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Bistum Osnabrück und Bund Kirchenaustritte: Zahlen leicht rückläufig

Der Trend bleibt gleich: Jedes Jahr treten im Bistum Osnabrück zwei- bis dreitausend Menschen aus der katholischen Kirche aus. Foto: dpaDer Trend bleibt gleich: Jedes Jahr treten im Bistum Osnabrück zwei- bis dreitausend Menschen aus der katholischen Kirche aus. Foto: dpa

Osnabrück. Die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland haben am Freitag Zahlen zu Austritten und zum Leben in den Gemeinden veröffentlicht. Die Zahlen der Austritte sind leicht rückläufig.

Im Bistum Osnabrück traten im Jahr 2016 weniger Menschen aus der Kirche aus als im Vorjahr. Mit 2572 Katholiken entschieden sich 438 weniger als noch 2015 für diesen Schritt. Der Mehrjahresvergleich zeigt jedoch, dass der Trend seit etwa zehn Jahren konstant bleibt. In diesem Zeitraum traten jährlich rund zweitausend bis dreitausend Mitglieder aus.

Noch dramatischer ist die Lage bei den Kirchenbesuchern. In den vergangenen zehn Jahren besuchten immer weniger Menschen einen katholischen Gottesdienst. Im Bistum ging die Zahl um gut ein Drittel zurück und liegt nun bei elf Prozent der Katholiken.

Generalvikar: „Längerer Entfremdungsprozess“

„Wir wissen nicht von jedem, der aus der Kirche austritt, was ihn dazu bewegt, aber wir bemühen uns immer wieder, mit Ausgetretenen ins Gespräch zu kommen“, sagte Generalvikar Theo Paul: „Aus diesen Gesprächen wissen wir, dass einem Kirchenaustritt in der Regel ein längerer Entfremdungsprozess vorausgeht.“ In den vergangenen Jahren sei viel Vertrauen verloren gegangen, etwa durch den Missbrauchsskandal und die Finanzdebatte rund um das Bistum Limburg. Dort war Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst 2013 negativ aufgefallen, als die Baukosten für das Diözesane Zentrum im Bistum bekannt wurden. Eine freistehende Badewanne war mit 15.000 Euro veranschlagt worden. Der Osnabrücker Generalvikar zieht folgendes Fazit: „Meiner Meinung nach lassen sich Vertrauen und Glaubwürdigkeit vor allem durch Offenheit und Transparenz zurückgewinnen.“

Evangelisch-Lutherische Landeskirche

Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannover veröffentlichte ebenfalls Zahlen: Demnach traten 2016 insgesamt 20.136 Menschen aus der Kirche aus, rund 4000 weniger als im Vorjahr. „Den Trend, dass wir durch die demografische Entwicklung in einer pluralen Gesellschaft weniger Kirchenmitglieder haben werden, können wir nicht umkehren. Wir leben als Kirche aber nicht in erster Linie von Zahlen und Analysen“, sagte Stephanie Springer, Präsidentin des Landeskirchenamtes. Sie verwies darauf, dass die Zahl der Taufen und Wiedereintritte die Zahl der Austritte übersteige.

Rückgang auf Bundesebene

Auf Bundesebene lag die Zahl der Austritte laut der Deutschen Bischofskonferenz im Jahr 2016 bei 162093 Menschen. Das sind rund 20000 weniger als im Vorjahr. Insgesamt ging die Zahl der Katholiken damit um 0,76 Prozent zurück. Laut DBK waren im vergangenen Jahr 28,5 Prozent der deutschen Bevölkerung katholisch. Bundesweit waren zudem 13856 Priester tätig. Der Anteil der Gläubigen, die einen Gottesdienst besuchen, ging leicht zurück auf 10,2 Prozent.

Der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, sagte: „Wir müssen den Menschen, die weggehen, aktiv nachgehen, um ihre Beweggründe zu verstehen und unser Handeln danach kritisch zu überprüfen, um es da – wo notwendig – auch neu auszurichten.“ Langendörfer schränkte jedoch ein: „Wir sollten bei den Zahlenwerken nicht unseren eigentlichen Auftrag vergessen: Trotz manchmal stürmischer Zeiten das Evangelium mutig und freudig zu verkünden.“

Laut Evangelischer Kirche in Deutschland (EKD) traten im vergangenen Jahr rund 190000 Menschen aus einer evangelischen Kirche aus. Das ist ein Rückgang um 1,57 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die EKD verweist darauf, dass erstmals seit drei Jahren weniger Menschen ausgetreten seien als neue Gemeindemitglieder durch Taufe und Aufnahme hinzukamen. Nicht einberechnet sind hier allerdings die Sterbefälle. So kommt unterm Strich doch ein Minus bei den absoluten Zahlen der Mitglieder zustande. Insgesamt beträgt der Anteil der evangelischen Christen an der Gesamtbevölkerung laut EKD 26,7 Prozent.

Abbruch zwischen den Generationen

Der stetige Mitgliederschwund der Kirchen in Deutschland hat aus Sicht des Religionssoziologen Detlef Pollack tiefer gehende Gründe als den akuten Ärger über Kirchensteuer oder Skandale. „Der entscheidende Punkt ist, dass Eltern ihre Kinder heute viel weniger religiös erziehen und taufen lassen. Der wesentliche Abbruch erfolgt zwischen den Generationen“, sagte Pollack. (mit dpa)


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