GMHütter bietet private Flüge an Statt Auto oder Zug: Außergewöhnlich reisen per Mitflugzentrale

Von Nadine Grunewald

Bei Mitflugzentralen im Internet bieten private Piloten Fremden an, sie in Kleinflugzeugen mitzunehmen. Foto: imago/Metodi PopowBei Mitflugzentralen im Internet bieten private Piloten Fremden an, sie in Kleinflugzeugen mitzunehmen. Foto: imago/Metodi Popow

Osnabrück. Wie wäre es, statt mit dem Auto mit einem Flugzeug von A nach B zu kommen? Bei Mitflugzentralen inserieren Privatpiloten freie Plätze – und bringen Interessierte so durch die Luft beispielsweise von Bielefeld nach Leipzig oder vom Flughafen Münster/Osnabrück nach Wangerooge. Einer der Piloten ist der 27-jährige Patrick Stockden aus Georgsmarienhütte.

Rundflüge mit Kleinflugzeugen über Bremen oder das Münsterland, Tagesausflüge auf die Nordseeinseln oder ein Streckenflug in eine Stadt, in der es keinen großen Flughafen gibt. Bei der „Mitflugzentrale“ können Interessierte bereits seit 1994 Flüge buchen. Inzwischen ist das Angebot an Mitflugzentralen gewachsen. „Fliegen ist ein relativ teures Hobby und als Pilot muss man eine Mindeststundenzahl pro Jahr nachweisen“, erklärt Martin Bott von der ASK EDV-Beratungs GmbH. Sein Unternehmen betreibt die Plattform, die es privaten Piloten auf diese Weise ermöglichen möchte, ihr Hobby besser finanzieren zu können.

Pilot erlebt interessante Geschichten

Unter anderem aus diesem Grund hat sich Patrick Stockden aus Georgsmarienhütte dazu entschieden, Privatpersonen in seinem Flugzeug mitzunehmen. „Das läuft auf Kostenteilungsbasis, man kann dabei viel Geld sparen. Das macht schon einen Unterschied“, sagt der 27-Jährige, der seit September 2016 Pilot ist. Doch es geht ihm nicht nur ums Geld: Auf den etwa 15 Flügen, auf denen er bislang Fremde mitgenommen habe, habe er schon viele interessante Geschichten erlebt. „Da waren Eltern, die ihrem Sohn unbedingt mal das Fliegen ermöglichen wollten, ein Geburtstagsausflug und demnächst auch ein Hochzeitsrundflug auf Juist“, sagt er. Stockden fliegt entweder vom Flughafen Münster/Osnabrück oder aus Leer los. Er bietet seine Flüge, für die er die Flugzeuge chartert, auf dem Portal Wingly an.

Patrick Stockden hat bereits auf etwa 15 Flügen andere Menschen mitgenommen. Diese Foto entstand während einem Flug. Foto: Patrick Stockden

Menschen fürs Fliegen begeistern

Wingly gibt es seit 2015, einer der Gründer ist Lars Klein. „Wir wollen die Menschen für das Fliegen begeistern und zeigen, dass die allgemeine Luftfahrt nicht nur den Reichen vorbehalten ist“, erklärt er. Gestartet ist die Plattform in Frankreich, mittlerweile gibt es sie auch in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Großbritannien. Mehr als 3000 Flüge sind laut Klein bislang vermittelt worden. Allein in Deutschland sind auf dem Portal demnach derzeit mehr als 20.000 Flüge buchbar.

Unterschiedliche Abflugs- und Zielorte

„Am häufigsten werden Rundflüge gebucht, danach kommen sogenannte Ausflüge, zum Beispiel aus dem Ruhrgebiet an die Nordsee, von Berlin an die Ostsee oder von München nach Venedig“, sagt Klein. Auch Streckenflüge werden angeboten. Aber: „Wingly ist kein Ersatz für Bus, Bahn oder die Airline.“

Auf den verschiedenen Portalen bieten private Piloten Flüge von und in verschiedene Regionen für unterschiedlich viele Personen an. Manche sind zeitlich flexibel, bei anderen ist bereits ein Termin vorgegeben. „Wir sind meines Wissens die einzige Mitflugzentrale, bei denen Interessenten auch selbst einen Flugwunsch angeben können“, sagt Bott von der „Mitflugzentrale“. Da die Kommunikation direkt zwischen Pilot und Kunde abläuft, wisse er nicht, welche Strecken am häufigsten nachgefragt würden.

Keine Konkurrenz für Airlines

Können diese Mitflugzentralen zur Konkurrenz für große Fluggesellschaften werden? Wingly zumindest wolle – und könne – das nicht. „Unsere Flüge sind meist unter Sichtflugbedingungen. Das heißt: Bei schlechtem Wetter wird abgesagt. Für Geschäftsreisende ein zu hohes Ausfallrisiko.“ Außerdem könnte maximal ein kleines Gepäckstück mitgenommen werden. Bei Wingly entscheide jeder Pilot selbst, wie viel mitgenommen werden kann – abhängig vom maximalen Abfluggewicht. Piloten, die Flüge auf dem Portal anbieten wollen, müssten sich mit ihren Lizenzen und dem ärztlichen Tauglichkeitszeugnis verifizieren.

Kostenteilung zwischen Piloten und Passagieren

Verdienen können die Piloten übrigens nichts daran: Laut der Verbraucherzentrale Niedersachsen dürfen private Piloten gemäß einer EU-Verordnung nur Passagiere mitnehmen, wenn sie bei der Beförderung keinen Gewinn erzielen. Die Flüge, die bei Mitflugzentralen angeboten werden, laufen auf Kostenteilungsbasis und sind somit erlaubt. Laut Wingly-Mitgründer Klein teilen die Piloten die Mietkosten für das Flugzeug durch die Anzahl der Insassen, sodass Pilot und jeder Passagier das gleiche zahlen. „Der Durchschnitt der Mietpreise liegt bei 60 Euro pro Person pro Flugstunde“, sagt Klein. Bei Wingly kommen für die Gäste noch 15 Prozent Provision für das Unternehmen oben drauf; Flüge, die über Mitflugzentralen gebucht werden, sind also nicht unbedingt günstiger als Linienflüge.