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Kleines Wunder Beben auf Ischia: Verschüttete Kinder nach Stunden befreit


Rom. Mitten in der Hochsaison richtet ein Erdbeben auf der Ferieninsel Ischia schwere Schäden an. Doch die Menschen berührt ein kleines Wunder: Drei Geschwister werden Stunden später aus den Trümmern geholt. Einem Elfjährigen half dabei wohl ein Besenstil.

Drei Kinder sind viele Stunden nach dem Erdbeben auf der italienischen Urlaubsinsel Ischia lebend aus Trümmerbergen gerettet worden. Helfer zogen in der Nacht zu Dienstag zuerst ein sieben Monate altes Baby aus dem eingestürzten Haus, später folgten seine zwei älteren Brüder.

Ein Elfjähriger war rund 16 Stunden in den Trümmern gefangen. Der Erdstoß der Stärke 4 hatte die Insel im Golf von Neapel mitten in der Hochsaison erschüttert. Zwei Menschen starben, mehr als 40 wurden verletzt. Etwa 2600 Menschen wurden nach Angaben des Zivilschutzes obdachlos. Viele Touristen verließen die seit jeher erdbebengefährdete Vulkan-Insel.

Es gehe den drei Geschwistern wie durch ein Wunder körperlich gut, sie seien bei bester Gesundheit, teilten Ärzte italienischen Medien zufolge mit. Sie könnten das Krankenhaus voraussichtlich bald verlassen. Der Elfjährige habe seinem siebenjährigen Bruder vermutlich das Leben gerettet, indem er ihn unter ein Bett zog, berichteten Helfer der Agentur Ansa zufolge. Später habe er mit einem Besenstil gegen die Trümmer geklopft, um die Retter aufmerksam zu machen. Die Eltern waren schon vorher aus dem Haus in der Gemeinde Casamicciola befreit worden. 

Geologen kritisierten, dass ein relativ schwaches Beben so viel Schaden anrichten konnte. Am Montag gegen 21.00 Uhr hatte die Erde zu beben begonnen. Der Erdstoß lag nach Angaben der Erdbebenwarte INGV in einer Tiefe von fünf Kilometern. Geologen erklärten, dass das Beben vermutlich auch wegen der geringen Tiefe so großen Schaden anrichten konnte. Viele Häuser waren eingestürzt. 

Italien wird immer wieder von teils verheerenden Erdbeben heimgesucht. Vor fast genau einem Jahr, am 24. August 2016, erschütterte ein schweres Beben die mittelitalienische Region um die Stadt Amatrice. 299 Menschen starben. Experten brachten das jetzige Beben aber nicht mit dem vor einem Jahr in Verbindung.

Das Auswärtige Amt in Berlin warnte vor Nachbeben und Gefahren aufgrund herabstürzender Gebäudeteile. Bürgermeister betonten, dass der größte Teil der Insel von dem Beben nicht in Mitleidenschaft gezogen worden sei. Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht Ischia traditionell zu Ostern.

„Es war eine schreckliche Nacht, man kann das mit Worten nicht beschreiben“, sagte der Vater der verschütteten Kinder. Die Mutter, wieder schwanger, schrie laut Ansa vor Glück, als das Baby gerettet wurde. 

Das Beben richtete in manchen Orten schwere Schäden an, besonders in Casamicciola und Lacco Ameno. Häuser stürzten ein, Putz fiel von den Wänden. Ein Krankenhaus wurde evakuiert. „Es hat alles angefangen zu wackeln, alles ist heruntergefallen (...). Häuser sind eingestürzt. Es gibt Vermisste, ein Chaos“, erzählte eine Augenzeugin. „Es ist das Schlimmste, was mir je passiert ist.“

Touristen und Bewohner waren in Panik nach draußen gelaufen. Auch sollen mancherorts der Strom ausgefallen und Hotels geräumt worden sein. Bewohner erzählten, sie würden die Nacht im Freien verbringen. Für sie wurde auf der Insel ein Fußballstadion geöffnet. Andere Teile der Insel waren von dem Beben wenig betroffen.

Die Behörden stellten Fähren bereit, um verschreckte Urlauber von der Insel zu bringen. Mehr als 1000 Menschen kamen laut Zivilschutz am Morgen in Pozzuoli an der Küste an. Die Insel vulkanischen Ursprungs hat rund 62 000 Einwohner und ist vor allem im Sommer sehr beliebt bei Urlaubern.

„Es ist nicht normal, dass ein Erdbeben der Stärke 4 Häuser einstürzen lässt und zu Evakuierungen von Krankenhäusern führt“, sagte Egidio Grasso, Chef der regionalen Vereinigung von Geologen. Er und andere kritisierten die schlechte Bauweise der Häuser. Die Häuser sein teils alt, mit schlechtem Material gebaut oder seit Jahren nicht restauriert worden. Grasso warnte vor Nachbeben. Diese könnten auch stärker ausfallen als die ersten Erdstöße. „Es ist keineswegs sicher, dass sie schwächer sind“, sagte Grasso dem Sender Rainews24. Die bisherigen Nachbeben waren allerdings schwächer.

Die Insel liegt in der Nähe der Phlegräischen Felder, die zu den weltweit wenigen Dutzend sogenannten Supervulkanen zählen. Im Jahr 1883 kamen bei einem Beben auf Ischia rund 2300 Menschen ums Leben. 


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