Emanzipiert, modisch und sozial engagiert Spaniens Königin Letizia ist Vorbild für Frauen

Von Ralph Schulze

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Es waren klare Worte. Es sei wichtig, dass „die Frauen die Angst verlieren“, sagte Letizia jüngst auf der Jubiläumsveranstaltung der Vereinigung weiblicher Führungskräfte in Madrid. „Die Angst davor, den Mund aufzumachen, wenn es etwas zu sagen gibt.“ Dass Spaniens Königin Letizia keine Angst hat, den Mund aufzumachen, wissen die Spanier, spätestens seit sie offiziell im Leben des heutigen Königs Felipe auftauchte: „Lass mich mal ausreden“, fuhr sie Felipe an, als die beiden vor laufenden Kameras ihre Hochzeit ankündigten und der Thronfolger sie wieder einmal unterbrechen wollte.

Das war vor über 13 Jahren. Felipe war damals Kronprinz und Letizia eine erfolgreiche Fernsehjournalistin. 2014 rückte Felipe auf den Thron und wurde König. Letizia an seiner Seite hat seitdem als Königin gezeigt, dass sie nicht bereit ist, sich mit der üblichen Rolle des schmückenden Beiwerks des königlichen Staatschefs abzufinden. Die 44-Jährige, Tochter bürgerlicher Eltern, brachte frischen Wind in den Palast: Sie brach mit dem steifen Protokoll, warf Traditionen über den Haufen und schockte Spaniens verknöcherte Monarchisten mit ihrem Auftreten als emanzipierte und moderne Frau.

Ihre Kritiker giften zwar, sie würde mit ihrer Palastrevolte die Monarchie und die Macht der Männerwelt gefährden. Doch Letizias wachsende Beliebtheit beim Volk signalisiert, dass ihr frecher Stil auf der Straße Wirkung entfaltet. Und genau das will die selbstbewusste Blondine auch: Ein Vorbild für jene Frauen sein, die immer noch unter sozialer Benachteiligung und Macho-Gehabe leiden. Letizia: „Die Frauen, die es nach ganz oben schaffen, ändern das, was unter ihnen ist. Und sie sorgen dafür, dass auch andere Frauen über ihr Schicksal selbst entscheiden können.“

Weibliche Revolution im Palast

Dass Spaniens Monarchie wieder aus dem Popularitätstal kam, hat die Nation nicht nur Felipes Eintreten für Bescheidenheit und Ehrlichkeit zu verdanken, sondern auch dem engagierten Auftreten Letizias. Felipes Vater, der alte König Juan Carlos, ein strenger Familienpatriarch, hatte das Königshaus heruntergewirtschaftet: Korruptionsskandale, Geldverschwendung, Großwildjagden und außereheliche Abenteuer beschleunigten seinen Abtritt. Die Ehe zwischen Juan Carlos und Altkönigin Sofia, die stillschweigend die Eskapaden ihres Angetrauten ertrug und eine Königin des Leidens war, ist zerrüttet, wenn auch nicht geschieden.

Die weibliche Revolution im Palast geht unter Letizia so weit, dass berichtet wird, sie habe in der königlichen Ehe die Hosen an. Ob wahr oder nicht: Es ist kein Geheimnis, dass Letizia entscheidenden Einfluss auf den 48-jährigen Felipe hat. Ihr ist zu verdanken, dass aus dem eher steifen Königssohn, der sein Leben lang vom Hof auf seine Rolle als Thronfolger vorbereitet wurde, doch noch ein relativ lockerer König wurde. Die gelernte Journalistin, die regelmäßig mit ihren alten Freundinnen durch Madrids Kneipen zieht, sorgt mit ihren bürgerlichen Kontakten auch dafür, dass Felipe ziemlich gut über das echte Leben außerhalb des Palastes informiert ist.

Wenn Felipe und Letizia bei offiziellen oder privaten Anlässen auftreten, richten sich die Kameras vor allem auf die Königin: Letizia ist mit ihrem feschen Kleidungsstil und immer neuen Frisuren zum Trendsetter und zur wichtigsten Mode-Botschafterin der Nation geworden. „Letizia-Effekt“ nennt die Branche dieses Phänomen. Wenn die superschlanke Blondine eine Bluse, einen Rock oder einen Mantel der berühmten spanischen Modemarken Zara, Mango oder Adolfo Domínguez trägt, ist das entsprechende Teil am nächsten Tag ausverkauft.

Mode vom Designer und der Stange

Gerade erst wurde Spaniens Königin von einem großen Modeportal im Internet zur „bestgekleideten Frau Spaniens“ gewählt. Regelmäßig schmückt sie die Titelseiten internationaler Modemagazine. Dabei beweist Letizia, dass man auch mit Angeboten von der Stange gut aussehen kann. Dieser Tage wurde sie sogar mit einem neuen Oberteil gesichtet, das bei einer großen Modekette von 25,95 Euro auf 13,95 Euro heruntergesetzt war. Bei Gala-Empfängen glänzt sie derweil gern mit sündhaft teuren Teilen der spanischen Designer Lorenzo Caprile oder Felipe Varela, deren Modelle auch schon einmal 5000 Euro kosten.

Nicht nur als Spaniens Mode-Ikone macht Letizia Nachrichten. Auch ihre sozialen Aktivitäten haben dafür gesorgt, dass ihre Beliebtheit laut Umfragen in den letzten Jahren wuchs: Sie engagiert sich für Krebsforschung und Drogenbekämpfung, für chancenlose Kinder und bessere Bildung. Die UN-Welternährungsorganisation (FAO) nutzt inzwischen die globale Popularität Letizias, um mit ihr als Sonderbotschafterin gegen den Hunger zu kämpfen. Es sei inakzeptabel, „dass wir jeden Tag Essen wegwerfen, während 800 Millionen Menschen Hunger leiden“, sagte Letizia bei ihrer Ernennung.

Spaniens Königin gilt als ausgesprochene Ernährungsexpertin. Man weiß, dass sie im Palast sehr auf ausgeglichene Kost achtet, dass sie selbst viel Gemüse und Obst und wenig Fleisch zu sich nimmt. Auch bekämpft sie mit Fitnessübungen jedes überflüssige Gramm Fett an ihrem Körper. Immer wieder kommt sie wegen ihrer extremen Schlankheit ins Gerede. Stets dann, wenn sie ein ärmelloses Kleidungsstück trägt und man ihre ziemlich dünnen Arme sieht, sorgt sich die Klatschpresse, dass Letizia magersüchtig sein könnte. Was vom Palast freilich mit derselben Regelmäßigkeit dementiert wird.

Und Ernährungsbotschafterin Letizia meint: Lieber dünn, als zu dick. Es sei paradox, „dass Millionen Menschen nichts zu essen haben, während Milliarden sich schlecht ernähren, exzessiv essen und an Übergewicht leiden“.


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