zuletzt aktualisiert vor

Opferzahl steigt seit Jahren Heroin, Kokain und Co.: Mehr Drogentote in Deutschland

Von dpa

Die meisten Drogentoten sind erneut auf den Konsum von Opioiden und Opiaten wie Heroin zurückzuführen. Foto: Boris RoesslerDie meisten Drogentoten sind erneut auf den Konsum von Opioiden und Opiaten wie Heroin zurückzuführen. Foto: Boris Roessler

Berlin. Es ist ein trauriger Trend. Schon zum vierten Mal in Folge steigt die Zahl der Drogentoten. Der BKA-Chef warnt: Der Verkauf von Heroin, Kokain und Co. findet nicht mehr nur auf der Straße statt.

Der Konsum illegaler Drogen endet für immer mehr Menschen in Deutschland tödlich. Im vergangenen Jahr starben bundesweit 1333 Menschen, weil sie illegale Substanzen wie Heroin, Kokain oder Crack konsumierten. Das waren neun Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Zahl der registrierten Drogendelikte wie etwa Handel und Beschaffungskriminalität stieg um sieben Prozent auf 302 592 Fälle. Das geht aus dem Jahresbericht 2016 zur Rauschgiftkriminalität hervor, den die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) und der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, in Berlin vorstellten.

2015 war die Zahl der Drogentoten um 18,8 Prozent auf 1226 gestiegen. Ein Jahr zuvor waren es 1032 Drogentote gewesen, davor noch 1002. Bis 2012 war die Opferzahl zurückgegangen.

„Eine einfache Erklärung für den Anstieg der Todeszahlen gibt es nicht“, sagte Mortler. Problematisch sei unter anderem die immer größere Bandbreite verfügbarer Substanzen. Bei der Hälfte der Fälle war die gleichzeitige Einnahme verschiedener Stoffe tödlich: „Eine Tendenz, die wir seit längerem kennen“, sagte Mortler.

Die Gründe für den Anstieg der Totenzahlen sehen Experten aber auch in einer steigenden Stoffqualität und sinkenden Preisen. So sei der Reinheitsgehalt von Kokain in den vergangenen sieben Jahren von 40 auf 70 Prozent gestiegen, sagte Mortler. Die Potenz des weißen Pulvers werde von vielen Konsumenten unterschätzt.

Der Grünen-Suchtexperte Harald Terpe sagte angesichts der Zunahme, die Drogenpolitik der Bundesregierung sei gescheitert. „Trotz Kriminalisierung gibt es eine anhaltend hohe Verfügbarkeit von Drogen“, sagte Terpe. Nötig seien etwa Drogenkonsumräume oder saubere Spritzen für Konsumenten.

Mortler und Münch dagegen setzen auf Prävention und Frühintervention. „Wir brauchen noch umfassendere Hilfen für Abhängige und deren Angehörige“, forderte die Drogenbeauftragte. Jeder, der erstmalig mit einer verbotenen Substanz aufgegriffen werde, müsse umgehend Beratung erhalten.

Ähnlich wie im Vorjahr waren 84 Prozent der Drogentoten männlich. Der Altersschnitt lag bei knapp über 38 Jahren. Die meisten Opfer sind auf den Konsum von Opioiden und Opiaten wie Heroin zurückzuführen.

Die Behörden registrierten im vergangenen Jahr auch 98 Todesfälle durch sogenannte Legal Highs - fast dreimal so viele wie im Jahr davor. „Diese Zahl zeigt, wie tückisch solche Substanzen sind, die harmlos als Badesalze oder Kräutermischungen daherkommen“, sagte Mortler. Einen Anstieg gab es auch bei Kokain- und Crack-Toten.

BKA-Chef Münch berichtete: „Der Internethandel macht Drogen leichter verfügbar.“ Es gebe Verkaufsplattformen, auf denen illegale Drogen aller Art angeboten und an den Empfänger geschickt würden. Im vergangenen Jahr stellte das BKA 330 Kilogramm Heroin sicher, 57 Prozent mehr als 2015. Dagegen ging die sichergestellte Menge von Kokain um 40 Prozent auf 1,9 Tonnen zurück. Nach Angaben des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) sind die Anbauflächen für Heroin in Afghanistan, für Kokain in Kolumbien und für Marihuana in Albanien gewachsen.

Der Jahresbericht zur Rauschgiftkriminalität untersuchte den Konsum verbotener Substanzen, Alkohol und Tabak wurde daher nicht beachtet.