Ausbildung in Stade Berufswunsch Butler: Der Mann für alle Fälle

Von dpa

Der Geschäftsführer und Ausbilder der deutschen Butlerschule ·Edumondi·, Jörg Schmidt (l), gibt in dem Restaurant Die Insel· in Stade sein Wissen an seinen Schüler ·Butler David· weiter. Foto: dpaDer Geschäftsführer und Ausbilder der deutschen Butlerschule ·Edumondi·, Jörg Schmidt (l), gibt in dem Restaurant Die Insel· in Stade sein Wissen an seinen Schüler ·Butler David· weiter. Foto: dpa

Berlin. Wie faltet man einen Anzug knitterfrei? Welches Besteck liegt wo zu welchem Gang? Bischofsmütze oder Pyramide als Serviette? Und: Was tun, wenn die Wünsche zu extravagant werden? Der Butler weiß alles. Fast alles.

„Einfach nur David“, stellt sich der elegant gekleidete Mann vor. Er trägt einen Cut, weiße Handschuhe und ein Silbertablett in der linken Hand. Schon optisch ist klar, welchen Beruf David Betker hat, oder besser, welchen Beruf er erlernt: Butler. Ein ungewöhnlicher Wunsch, der für den 29-Jährigen in Stade Wirklichkeit wurde. Dort absolviert er die Ausbildung bei der Berufsfachschule Edumondi.

Acht Wochen dauert die umfassende Schulung. Alles, was ein Butler für den Dienst bei hohen - vor allem vermögenden - Herrschaften braucht, steht auf dem über 640 Stunden umfassenden Curriculum von Ausbilder Jörg Schmidt, der das Metier selbst kennt. Er fing als Hotelpage an, stieg zum Concierge auf und arbeitete in zahlreichen wohlhabenden Privathaushalten - zuletzt für die Familie eines Prinzen. Die Butlerausbildung hat ihren Preis: 13 450 Euro. Da ist aber alles drin: Unterkunft, Verpflegung, Reisen, Butlerkleidung, Dinnerabende.

Für David scheinen Cut und Beruf maßgeschneidert. Er war acht Jahre bei der Bundeswehr, auch in Kabul, Afghanistan. „Ich habe aktives Dienen gelernt“, sagte er. Was tun nach der Dienstzeit, fragte sich der Oberstabsgefreite aus Gummersbach. Dann fiel ihm ein Zeitungsartikel über die Butler-Ausbildung in England in die Hände. Die Entscheidung war getroffen. Er meldete sich bei Edumondi an.

Vor allem durch Fernseh-Klassiker wie „Dinner for One“ und Butler James („Cheerio, Miss Sophie!“) oder „Das Haus am Eaton Place“ mit dem britisch-steifen Butler Angus Hudson entstanden viele Klischees. „Heute ist der Butler ein Allrounder, ein persönlicher Assistent. Der Mann für fast alles“, sagt Schmidt (49), der sich für die Ausbildung im „Inselrestaurant“ in Stade einmietete. Dort ist auch David zeitweise in den Betriebsablauf integriert.

Der Butler weiß, dass Tischdecken nicht nur zu festlichen Anlässen gebügelt werden, er faltet Servietten gekonnt als Pyramide, Bischofsmütze oder „Boat of Paradise“, schafft ein gediegenes unaufdringliches Ambiente mit Kerzen und Tischdekoration. Die Stühle sind leicht nach rechts abgerückt, damit der Gast bequemer von links Platz nehmen kann. Besteck und Gläser - alles perfekt arrangiert.

Ob Servieren, Koffer packen, Flugtickets kaufen oder kochen: Wer als Butler eine Anstellung im Privatdienst findet, sollte seinen Dienstherrn sehr gut kennen. „Manchmal besser als die Ehefrau. Man muss die Wünsche im Voraus erahnen“, sagt Schmidt. „Aber immer ist wichtig, dass man auf Augenhöhe bleibt. Es geht nicht um ein Anbiedern.“

Darf man auch „Nein“ sagen als Butler? Etwa wenn der Wunsch zu extravagant wird? „Ich würde das Nein etwas anders ausdrücken“, sagt David. Seine Antwort: „Ich prüfe das gerne. Ich kümmere mich darum.“ Und: Freundlich lächeln.

„Diplomatie ist nie falsch“, weiß auch Ricardo. Er ist seit 18 Jahren der Butler im Luxus-Hotel Adlon in Berlin. „Außergewöhnliche Wünsche sehen wir aber als Herausforderungen.“ Ricardo Dürner trägt traditionell korrekt einen Cut und ein Namensschild, auf dem nur sein Vorname steht. „Wenn man mich sieht, erkennt man: Das muss der Butler sein.“

Sein Reich ist die Präsidentensuite und die wird ihrem Namen oft gerecht. „Ich habe schon viele Präsidenten aus allen Ländern und Kontinenten betreut. Wenn man mal grob fünf Präsidenten pro Jahr rechnet - was sehr wenig wäre - dann sind das in 18 Jahren schon sehr viele“, sagt der 47-Jährige.

Die Kommunikation mit den hohen Gästen läuft meist auf Englisch. Aber Ricardo, der in Mexiko geboren wurde, spricht auch Spanisch. Vor kurzem erst war US-Präsident Barack Obama im Adlon. Hat der Staatsgast den Butler-Dienst in Anspruch genommen? Man weiß es nicht. „Diskretion ist natürlich unerlässlich in solch einem Kreis und bei solchen Persönlichkeiten“, antwortet Ricardo. Diplomatisch eben.


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