Ruprecht (20.) zu Toren. Zwischendurch kam der VfL durch einen schönen Kopfball von Engel (9., nach einer Ecke von Wachs) zum Ausgleich und hatte danach durch Wachs (22., Freistoß von Kolke gehalten) und Heider (39., Volley von Kolke pariert) weitere gute Chancen. Doch das couragierte Spiel nach vorn wurde durch zwei Kontertore bestraft, die der VfL durch Ballverluste von Engel und Reimerink einleitete. Brandstetter (37.) und Diawusie (44.) nutzten die Vorarbeit von Andrist und die Zweikampfschwäche des VfL zu den vorentscheidenden Treffern. Wie schon vor dem 0:2 war Klaas beide Male beteiligt, weil er – früh gelbbelastet – nicht mit vollem Risiko den Konter im Ansatz stoppen konnte. Aber auch Appiah und Engel sahen schlecht aus.

Elfmeter zum 5:1

Es spricht für den VfL, dass die Mannschaft nach der Pause alles versuchte, stabiler auftrat und sich weiter Chancen erspielte, nun mit einer Dreierreihe in der Abwehr und drei echten Spitzen. Doch die Wehener bewahrten die Spielkontrolle und kamen durch den überragenden Andrist, der einen Elfmeter gegen Renneke herausholte und verwandelte (84.), zum 5:1. Fünf Tore gegen den VfL – das hatte es in der 3. Liga noch nicht gegeben. Thioune und Sportdirektor Benjamin Schmedes müssen nun entscheiden, ob eine Verstärkung der Defensive durch eine Neuverpflichtung nötig ist, um das Minimalziel Klassenerhalt zu erreichen.