Mario Richter – ein Porträt Als Ingolstadt seine Fühler nach dem Osnabrücker Zeugwart ausstreckte…

Hat seine Wäsche im Griff: VfL-Zeugwart Mario Richter. Foto: Stefan AlbertiHat seine Wäsche im Griff: VfL-Zeugwart Mario Richter. Foto: Stefan Alberti

Lepe. Er bezeichnet sich selbst als „Vater für alles“. Ein Tausendsassa eben. Und deswegen im Trainingslager des VfL Osnabrück unverzichtbar. Die Rede ist von Zeugwart Mario Richter.

Diesen Zeugwart muss man nie lange suchen, denn er ist meistens sofort zu erkennen. Es kann noch so kalt sein – Mario Richter bevorzugt immer das Kurzarm-Shirt. Oft auch eine kurze Sporthose, aber nicht immer. „Kurzarm ist bei mir Pflicht, das habe ich mir so angewöhnt.“ Dieser Mann ist abgehärtet. Nur beim Thema Fliegen flattern ihm die Knie. Am liebsten hätte er die Reise ins Trainingslager des VfL mit dem Schiff oder dem Auto erledigt. „Ich habe Flugangst.“ Aber gut, den Hinflug von Weeze nach Faro (Portugal) hat der 45-Jährige überstanden. Auf den Rückflug am Donnerstag kann er sich trotzdem nicht freuen. „Beim nächsten Urlaub in Südfrankreich werde ich schön wieder mit dem Auto fahren.“

Sofa als Geschenk

Kommen wir wieder zu den angenehmeren Dingen. Zum Vater für alles. Zum Kumpel. Zum Freund und zur Vertrauensperson einiger Spieler. „Die Jungs haben mir vor einiger Zeit für meinen Raum an der Illoshöhe ein Sofa geschenkt.“ Seit dem 1. Juli 2012 ist Mario Richter nun Zeugwart beim VfL. „Ich habe damals einfach angefragt, als die Stelle frei wurde. Es hat geklappt.“ Der frühere Lkw-Fahrer nahm seine Arbeit als Zeugwart beim VfL auf. Dabei mag ihm vielleicht seine lila-weiße Vergangenheit geholfen haben. „Früher habe ich in der A-Jugend gespielt – in einem Jahrgang mit Christian Brand, Holger Karp oder Torsten Mumme.“ Für ganz oben reichte es nicht. Er blieb dem VfL in den weiteren Jahren als Jugendtrainer erhalten.

Braves Spielervolk

Zurück nach Spanien, wo Mario Richter in diesen Tagen seinen Job zu erledigen hat. Von der logistischen Seite her nicht immer ganz einfach. Aber der Experte hat ja Einfälle. Der Großteil der Materialien sowie Trainings- und Spielkleidung wurde über das jeweilige Handgepäck der Spieler „überführt“. Vor Ort in Lepe hat der Zeugwart neben seinem Zimmer einen Arbeitsraum, in dem er die Wäsche „bearbeitet“, wobei er allerdings den Waschservice des Hotels in Anspruch nimmt. „Zuhause mache ich das selbst. Ich wasche, ich beflocke – ich habe ja eine Flockmaschine.“

In puncto „Wäsche-Disziplin“ hat Mario Richter überwiegend ein braves Spielervolk zu versorgen. „Bei Jules Reimerink hapert es manchmal mit der Ordnung, aber das ist schon erheblich besser geworden.“ Nun ja, den einen oder anderen Wäsche-Wunsch erfüllt er auch gerne: „Ahmet Arslan trägt beim Training immer seine Regenjacke, also auch im Sommer.“ Und wie ist das eigentlich mit den Trikots – darf jeder Spieler mal eben nach einem Spiel eines verschenken? „Ja, darf er. Jeder hat drei Trikots frei. Für jedes weitere muss er 45 Euro bezahlen.“ Der Zeugwart verrät auch, wer in dieser Statistik derzeit Tabellenführer ist: „Marius Gersbeck hat bestimmt schon 15 Trikots verschenkt.“

„Fest verwurzelt“

Mario Richter – ein Zeugwart mit Herz und lila-weißem Blut. Wahrscheinlich auch einer der wenigen Zeugwarte in Deutschland, die schon mal ein höherklassiges Angebot erhalten haben. „Vor einiger Zeit hat mich tatsächlich Harald Gärtner vom FC Ingolstadt angerufen, ob ich dort nicht die Position des Zeugwarts übernehmen könnte. Pele Wollitz hat mich dort empfohlen.“ Und? „Ich musste nicht lange überlegen. Ich bin hier fest verwurzelt, bin verheiratet und habe zwei Kinder. Gefreut hat mich diese Anfrage trotzdem.“


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