Missglückte Werbefilme Nach Kritik an Edeka: Diese Kampagnen gingen auch schief

Sexy dank Sandwiches? Subway sah sich vor zwei Jahren aufgrund seines Halloween-Werbespots dem Vorwurf ausgesetzt, ein sexistisches Frauenbild zu vertreten. Screenshot: NOZ/Youtube.comSexy dank Sandwiches? Subway sah sich vor zwei Jahren aufgrund seines Halloween-Werbespots dem Vorwurf ausgesetzt, ein sexistisches Frauenbild zu vertreten. Screenshot: NOZ/Youtube.com

chl/lori Osnabrück. Edekas neuer Weihnachts-Spot ist gründlich schief gegangen: Der Lebensmittelhändler wird kritisiert, weil angeblich Nazi-Codes in der Werbung transportiert werden. Auch andere Unternehmen haben schon viel Geld für missglückte Werbekampagnen in den Sand gesetzt. Ein Überblick.

Die Supermarktkette Edeka steht wegen ihres neuen Werbespots in der Kritik. Doch damit befindet sich das Unternehmen in bester Gesellschaft: Auch Wiesenhof, Subway oder Hyundai haben schon durchaus fragwürdige Filme veröffentlicht. Hier ist eine Auswahl missglückter Werbekampagnen:

Wiesenhof

Erst in diesem Sommer ist Wiesenhof mit seiner Bratwurst-Werbung auf die Nase gefallen. Dabei hatte der Geflügel-Verarbeiter sich für den Spot extra den Comedian Atze Schröder ins Boot geholt. Der sagt im Video einen folgenschweren Satz: „Seid ihr bereit für die größte Wurst des Sommers? Hier ist dat Dingen. Danach müssen Gina und Lisa erst mal in die Traumatherapie.“ Als der Werbeclip veröffentlicht wurde, hagelte es in den sozialen Medien Kritik: Denn gleichzeitig stand das Model Gina-Lisa Lohfink vor Gericht, weil sie zwei Männer beschuldigt hatte, sie vergewaltigt zu haben. Die Anspielung schien offensichtlich – und Atze Schröder entschuldigte sich öffentlich mit der Begründung, der Film sei schon lange vor dem Prozess gedreht worden und hätte nie veröffentlicht werden dürfen.

Subway:

Die Sandwich-Kette erntete in den USA vor zwei Jahren einen Shitstorm, nachdem sie einen Werbespot zu Halloween veröffentlicht hatte. Subway wurde Sexismus vorgeworfen, weil das Unternehmen Frauen darin dazu aufrief, abzunehmen, um sexy in ihren Halloween-Outfits auszusehen. Eine schlanke, gut aussehende Frau fordert in dem Clip eine andere dazu auf, ihren Burger aus der Hand zu legen. Stattdessen solle sie zu einem vermeintlich gesunden und fettarmen Sandwich von Subway greifen. Da Halloween bevorstünde, müsse man gut in Form sein. Um die schlankmachende Wirkung der Subway-Angebote zu demonstrieren, zeigt sich die Frau anschließend in knappen Outfits – darunter unter anderem als Teufelin und Lehrerin. Auf Twitter beschwerten sich viele Nutzer über das in dem Spot zur Schau gestellte Frauenbild. Subway ruderte anschließend zurück und betonte, dass die Kette niemanden auf die Füße treten wollte. Vielmehr solle der Spot mit einem Augenzwinkern angeschaut werden, da er eine eigene Art von Halloween-Humor transportiere.

Hyundai

Richtig makaber wird es bei diesem Clip: Der Autohersteller Hyundai zeigte 2013 in seiner Werbung einen versuchten Suizid. Die Szene: Ein Mann will sich mit Autoabgasen umbringen und überlebt, weil der Brennstoffzellen-Hyundai statt des tödlichen Gases Kohlenmonoxid nur harmlosen Wasserdampf ausstößt. Ein zweifelhafter Grund für eine Kaufentscheidung fanden zahlreiche Kritiker. Die Bloggerin Holly Brockwell wandte sich sogar mit einem offenen Brief an den Autobauer und beschrieb darin, wie sie selbst ihren Vater durch Suizid verloren hatte. Ihre Forderung: „Denken Sie beim nächsten Werbefilm etwas länger nach. Denken sie an mich, an meinen Vater und die tausenden anderen Suizidopfer und die Familien, die sie zurückgelassen haben.“ Hyundai nahm das Video einen Tag nach der Veröffentlichung wieder aus dem Netz.

