„Ein großer Einschnitt“ VfL-Co-Trainer Polzin über seinen Traum und den Umgang mit den Profis

Von Stefan Alberti

Dirigiert die Fußballprofis gerne im Hintergrund: VfL-Co-Trainer Merlin Polzin. Foto: José Luis De MiguelDirigiert die Fußballprofis gerne im Hintergrund: VfL-Co-Trainer Merlin Polzin. Foto: José Luis De Miguel

Lepe. Merlin Polzin ist nicht erst seit Oktober 2017 Co-Trainer von VfL-Chefcoach Daniel Thioune. Das Duo harmonierte schon bei der Arbeit mit der U19 oder U17. Nach zwei Übungseinheiten im Trainingslager in Lepe redet Polzin über seinen Traumberuf und auch darüber, wie er als 27-Jähriger bei den Fußballprofis ankommt.

Herr Polzin, mussten Sie im Oktober lange überlegen, bis Sie die Stelle als Co-Trainer angetreten haben?

Nein. Die Zusammenarbeit mit Daniel hat sich seit 2014 über die Jahre in eine Richtung entwickelt. Wir haben beide gespürt, dass unsere Arbeit und unsere Ideen auch für höhere Aufgaben ausreichen können. Insofern war klar, dass er sich auf mich verlassen kann. Dementsprechend kam der Anruf – und ich habe sofort zugesagt.

Wie hat sich Ihr Alltag gegenüber der vorherigen Tätigkeit im Jugendbereich geändert?

Persönlich hat sich meine komplette Situation verändert – vom Nachwuchstrainer und Studenten zum vollbeschäftigten Fußballtrainer. Ich komme gebürtig aus Hamburg und bin nach Osnabrück gekommen, um Sportwissenschaft und Germanistik auf Lehramt zu studieren. Das Studium habe ich mit der Übernahme des Jobs hintangestellt. Ich wäre im Sommer mit meinem Masterabschluss fertig geworden. Das ist schon ein großer Einschnitt. Aber das, was ich jetzt mache, ist mein Traum. Das Studium werde ich irgendwann beenden.

Im sportlichen Bereich gibt es doch sicher auch Änderungen im Alltag.

Dort läuft alles vielleicht einen Tick detaillierter ab, aber die zu vermittelnden Inhalte auf dem Trainingsplatz und die Prinzipien unserer Spielidee haben sich gar nicht mal so stark verändert. In puncto Ansprache musste ich mich etwas anpassen: Es ist etwas anderes, ob ich mit erfahrenen Spielern wie Tim Danneberg, Christian Groß oder Marc Heider spreche oder mit Jugendspielern aus unserem Nachwuchsleistungszentrum. Aber in dieser Hinsicht gab und gibt es überhaupt keine Probleme.

Bei Ihrem Amtsantritt als Co-Trainer in der 3. Liga waren Sie gerade mal 26 Jahre alt. Haben Sie sich Gedanken gemacht, wie das bei den älteren und gestandenen Spielern aufgenommen wird?

Ich habe mir im Vorfeld natürlich Gedanken gemacht, wie ich den Spielern gegenübertreten soll. Nach der ersten Besprechung konnte ich diese Gedanken streichen, weil ich gemerkt habe, dass es den Profis in erster Linie um die fachliche Qualität geht. Sie haben dann wohl erkannt, dass sie von mir auch etwas mitnehmen können.

Es hätte auch anders kommen können – nach dem Motto: „Was will uns dieser Jungspund sagen, der im Fußball nichts erreicht hat?“

Hätte – ja. Aber das war überhaupt nicht der Fall, und es geht auch nicht um meine Person. Es geht um die Mannschaft und den Verein, nur das zählt, und da funktioniert die Arbeit mit dem Team sehr gut. Im Übrigen musste ich beim Bramfelder SV in der damaligen Oberliga Hamburg verletzungsbedingt aufhören, Fußball zu spielen.

Nach dem Ende der Spielerkarriere haben Sie stringent Ihre Trainerlaufbahn eingeschlagen.

Das kann man so sagen. Ich habe zunächst beim Hamburger Fußball-Verband und im Nachwuchsbereich des HSV gearbeitet und dabei nach und nach meine Trainerscheine gemacht – bis aktuell zur A-Lizenz. Joe Enochs, damals noch Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, Daniel Thioune und Alexander Ukrow haben mir den Weg ermöglicht, 2014 als Jugendtrainer beim VfL einzusteigen.

Als A-Lizenz-Inhaber ist es bis zum Fußballlehrer dann auch nicht mehr weit, oder?

Das ist sicherlich mal mein Ziel. Im Moment stehen aber die aktuelle Saison und die Arbeit im Trainerteam im Fokus. Irgendwann möchte ich auch in der Trainerlaufbahn den letzten Schritt machen.

Daniel Thioune/Merlin Polzin: Ein Duo, das sich blind versteht?

Von der Fußball-Idee her ticken wir beide sehr ähnlich. Nach meinem Einstieg beim VfL haben wir ziemlich schnell gemerkt, dass wir bei vielen Themen auf einer Wellenlänge liegen. Wir entwickeln uns gegenseitig weiter. Jeder ist für die Ideen des anderen offen, aber ich lerne natürlich extrem viel dazu.

Schauen wir nach vorne: Wo werden Sie beruflich am 1. Januar 2019 sein?

(lächelt) Vielleicht nicht wieder hier in Spanien. Aber ich hoffe, dass Daniel und ich unsere Arbeit fortsetzen dürfen. Ich denke schon, dass wir seit unserem Amtsantritt einiges verändert haben. Ebenso glaube ich, dass wir die Mannschaft auf ein nächstes Level bringen können. Es ist mein absoluter Traum, hier weiterzumachen.

Ein Traum, der in der Bundesliga enden soll?

Warum nicht? Es soll so hoch gehen, wie es eben geht. Wir stehen im Moment aber nicht morgens auf und hadern damit, dass wir in der 3. Liga trainieren. Im Gegenteil: Es ist ein absolutes Privileg, als Co-Trainer beim VfL arbeiten zu dürfen. Ich fühle mich aktuell in der zweiten Reihe sehr wohl. Mir ist es gleich, ob irgendwo in den Medien mein Name auftaucht oder nicht. Es geht nur um die Sache. Mir ist viel wichtiger, dass ich mit meiner Unterstützung, zum Beispiel bei einer Videoanalyse, Daniel und der Mannschaft weiterhelfen kann.