50 Jahre NOZ – 50 Jahre Zeitgeschehen Barack Obama wurde 2008 der erste schwarze Präsident der USA

Von Berthold Hamelmann

Nach dem Wahlsieg 2008: Barack Obama winkt zusammen den Töchtern Natasha (2. von links), Malia und Ehefrau Michelle einer Menschenmenge im Grant Park, Chicago, zu. Foto: dpaNach dem Wahlsieg 2008: Barack Obama winkt zusammen den Töchtern Natasha (2. von links), Malia und Ehefrau Michelle einer Menschenmenge im Grant Park, Chicago, zu. Foto: dpa

Osnabrück. Mit Barack Obama wurde am 4. November 2008 erstmals ein Afroamerikaner zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt.

Der 44. Präsident der USA war nicht nur wegen seiner Hautfarbe für viele Amerikaner ein Hoffnungsträger. Barack Obama revolutionierte auch die Art und Weise des Wahlkampfes.

Er verwendete dafür die Mittel, die dem Zeitgeist entsprachen und besonders auch den Nerv junger Menschen in ihrem Lebensalltag trafen. Kein anderer Politiker vor ihm nutzte die Möglichkeiten der sozialen Netzwerke so wie der am 4. August 1961 in Honolulu (Hawaii) geborene US-amerikanischer Politiker. Negatives Feedback oder einen der berüchtigten Shitstorms im Netz – Fehlanzeige während beider Amtszeiten von 2009 bis 2017.

Wahlkämpfe in den USA sind extrem teuer. Statt auf einige Großspenden oder das Familienvermögen zu setzen, organisierte das Obama-Team 2007 über die sozialen Medien eine extrem erfolgreiche Grassroots-Bewegung.

Perfekte Kampagne in den sozialen Medien

Diese „Graswurzelbewegung“ stand für eine gesellschaftspolitische Initiative, die von der Basis der Bevölkerung getragen wurde und perfekt auf Obamas Motto „Change“ (Veränderung) passte. Und die kleinen Spenden kamen in Millionenhöhe. Die Plattform mybarackobama.com sprach folglich auch davon, die Kandidatur sei die erste in der Geschichte der USA, die wirklich vom Volk finanziert worden sei.

Und so setzte Obama auch vier Jahre später bei seiner Wiederwahl auf das Internet. Für den digitalen Wahlkampf gab Obama er 47 Millionen Dollar aus. Sein Widersacher Mitt Romney investierte lediglich 4,7 Millionen. Das Ergebnis: Der Präsident erhielt 51,1 Prozent der Stimmen, Romney 47,2 Prozent – sicherlich nicht nur, aber auch wegen der perfekten Kampagne in den sozialen Medien.

„Yes, we can“: Politische Erfolge hat der als Hoffnungsträger gestartete erste schwarze Präsident nicht hinterlassen, sieht man von einer skandalfreien Amtsführung ab, die heutzutage auch schon als ein Wert für sich gelten darf. Die Spannungen zwischen Schwarz und Weiß hat er jedenfalls nicht entscheidend entschärfen können.

Was bleibt aus Obamas Amtszeit?

Auf der Habenseite steht (noch) die von ihm mit Nachdruck vorangetriebene Gesundheitsreform „Obamacare“. Grundgedanke dieser Reform ist, jedem US-Bürger Zugang zu bezahlbarer, medizinischer Versorgung zu gewährleisten. Etwa 60 Millionen Amerikaner waren vorher nicht krankenversichert. Mit Obamacare sollten 95 Prozent der 310 Millionen Amerikaner krankenversichert werden.

Doch auch hier droht Ungemach. Donald Trump versucht mit allen Mitteln, sein Wahlversprechen einzulösen, und „Obamacare“ wieder abzuschaffen. Bislang waren Trump und seine regierenden Republikaner trotz ihrer Mehrheit damit gescheitert. Jetzt geht der Obama-Nachfolger seinen eigenen Weg und geht per Erlass vor.

Wirtschaftpolitisch hat Obamas- Regierung die USA aus einer schweren Finanzkrise von 2007/2009 geführt. Doch die Bankenkrise beutelte besonders die Mittelschicht, die Trump an die Macht brachte.

Immer noch Gefangene in Guantánamo

Außenpolitisch ist Obamas Bilanz ebenfalls sehr durchwachsen: Auf seinen Befehl erschoss ein Spezialkommando 2011 den Al-Kaida-Chef Osama bin Laden in Pakistan. Für die USA war es eine späte Genugtuung, den Drahtzieher unter anderem der Terroranschläge vom 11. September 2001 in Amerika ausgeschaltet zu haben.

Das Straflager Guantánamo auf einem Marinestützpunkt der US Navy in der Guantanamo-Bucht auf Kuba existiert trotz eines anderslautenden Obama-Wahlversprechens bis heute. Der Rückzug von US-Truppen während der Obama-Ära aus dem Irak führte nach Meinung von Kritikern zum Erstarken des islamischen Staates (IS) und zu mehr weltpolitischer Instabilität.

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