50 Jahre NOZ – 50 Jahre Zeitgeschehen Schicksal von Flug MH370 ungeklärt – 239 Passagiere sterben bei Flugzeugabsturz

Von Berthold Hamelmann

Neuseeländische Helfer bei einem Sucheineinsatz nach der vermissten Maschine. Foto: dpaNeuseeländische Helfer bei einem Sucheineinsatz nach der vermissten Maschine. Foto: dpa

Osnabrück. Rätselhaft: Auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking verschwindet am 8. März 2014 eine Boeing 777-200ER der Malaysia Airlines vom Radar und wird seitdem vermisst. An Bord befanden sich 227 Passagiere und zwölf Besatzungsmitglieder. Das Flugzeug ist vermutlich im Indischen Ozean westlich von Australien abgestürzt.

Die Boeing 777 gilt das das größte zweistrahlige Verkehrsflugzeug der Welt. Seit 1994 läuft die Serienproduktion, etwa 1520 Maschinen dieses Typs wurden bis heute gebaut. Weltweit sind 88 Exemplare der Variante 777-200 bei zehn Fluggesellschaften im Einsatz. Der bewährte Flieger ist knapp 64 Meter lang und verfügt über eine Spannweite von fast 61 Metern. Die für eine extra große Reichweite ausgebaute Version 777-ER schafft Flugstrecken von bis zu 12800 Kilometern.

Spurlos verschwunden – wie kann das sein?

Wie kann sich ein solcher Langstreckenflieger praktisch in Luft auflösen, verschwinden, ohne Spuren zu hinterlassen? Beim Start vom internationalen Flughafen in Kuala Lumpur lagen 4350 Kilometer bis zum Zielflughafen Peking vor den Passagieren und der ausschließlich malaysischen Crew. Die Boeing war mit 49000 kg Treibstoff ausreichend betankt und hätte etwa siebeneinhalb Stunden in der Luft bleiben können. Die Reiseflughöhe betrug 10700 Meter.

Das mysteriöse, ja angsteinflößende Verschwinden des Malaysia-Airlines-Flugs 370 gehörte folglich 2014 zu den nachrichtlichen Topthemen des Jahres. Flug MH370 wird häufig mit dem Etikett „größtes Rätsel in der Geschichte der modernen Luftfahrt“ versehen. Die Fassungslosigkeit angesichts dieser Tragödie mildert das nicht.

Behörden ermittelten in jede Richtung. War es Terrorismus, Entführung, Sabotage oder Selbsttötung des Piloten? Explodierten Teile der Ladung? Oder wurde die Maschine zum Schluss in einem Gleitflug ins Wasser gelenkt?

Aufklärung bis heute nicht möglich

Eine desaströse Informationspolitik der malaysischen Regierung, anfangs planlose und chaotische Suchaktionen, widersprüchliche Aussagen und Informationen unterschiedlichster nationaler und internationaler Stellen behinderten die Aufklärung, die bis heute mit einem Phänomen zu kämpfen hat: Vom Flugzeug und den Passagieren gibt es fast keine Spuren.

Das änderte sich erstmals am 29. Juli 2015. Ein Bewohner der zu Frankreich gehörenden Insel La Réunion im Indischen Ozean findet knapp anderthalb Jahre nach dem Verschwinden der Boeing eine mit Muscheln bewachsene Flügelklappe.

Anhand der Seriennummer stellen die Ermittler einen eindeutigen Bezug zur vermissten Boeing her. In der Folgezeit werden weitere kleinere Flugzeugteile gefunden. Sie lösen aber nicht die zentralen Fragen nach Absturzursache und -ort. Zwischen den Suchgebieten und den Fundstellen an den südlichen Küsten Afrikas liegen Tausende Kilometer.

Abschlussbericht ist ein Dokument des Scheiterns

Der erst im Oktober dieses Jahres vorgelegte Abschlussbericht einer internationalen Suchkommisssion ist ein Dokument des Scheiterns: Ohne Flugzeugwrack sei es unmöglich, einen Absturzgrund zu definieren.

Hier kann offenbar nur noch Kommissar Zufall weiterhelfen. Denn die mit modernster Technik unternommenen Suchaktionen, die nach vorsichtigen Schätzungen mindesten 150 Millionen Dollar gekostet haben, wurden wegen Erfolglosigkeit eingestellt. „Wir bedauern zutiefst, dass wir weder das Flugzeug noch die 239 Seelen an Bord ausfindig machen konnten“, heißt es in dem 440 Seiten starken Papier. Und weiter: „Es ist nahezu unvorstellbar und mit Sicherheit für eine Gesellschaft auch nicht hinnehmbar, dass in der Ära der modernen Luftfahrt ein so großes Flugzeug verschwunden bleibt.“


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