14-Jähriger im Jahr 1955 gelyncht Die Lüge, die zum rassistischen Mord an Emmett Till führte

Von Karsten Grosser

Der Grabstein des 1955 ermordeten Emmett Till. Foto: dpaDer Grabstein des 1955 ermordeten Emmett Till. Foto: dpa

Osnabrück. Der Mord an den 14-jährigen Emmett Till steht für grausame Zeiten der Rassentrennung in den USA. Mehr als sechs Jahrzehnte nach dem Tod des farbigen Jungen wurde nun bekannt: Die Lüge einer weißen Frau initiierte die Tat.

Emmett Till, eigentlich in Chicago zu Hause, war im August des Jahres 1955 zu Besuch bei seinem Onkel in Money im US-Bundesstaat Mississippi. In den Südstaaten der Vereinigten Staaten betrachteten die Weißen die Farbigen als Menschen zweiter Klasse. Doch das wusste der Junge offenbar nicht. Zumindest konnte er es sich wohl nicht vorstellen, wie unmenschlich die Rassentrennung sein konnte. Emmett Till fiel ihr zum Opfer.

Ein bewundernder Pfiff

Im Laden der Bryants soll er der weißen Besitzerin Carolyn Bryant gegenüber einen bewundernden Pfiff ausgestoßen und „Bye, Babe“ gesagt haben. Das war etwas, was ein Farbiger in den Südstaaten damals nicht tun durfte. Das werteten die Weißen als respektlos. Carolyn Bryants Ehemann Roy, der nicht im Laden war, schäumte später offenbar vor Wut. Gemeinsam mit seinem Halbbruder John William Miliam kidnappte er Emmett Till. Die Männer lynchten den 14-Jährigen und warfen ihn in den Tallahatchie River. Erst drei Tage später fanden Fischer den misshandelten Körper. Vor Gericht wurden die beiden Halbbrüder freigesprochen. Es war Beginn der Bürgerrechtsbewegung in den USA.

Auch das Wiederaufrollen des Falles vor rund zehn Jahren blieb ohne Verurteilte. Nun scheint aber Klarheit in den Fall zu kommen: Mehr als 60 Jahre nach diesem Mord hat Carolyn Bryant Donham – so heißt sie mittlerweile – zugegeben, die Geschichte mit dem Pfiff erfunden zu haben. Wie auch die Aussage, Emmett Till hätte sie berührt. „Dieser Teil ist nicht wahr“, habe sie bereits im Jahr 2007 in einem bislang unveröffentlichten Interview mit Timothy Tyson gesagt. Tyson ist Autor des am 31. Januar erscheinenden Buches „The Blood of Emmett Till“.

Bryant Donham, mittlerweile 82 Jahre alt, lebt an einem unbekannten Ort. Tyson soll sie auch gesagt haben, dass sie sich an weitere Details der Begegnung mit Emmett Till nicht erinnern könne. Sie soll aber ein Bedauern ausgesprochen haben: „Nichts, was der Junge getan haben könnte, könnte jemals rechtfertigen, was mit ihm geschehen ist.“


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