„Brauchen den letzten Schuss Gier“ VfL-Sportdirektor Schmedes über Transfers und sonstige Vertragsfragen

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Hat sich im Trainingslager auch geärgert: Benjamin Schmedes. Foto: José Luis De MiguelHat sich im Trainingslager auch geärgert: Benjamin Schmedes. Foto: José Luis De Miguel

Osnabrück. Wird es noch Neuverpflichtungen geben? Was wird aus dem Trainer? Wie geht er mit den auslaufenden Spielerverträgen um? Fragen über Fragen – auf die der neue Sportdirektor des VfL Osnabrück, Benjamin Schmedes (32), Antworten liefert.

Herr Schmedes, Sie waren im Trainingslager ein Dauertelefonierer. Hat der Handy-Akku gehalten?

(lacht) Mittags musste ich den Akku meistens aufladen, abends dann oftmals noch mal.

Haben sich die Telefonate denn gelohnt? Steht möglicherweise eine Neuverpflichtung an?

Bei meinen Telefonaten ging es nicht ausschließlich um Neuverpflichtungen, sondern auch um einen grundsätzlichen Austausch, um das Marktgeschehen im Blick zu behalten. So weiß ich, was der eine oder andere Zweit- oder Regionalligist mit bestimmten Spielern vorhat, was die anderen Drittligisten planen und wer wo auf welcher Position sucht. Timing ist eines der entscheidenden Kriterien.

Sie sind seit dem 1. Dezember 2017 im Amt…

…Moment, noch etwas zu Ihrer Frage nach den Neuverpflichtungen: Wir haben Ende des Kalenderjahres eine gemeinsame Kader-Analyse vorgenommen. Das heißt, wir haben identifiziert, an welchen Stellen wir uns verstärken können. Wir sind uns aber auch absolut einig darüber, dass wir nicht in Aktionismus verfallen müssen. Ich bin der festen Überzeugung, dass der aktuelle Kader auch ohne Neuzugänge absolut wettbewerbsfähig ist. Das ist doch eine komfortable Situation. Nehmen Sie mit, dass wir im Defensiv- und Offensivbereich unsere Augen und Ohren offenhalten.

Nun aber zu meiner weiteren Frage. Seit dem 1. Dezember 2017 sind Sie im Amt. Die berühmte 100-Tage-Bilanz können wir noch nicht abfragen, dafür aber ein erstes Fazit.

Ich hatte einen sehr positiven Start – mit einer sehr offenen Haltung mir gegenüber. Was die Stimmungslage angeht, war mein Beginn besser als erwartet.

Wie meinen Sie das?

Als ich meinen Vertrag unterschrieben habe, standen wir auf Platz 19. Ich hatte vermutet, dass eine gewisse Unruhe oder Angst vorherrscht. Aber das war hier nicht so. Die Stimmung war und ist positiv.

Gibt es irgendetwas, woran Sie sich noch gewöhnen müssen?

Vieles ist von den Abläufen her sehr ähnlich. In Hamburg habe ich vornehmlich im Hintergrund gearbeitet, hier in Osnabrück stehen meine Arbeit und Person etwas mehr im Fokus.

Haben Sie schon alle Spieler persönlich kennengelernt?

Die jeweiligen Fußballer kenne ich natürlich, aber mir ging es im Trainingslager vor allem darum, den Menschen besser kennenzulernen. Ein gewisses Maß an Nähe schafft Vertrauen und kann sich leistungsfördernd auswirken. In Spanien hatte ich die gute Gelegenheit, den persönlichen Kontakt mit den Spielern in vielen Einzelgesprächen zu vertiefen.

Diese Gespräche nutzen Sie noch nicht dazu, um über mögliche Vertragsverlängerungen zu sprechen? Immerhin laufen im Sommer 17 Kontrakte aus.

Um konkrete Vertragsinhalte geht es dabei nicht, aber ich lote schon die grundsätzliche Bereitschaft, persönliche Ziele und private Lebensumstände aus.

Wie ist denn Ihr weiterer Zeitplan in puncto Vertragsfragen?

Bis zum 31. Januar beschäftigen wir uns vordergründig mit der aktuellen Wintertransferperiode. Das Thema steht und fällt mit der tabellarischen Situation. Wenn wir den sportlichen Aufwärtstrend weiter fortsetzen können, fallen die konkreten Gespräche natürlich deutlich leichter.

Beziehen Sie dabei auch Daniel Thioune mit ein, obwohl der noch gar nicht weiß, ob er in der nächsten Saison weiterhin Trainer ist?

Wir haben eine klare Verabredung: Bei allen Entscheidungen handeln wir so, als würde sein Vertrag weiterlaufen. Diese Vorgehensweise ist für mich aber auch selbstverständlich.

Wie würden Sie denn die offene Trainerfrage beantworten, wenn Sie sich heute schon entscheiden müssten?

Ich befinde mich mit Daniel im Austausch, wir haben in vielen Bereichen deckungsgleiche Ansichten. Diese Gespräche werden wir in den kommenden Wochen fortsetzen. Derzeit gibt es für mich keinen Grund, der gegen eine Zusammenarbeit über den 30. Juni 2018 hinaus spricht.

Lassen Sie uns abschließend noch über Ihre Eindrücke zum Trainingslager sprechen.

Wir wären gerne ohne Regen ausgekommen, aber die Bedingungen waren immer noch um ein Vielfaches besser als in Deutschland. Es war die richtige Entscheidung, ins Trainingslager zu fahren. Sowohl Daniel als auch ich hatten bisher keine Vorbereitung mit der Mannschaft. Die eine Woche konnten wir beide intensiv nutzen. Richtig geärgert haben mich allerdings die Ergebnisse in den Testspielen. Mir reicht es nicht, dass kein Klassenunterschied zu erkennen war, wenn du am Ende unnötig verlierst. In einer Woche geht es um Punkte und dafür brauchen wir den letzten Schuss Gier und Überzeugung.


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