E wie Einfach:

Im Jahr 2012 zog die Eon-Tochter „E wie Einfach“ einen Werbespot nach nur wenigen Tagen wegen massiver Proteste von Verbrauchern zurück. Dem Unternehmen wurde vorgeworfen, in dem Clip Gewalt gegen Frauen zu verherrlichen. In der Werbung ist ein Paar im Ehebett zu sehen. Die Frau kann nicht schlafen und wälzt sich unruhig umher, dabei weckt sie ihren Freund. Der reagiert gar nicht erfreut darauf: Mit einer Kopfnuss streckt er die Frau nieder. Aus dem Off kommentiert ein Sprecher: „Einschlafen ist doch ganz einfach. So einfach wie der Wechsel zu E wie einfach.“ Das Unternehmen entschuldigte sich anschließend. „Wir haben die Wirkung, die unser TV Spot Einschlafen erzielt hat, scheinbar grundlegend falsch eingeschätzt. Es war nie unsere Absicht, mit dem Film die Gefühle der Zuschauer zu verletzen oder gar frauenfeindlich zu wirken“, erklärte E wie Einfach anschließend auf seiner Facebook-Seite.

Procter & Gamble

Edeka ist nicht das erste Unternehmen, das mit Nazi-Vorwürfen konfrontiert wird. 2014 gab es einen ähnlichen Shitstorm gegen Procter & Gamble. Passend zur Fußball Weltmeisterschaft verkaufte der US-Konzern Waschmittelpackungen der Marke Ariel im Design eines Trikots. Eigentlich eine gute Idee – nur druckte das Unternehmen die Rückennummer 88 auf das Trikot. Die Zahl dient in der rechten Szene als Code für „Heil Hitler“. Eigentlich sollte die Zahl für die Summe der Waschladungen stehen, die mit einer Großpackung Ariel möglich seien, teilte das Unternehmen damals mit. Ausgeliefert wurden die Packungen nach den Vorwürfen allerdings nicht mehr.

Sanifair:

Viel Häme musste im vergangenen Jahr der WC-Betreiber Sanifair für einen zweieinhalbminütigen Imagefilm einstecken. In dem Video wird die zehnjährige Amelie gezeigt, wie sie mit einem Stofftier einer Sanifair-Anlage herumspringt und deren vermeintliche Vorzüge erkundet, darunter duftende Seifen, einen 50-Cent-Wertbon und selbstreinigende Klositze. „Oh, wie ist das schön“: Viele Zuschauer empfanden die euphorische Darstellung des Toiletten-Erlebnisses eher als lächerlich und peinlich. In den sozialen Netzwerken machten sich die Nutzer über den Spot lustig, der nach Intention des Unternehmens eigentlich dafür sorgen sollte, dass Kunden die Marke Sanifair künftig „mit ganz anderen Augen“ sehen. Das hat Sanifair auch geschafft – wenn auch nicht ganz so, wie gewünscht. (Weiterlesen: Die armen Kinder – Wie Werbung von Edeka und Co. uns manipuliert)

Mercedes

Auch über diesen vermeintlichen Werbeclip wurde viel diskutiert: Zu sehen ist ein Mercedes, der im österreichischen Dorf Braunau am Inn einen Jungen namens Adolf überfährt. Die Szene endet mit dem offiziellen Werbeslogan von Mercedes: „Erkennt Gefahren, bevor sie entstehen.“ Der Film wurde von Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg aufgenommen und mit dem Nachwuchsfilmpreis „First Steps Award“ ausgezeichnet. Die Konzernbosse von der Mercedes-Benz/Daimler AG fanden die Aktion trotzdem nicht witzig: Die Macher mussten nachträglich Hinweise einbauen und deutlich machen, dass der Spot nicht autorisiert ist.



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