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Schwerer Unfall im Landkreis Oldenburg 162 Kilo - Patient zu schwer für Rettungshubschrauber?

Von Sven Kienscherf

Bei dem Einsatz am Dienstag hatte der Notarzt entschieden, das Unfallopfer nicht mit dem Hubschrauber, sondern mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus bringen zu lassen. Foto: DRF LuftrettungBei dem Einsatz am Dienstag hatte der Notarzt entschieden, das Unfallopfer nicht mit dem Hubschrauber, sondern mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus bringen zu lassen. Foto: DRF Luftrettung

Osnabrück. Wie schwer dürfen Unfallopfer sein, damit sie im Rettungshubschrauber mitgenommen werden können? Ein Medienbericht legt nahe, dass ein Patient nach einem Crash im Landkreis Oldenburg nicht zum Krankenhaus geflogen werden konnte, weil er 160 Kilogramm wog. Stimmt das?

In Kirchseelte, einer Gemeinde im Landkreis Oldenburg, war es am Dienstag zu einem schweren Unfall gekommen, bei dem drei Personen schwer verletzt wurden. „Bild.de“ hatte unter dem Titel „Unfall-Opfer zu schwer für Rettungs-Heli“ unter Berufung auf ein weiteres Nachrichtenportal berichtet, dass ein Patient nicht im Rettungshubschrauber transportiert worden sei, weil der Mann 160 Kilogramm gewogen habe. Der Hubschrauber könne aber nur Patienten mit einem maximalen Gewicht von 120 Kilogramm transportieren, heißt es weiter.

Ist das tatsächlich so? Das Gewicht sei bei der Entscheidung, den Patienten im Krankenwagen und nicht im Helikopter zum Krankenhaus zu bringen, nur sekundär gewesen, sagte Corinna Götzmann von der DRF Luftrettung gegenüber unserer Redaktion. Der Rettungsdienst war mit dem Hubschrauber nach dem Unfall vor Ort.

Rettungswagen bessere Alternative

Der Notarzt habe entschieden, dass der Patient mit dem Rettungswagen gefahren wird, da das Fahrzeug in dem speziellen Fall nicht wesentlich länger zum Krankenhaus gebraucht habe als der Hubschrauber. Die Fahrt mit dem Wagen sei bei dem Gesamtzustand des Patienten die bessere Alternative gewesen.

Götzmann bestätigte, dass der Patient eigenen Angaben zufolge 162 Kilogramm gewogen habe. Die Trage im Hubschrauber sei für 157 Kilogramm zugelassen gewesen, allerdings inklusive medizinischer Geräte, die mit der Trage verbunden seien. Abzüglich der Geräte sei die Trage für 140 Kilogramm Gewicht ausgelegt.

Tragen bis 200 Kilogramm Gewicht

„Dabei handelt es sich aber nur um eine Empfehlung des Herstellers. Wenn es um Leben und Tod geht, wird der Rettungsarzt aber auch einen schwereren Patienten natürlich trotzdem mit dem Hubschrauber transportieren lassen.“

In neueren Hubschrauber-Modellen würden Tragen zum Einsatz kommen, die für 200 Kilogramm Gewicht zugelassen seien. „Es ist schon so, dass die Bevölkerung immer schwerer wird“, sagte Götzmann.

38.000 Einsätze pro Jahr

Bein einem Frontalzusammenstoß auf einer Landstraße bei Kirchseelte sind am Dienstagnachmittag drei Menschen schwer verletzt worden. Foto: Nonstopnews

Die DRF-Luftrettung verfügt laut Götzmann über 29 Rettungsstationen im gesamten Bundesgebiet und zwei Stationen in Österreich. Der Dienst fliege etwa 38.000 Einsätze pro Jahr. Sie können nicht ausschließen, dass ein Patient schon einmal aufgrund seines Gewichts nicht transportiert werden konnte. An einen entsprechenden Fall könne sie sich aber nicht erinnern.


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