Starkregen legt Leben lahm Tote nach Überschwemmungen in Spanien

Von Heinz Krieger


Valencia. Seit Freitagabend regnet es im Südosten Spaniens und auf den Balearen ohne Unterbrechung mit bis zu 277 Litern pro Quadratmeter in zwölf Stunden. Drei Menschen kamen ums Leben. Dutzende von Straßen sind überflutet. Schulen bleiben geschlossen.

„Advent auf der Insel – Mallorca ganz besinnlich.“ Das titelte die deutschsprachige „Mallorca Zeitung“ noch am Freitagabend über eine Geschichte mit Bildern zur Vorweihnachtszeit, die Leser eingesandt hatten. Am Montag gab es ebenfalls eine Fotostrecke. Autos, selbst Busse der Guardia Civil, die in den Fluten bis fast zum Dach versunken waren. Die Überschrift diesmal: Die Regenmassen erreichen Mallorca.

Und nicht nur die Inseln. Auf dem gegenüberliegenden Festland war alles noch schlimmer. Das Land Valencia mit den Provinzen Castellon, Valencia und Alicante sowie die Region Murcia und Cartagena meldeten Regenfälle und Überschwemmungen wie seit 30 Jahren nicht mehr. 277 Liter Regen pro Quadratmeter in zwölf Stunden wurden aus der Gemeinde Beniarres in den Bergen hinter dem Badeort Benidorm gemessen.

Aus einem im Wasser steckengebliebenen Zug von Murcia nach Cartagena an der Mittelmeerküste mussten zwölf Fahrgäste von der Feuerwehr befreit werden. Insgesamt meldeten die Hilfskräfte der Region mehr als 2000 Einsätze am Regen-Wochenende. Am Montag blieben in der Region Valencia mehr als 100 Schulen wegen des Wetters geschlossen, in Murcia in 28 Gemeinden.

In der Gemeinde Los Alcazares am Mar Menor mussten Einheiten des Katastrophenschutzes der Armee 80 Menschen aus ihren von den Überflutungen eingeschlossenen Häusern retten und in ein Aufnahmezentrum in der Stadt bringen.

Drei Menschen kamen in den Unwettern ums Leben. In der Provinz Castellon ertrank eine Frau in ihrem überfluteten Auto. In einer Bucht von Finestrat ging ein älterer Mann trotz eindringlicher Warnungen an der Strandpromenade spazieren. Wassermassen rissen ihn weg. Seine Leiche wurde später aus dem Meer geborgen. Der staatliche Wetterdienst Aemet hatte vor hohen Wellen, in Spitzen bis zu acht Metern hoch, an der Küste gewarnt. In Los Alcazares wurde ein Mann von einer Flutwelle in den eigenen Swimmingpool gerissen und ertrank. Starke Winde verbunden mit dem Starkregen richteten beträchtliche Schäden an, die erst aufgenommen werden können, wenn – laut Wetterbericht von Aemet – am Dienstag und Mittwoch wieder trockenes und sonniges Wetter herrschen wird. Die Winde erreichten Geschwindigkeiten von mehr als 80 Stundenkilometern, entwurzelten in der Großstadt Valencia mehrere Bäume. Auf Ibiza rutschte ein Hang ab und verschüttete einen Tunneleingang.

Nur ein Gutes brachten die starken Regenfälle: Im chronisch trockenen Südosten der iberischen Halbinsel stiegen die Pegelstände der Staubecken zur Wasserversorgung an. So wurden im Einzugsbereich des Flusses Segura zusätzliche zehn Hektokubikmeter, also zehn Millionen Kubikmeter, mehr rückgestautes Wasser gemessen. Das ist für 2017 von Bedeutung. Das Umland von Murcia gilt als Spaniens Gemüsegarten und es wird mit Wasser aus den Segura-Staubecken feucht gehalten.