Mehr als 2,6 Millionen Unfälle? So wenig Verkehrstote wie nie – aber Rekord bei Unfällen

Von dpa

Ein Holzkreuz an einer Straße erinnert an einen Unfalltoten. Foto: dpaEin Holzkreuz an einer Straße erinnert an einen Unfalltoten. Foto: dpa

Wiesbaden. Deutschland steuert 2017 auf ein Rekordtief bei der Zahl der Verkehrstoten zu. Die Zahl der Unfälle ist im Gegensatz dazu gestiegen.

Das Statistische Bundesamt schätzt, dass die Zahl der Toten auf deutschen Straßen bis zum Jahresende erneut sinkt, auf etwa 3170. Das wäre ein Prozent weniger als 2016 und die niedrigste erfasste Zahl seit Bestehen der Bundesrepublik. Die am Donnerstag in Wiesbaden veröffentlichte Prognose basiert auf den Zahlen der ersten neun Monate. Bei den Verletzten ist auch mit einem Minus zu rechnen – von etwa zwei Prozent auf rund 390.000 Menschen.

Mit mehr als 21.300 Verkehrstoten sei 1970 der „traurige Rekord“ erreicht worden, sagte eine Sprecherin der Behörde. Seither sei die Tendenz rückläufig – mit Schwankungen. Als Gründe nennen die Statistiker unter anderem technische Sicherungssysteme und eine bessere medizinische Versorgung.

Mehr als 2,6 Millionen Unfälle

Bei den erfassten Unfällen gehen die Statistiker dagegen von einem Rekord aus. Sie rechnen mit mehr als 2,6 Millionen Unfällen bis zum Jahresende. Das wäre etwa ein Prozent mehr als 2016. Dabei wird die Zahl der Unfälle mit Verletzten und/oder Toten jedoch schätzungsweise um fast drei Prozent auf 300.000 zurückgehen.

Der Automobilclub ADAC und der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) sehen trotz der positiven Entwicklung noch Handlungsbedarf. Der ADAC fordert, Lastwagen schneller mit effektiven Notbremssystemen auszustatten. Zwar seien von November 2018 an Systeme vorgeschrieben, die das Tempo um 20 Kilometer pro Stunde reduzierten, es ginge aber noch viel mehr, sagte ein ADAC-Sprecher. Außerdem seien auch Notbremssysteme für Kleinwagen und Tote-Winkel-Systeme für Lastwagen wichtig.

Ziel noch weit weg

Bis zum Ziel, null Verkehrstote zu erreichen, wie es sich etwa Schweden setze, sei es noch ein langer Weg, sagte der Sprecher des VCD-Länderrats, Hans-Christian Friedrichs. Gerade Massenkarambolagen bei Nebel oder Glatteis seien zu verhindern, wenn Straßen vorher gesperrt würden. Dies führe jedoch wohl zu Protesten. Die habe es aber auch bei der Bahn gegeben, als diese Züge wegen Sturms habe stehen lassen. „Aber es hat dann kein Opfer auf der Schiene gegeben.“