Künstliche Befruchtung mit fremden Eizellen Deutsche erfüllen sich immer öfter Kinderwunsch in Tschechien

Von Jindra Kolar

Immer mehr Paare entscheiden sich für eine künstliche Befruchtung, unter anderem auch mit fremden Eizellen. In Deutschland ist dies illegal, in Tschechien nicht. Und so reisen Paare in Spezialkliniken, um sich den Kinderwunsch zu erfüllen. Symbolfoto: dpaImmer mehr Paare entscheiden sich für eine künstliche Befruchtung, unter anderem auch mit fremden Eizellen. In Deutschland ist dies illegal, in Tschechien nicht. Und so reisen Paare in Spezialkliniken, um sich den Kinderwunsch zu erfüllen. Symbolfoto: dpa

Prag. Immer mehr Paare entscheiden sich für eine künstliche Befruchtung, unter anderem auch mit fremden Eizellen. In Deutschland ist dies illegal, in Tschechien nicht. Und so reisen Paare in Spezialkliniken, um sich den Kinderwunsch zu erfüllen. Für die Kliniken lohnt sich das.

Nach erfolgreicher Karriere nun noch ein Kind? Etliche Paare in Deutschland oder in Österreich entscheiden sich nach geraumer Zeit, ihren Kinderwunsch Wirklichkeit werden zu lassen. Wer im Alter von über 30 Jahren vor einem Vierteljahrhundert bereits als Spätgebärende angesehen wurde, ist heute durchaus in der Norm. Selbst Frauen über 40 entscheiden sich, ihr erstes Kind zu bekommen.

Zur fremden Eizelle nach Tschechien

Leider geht der Wunsch häufig nicht in Erfüllung. Zu lange eingenommene Verhütungsmittel, Erkrankungen des Genitalbereiches oder einfach die ablaufende biologische Uhr steht dem Wunsch nach eigenem Nachwuchs entgegen. Um diesem Manko abzuhelfen, hat sich auch in Deutschland die Reproduktionsmedizin weit fortentwickelt. Bei der In-Vitro-Fertilisation (IVF) wird der künftigen Mutter eine Eizelle entnommen, außerhalb des Körpers befruchtet und dann wieder in die Gebärmutter eingesetzt. Was aber, wenn die Frau keine gesunden Eizellen produzieren kann? In Deutschland ist das Einsetzen von fremden Eizellen illegal. Im Nachbarland Tschechien hingegen per Gesetz geregelt. Kliniken in Prag, Karlsbad (Karlovy Vary), Teplitz (Teplice) oder Pilsen (Plzen) haben sich auf die IVF-Behandlung mit fremden Eizellen - und auch Samenspenden - spezialisiert und bieten auch ausländischen Paaren mit Kinderwunsch ihre Dienste an.

Spenderfrauen sind jung

Die Klinik Karlsbad Fertility, eine der führenden Einrichtungen in der Reproduktionsmedizin Tschechiens, betont in ihren Schriften, dass es sich bei den Spenderinnen durchweg um junge gesunde Frauen unter 30 Jahren handele. In der Regel, so in der Eigenwerbung der Klinik, seien es Hochschulstudentinnen, die sich für eine Eizellenspende zur Verfügung stellen. Sehr wohl dokumentiert die Klinik den gesamten Vorgang und archiviert die Unterlagen für 30 Jahre. Doch sowohl die Eizellen spendende junge Frau als auch die empfangene Mutter bleiben anonym. Beide Seiten können so in einem später möglichen Regressfall nicht zur Verantwortung gezogen werden. Ein Grund, weshalb viele Paare aus Österreich den Weg ins Nachbarland suchen, denn dort ist die Anonymität nicht gewährleistet.

Erfolgreiches Geschäftsmodell

Ursprünglich waren die Reproduktionskliniken für tschechische Paare mit unerfülltem Kinderwunsch vorgesehen. „Wir sehen hierzulande, dass die Frauen immer später Kinder bekommen“, erklärt der Gynäkologe Petr Uher von Karlsbad Fertility. Lag das Gebäralter 1980 im Schnitt bei 22 Jahren, so sind die werdenden Mütter heute meist über 30. „Viele Frauen haben über lange Zeit die Pille genommen und können nun auf natürlichem Wege nicht schwanger werden“, begründet Uher die Behandlungen in seiner Klinik.

Zunehmend jedoch kommen Paare aus dem Ausland, den Nachbarländern Deutschland und Österreich, aber auch aus Russland zur IVF-Behandlung. Für die Patienten ist dies relativ preisgünstig – für eine künstliche Befruchtung mit einer fremden Eizelle muss man 65.000 Kronen (2400 Euro/2600 Franken)) bezahlen. Die Spenderin bekommt eine Aufwandsentschädigung von 20.000 Kronen.

Leihmutterschaft bedeutet Risiko

Nebst den renommierten Kliniken, die unter gesetzlicher Kontrolle stehen, gibt es noch den grauen Markt der Leihmutterschaft. Auch diese ist vom Gesetzgeber nicht verboten, birgt jedoch ein Risiko mit sich, da es keine einklagbaren Verträge gibt. Eine Leihmutter ist in Tschechien für 95.000 Franken zu haben. Welche Folgen das geborene Kind mit sich trägt, ist nicht absehbar, das Risiko tragen die Eltern.

Der Bedarf, den eigenen Kinderwunsch zu erfüllen, steigt stetig. Waren 2010 noch 1795 Behandlungen ausländischer Paare verzeichnet, so stieg die Zahl Ende 2015 bereits auf 4874. Auch in den kommenden Jahren werden Paare mit Kinderwunsch weiter nach Tschechien reisen.


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