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13.08.2017, 13:19 Uhr KOLUMNE

Beleidigte Leberwurst: Wie erklärt man Ausländern Redewendungen?

Von Marcus Tackenberg


In Deutschland kennt sie wohl jeder, die beleidigte Leberwurst. Doch wie soll man diese Redewendung einem Ausländer erklären? Foto: imago/SteinachIn Deutschland kennt sie wohl jeder, die beleidigte Leberwurst. Doch wie soll man diese Redewendung einem Ausländer erklären? Foto: imago/Steinach

Osnabrück. In unserer wöchentlichen Kolumne „Silberblick“ berichtet die Kulturredaktion über mehr oder weniger skurrile Beobachtungen aus Alltag und dem Kulturleben. In dieser Woche geht es um Sprichwörter – und wie lustig diese sein können, wenn man sie in fremde Sprachen übersetzt.

In Zeiten von Whatsapp, Emoji und Instagram sind Redewendungen und Sprichwörter etwas aus der Mode gekommen. Sehr schade, denn sie bereichern nicht nur unsere Sprache. Man kann zudem viel Spaß haben, wenn man sich mit Menschen aus anderen Ländern darüber austauscht. Wollen meine iranischen Freunde jemandem auf sehr nette und intime Weise ihre Liebe bekunden, sagen sie zum Beispiel „Jeegaret o bokhoram“ – „Ich werde deine Leber essen“. Zugegeben, das klingt nicht gerade verlockend für den Adressaten. Doch wer jetzt den alten Persern leichtfertig kannibalische Gelüste unterstellt, sollte sich vergegenwärtigen, dass auch wir im Deutschen Ausdrücke wie „Ich habe dich zum Fressen gern“ oder „Ich könnte dich vernaschen“ kennen. Einem Kind, das wir süß finden, würden wir allerdings kaum – wie im Iran – ins Gesicht sagen: „Eine Maus soll dich fressen.“

„Andere Länder, andere Fritten“ pflegte ein alter Kumpel in solchen Fällen immer zu sagen. Apropos: Wenn es dem Japaner richtig lecker schmeckt, sagt er „Meine Wangen fallen ab“, während der Deutsche Körperdeformierungen eher als Bild für seinen Hunger verwendet – wie etwa „Der Magen hängt mir schon in den Kniekehlen.“ Tatsächlich kennen viele Völker ähnliche Redewendungen wie etwa „Viele Köche verderben den Brei“, „das Haar in der Suppe“ oder „Was man sich eingebrockt hat, muss man auch auslöffeln“. Aber erklären Sie einem Iraner mal, warum eine Leberwurst beleidigt ist, wann man sein Fett wegbekommt und wie man seinen Senf dazugibt. Alles klar wie Kloßbrühe!


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