Gespräch zwischen Pilot und Tower „Totalausfall“: Dramatischer Funkverkehr vor Absturz

Von dpa

Die Trauer nach dem Flugzeugabsturz ist groß. Ein Mitschnitt aus dem Funkverkehr zwischen Pilot und Tower gibt Aufschluss über die Unglücksursache. Foto: dpaDie Trauer nach dem Flugzeugabsturz ist groß. Ein Mitschnitt aus dem Funkverkehr zwischen Pilot und Tower gibt Aufschluss über die Unglücksursache. Foto: dpa

Medellín. Es ist das Dokument einer Tragödie mit Ansage. Minutenlang versuchen Pilot und Tower, Flug LaMia933 mit dem Fußballteam Chapecoense an Bord noch Richtung Piste zu bekommen. Die Aufnahmen der letzten Minuten geben Aufschluss über die Absturzursache.

Fehlender Treibstoff und ein Ausfall der Elektronik haben höchstwahrscheinlich den Flugzeugabsturz des brasilianischen Fußballteams Chapecoense in Kolumbien verursacht. Das geht aus einem zwölfminütigen Funkverkehr zwischen mehreren Piloten und dem Tower des Flughafens bei Medellín am Montagabend vor dem Absturz hervor. 
„LaMia 933 hat einen Totalausfall, Totalausfall der Elektronik, ohne Treibstoff““, sagt der Pilot laut der nun von Medien veröffentlichten Aufnahmen. Wenige Minuten, bevor das Flugzeug vom Radar verschwindet. 


Das bolivianische Santa Cruz, dem Abflugsort, nach Medellín sind es 2450 Kilometer Luftlinie. Der Jet hat eine Reichweite von 2600 Kilometern. Kurz vor dem Ziel müssen sich dramatische Szenen abgespielt haben.

Kostete Warteschleife 71 Menschen das Leben?

In den ersten Minuten des nun nachzuhörenden Funkverkehrs scheint noch alles normal, ein anderes Flugzeug erhält die bevorzugte Landeerlaubnis. Das könnte 71 Menschen das Leben gekostet haben. Denn der LaMia933 muss in eine Warteschleife. 
Wenige Minuten später scheint das Problem akuter zu werden. „Wir brauchen Priorität bei der Landung, uns wird ein Treibstoffproblem angezeigt“, sagt der Pilot zu der Frau im Tower. Immer wieder sind auch andere Piloten zu hören.

Am Berg zu niedrig

Die Meldungen des Piloten werden dringlicher. Das Flugzeug verliert an Höhe, hat am Berg „El Gordo“ („Der Dicke“) nur noch knapp 2800 Meter Höhe, obwohl in mindestens 3000 Metern Höhe geflogen werden müsste. Nach dem Notruf, dass der Treibstoff aus ist und die Technik nicht mehr funktioniert, meldet die Frau im Tower: „Freie Piste, Regen auf der Oberfläche LaMia 933, Feuerwehr alarmiert.“ 
Das Flugzeug scheint völlig außer Kontrolle: „Vectores señorita, vectores a la pista“, sagt der Pilot auf Spanisch - er fordert eine manuelle Navigation durch den Tower hin zur Landebahn. Er gibt seine Koordinaten durch, sie versucht ihn zu navigieren, fragt nach der Höhe. Der Pilot: „9 mil pies señorita“, 9000 Fuß (2740 Meter). 
Er fordert wieder: „Vectores, vectores.“ Die Frau im Tower: „Sie sind 8,2 Meilen von der Piste entfernt.“ Das sind 13,2 Kilometer. Dann fragt sie: „Welche Höhe jetzt?“ Keine Antwort. „Welche Position LaMia 933?“ Keine Antwort.

Schock zu spüren

Im Tower ist man sich sofort klar, was das bedeutet, der tiefe Schock ist auf den Mitschnitten quasi zu hören. 
Am Berg „El Gordo“ finden Rettungskräfte später das in drei Teile zerbrochene Wrack. Dass das Flugzeug nicht explodiert ist, wird von Luftfahrtexperten als klares Signal gewertet, dass die Tanks praktisch komplett leer waren. Eine überlebende Stewardess hatte von ausgefallenem Licht berichtet, was die These vom Ausfall an Bord stützt. Mit ihr überlebten fünf weitere Passagiere den Absturz. 


Mannschaft ausgelöscht

Unter den Toten sind auch 19 Fußballspieler von Chapecoense. Die Profimannschaft ist praktisch ausgelöscht. Der Verein will eine kollektive Beerdigungsfeier im Stadion der südbrasilianischen Stadt Chapecó abhalten, zu der zehntausende Menschen erwartet werden.