ADFC-Fahrradklima-Test 2016 Umfrage: Wie fahrradfreundlich ist meine Stadt?

Von Bastian Rabeneck

Grünes Licht für Radfahrer: Mit dem Fahrradklima-Test 2016 will der ADFC ein deutliches Signal an die Politik senden. Bürger haben bei der Umfrage die Möglichkeit, die Radfreundlichkeit ihrer Stadt zu bewerten.Foto: dpa/Marius BeckerGrünes Licht für Radfahrer: Mit dem Fahrradklima-Test 2016 will der ADFC ein deutliches Signal an die Politik senden. Bürger haben bei der Umfrage die Möglichkeit, die Radfreundlichkeit ihrer Stadt zu bewerten.Foto: dpa/Marius Becker

brab Osnabrück. Bedeutet das Fahrradfahren in der Stadt Spaß oder Stress? Werden Radwege im Winter geräumt? Diese und weitere Fragen sollen beim Fahrradklima-Test 2016 des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) von den Bürgern beantwortet werden.

In einer Pressemitteilung forderte der Bremer Senat für Umwelt, Bau und Verkehr zur Teilnahme am Fahrradklima-Test auf. Der Test umfasst 27 Fragen und helfe die Stärken und Schwächen der Radverkehrsförderung zu erkennen. Das Ergebnis soll Auskunft darüber geben, wie fahrradfreundlich Bremen überhaupt ist. „Ziel ist es ein Signal an die Politik zu senden. Regional und überregional gibt es in vielen Städten und Gemeinden noch Verbesserungsbedarf, was die Infrastruktur für Radfahrer angeht“, erklärt Stephanie Krone, Pressesprecherin des ADFC.

Durchgeführt wird der Test vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Mit 150.000 Euro aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans (NRVP) wird das Projekt gefördert.

ADFC mahnt zur Vorsicht

468 Städte hatten deutschlandweit bei der letzten Umfrage im Jahr 2014 teilgenommen. Nach der laufenden Umfrage – bei der noch bis zum 30. November abgestimmt werden kann – soll auch analysiert werden, ob sich die Städte um eine Verbesserung bemühen. Bremen war 2014 im Ranking der Städte mit über 200.000 Einwohnern auf Platz fünf gelandet. Ein gutes Ergebnis. Albrecht Genzel vom ADFC Bremen mahnt dennoch zur Vorsicht: „Darauf dürfen wir uns nicht ausruhen. Bremen ist eine alte Fahrradstadt. Wir waren mal innovativ, sind es aber nicht mehr.“ Münster und Karlsruhe landeten in Bremens Größenkategorie im Ranking vor der Hansestadt auf Platz eins und zwei.

In Münster seien die Radfahrer besonders zufrieden mit dem Winterdienst und der Reinigung der Radwege. Auch die Verfolgung von Falschparkern fiel den Münsteranern positiv auf. In der Stadt sei es absolut selbstverständlich, mit dem Fahrrad zu fahren –auch in der Innenstadt. Karlsruhe macht dagegen besonders viel Werbung für das Rad. Zudem sei die Fahrradmitnahme in den öffentlichen Verkehrsmitteln unkompliziert.

Osnabrück zurecht auf hinteren Plätzen

Osnabrück musste sich im Ranking der Städte mit 100.000 bis 200.000 Einwohnern mit Platz 23 zufriedengeben. Luft nach oben ist für die Friedensstadt damit allemal. Wolfgang Driehaus, zweiter Vorsitzender des Osnabrücker ADFC, hält diesen hinteren Platz für berechtigt. Im Fahrradklima-Test 2014 stellte sich heraus, dass sich Fahrradfahrer auf Osnabrücks Straßen oft unsicher fühlen. Eine bessere Infrastruktur für Radfahrer muss geschaffen werden, um sich an Kreuzungen und Knotenpunkten endlich wieder sicher zu fühlen, so Driehaus. Dafür müsse zum einen verhindert werden, dass noch mehr und immer größere LKW durch die Innenstadt fahren. Zum anderen fordert der Osnabrücker ADFC eine fahrradfreundlichere Ampelschaltung von der Stadt.

(Weiterlesen: Ghostbike erinnert an tote Radfahrerin am Goethering)

Sowohl Auto- als auch Radfahrer schuldig

„Speziell das Unfallrisiko für Radfahrer soll vermindert werden,“ sagt Krone. Nach Angaben der Pressestelle der Polizei Bremen gab es 2014 insgesamt 1645 Verkehrsunfälle in der Stadt, bei denen 1306 Radfahrer verletzt wurden. Bei vier Radfahrern verliefen die Unfälle tödlich. Die Zahlen aus 2015 zeigen einen leichten Rückgang mit 1592 Unfällen. Verletzt wurden dabei 1258 Radfahrer, vier davon starben dennoch bei den Unfällen. Als Hauptunfallursachen gibt die Pressestelle Alkoholeinfluss, Nutzung der falschen Fahrbahn, Missachtung der Vorfahrt und zu hohe Geschwindigkeit oder zu geringer Abstand an. Verursacher sind sowohl Auto- als auch Radfahrer. (Weiterlesen: Mit dem Rad durch den Osnabrücker Feierabendverkehr)

Unzeitgemäße Infrastruktur

„In vielen Städten ist die Infrastruktur für Radfahrer nicht mehr zeitgemäß,“ erklärt Krone. In den 70er oder 80er Jahren war es aktuell einen Fahrradstreifen auf dem Bordstein zu haben. Der Bedarf habe sich aber gewandelt. Radfahrer benötigen in der Stadt breite und komfortable Radwege, um sich sicher zu fühlen. Entsprechende Wege müssten besonders im Sichtfeld der Autofahrer liegen, um das Unfallrisiko zu verringern.

Baustellen sieht Krone bundesweit auch bei der Markierung von Radwegen. Oft seien entsprechende Markierungen für die Autofahrer nur schwer zu erkennen und würden sich nicht stark genug von der Fahrbahn abgrenzen. Radspuren würden vor allem in Großstädten immer wieder zugeparkt werden, sodass Fahrradfahrer gezwungen sind auf gefährliche Autofahrstreifen auszuweichen. Die Ordnungsämter müssen in diesen Fällen härter durchgreifen, so Krone.