Kampagne #FreeTheCow Kuh flieht vor dem Schlachter ins Meer vor Australien

Von Barbara Barkhausen

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In Australien ist eine Kuh vom Frachter ins Meer gesprungen. Später wurde sie wieder eingefangen. Nun wollen Tierschützer sie endgültig retten. Screenshot: NOZ/Twitter.com/FreoSeaRescueIn Australien ist eine Kuh vom Frachter ins Meer gesprungen. Später wurde sie wieder eingefangen. Nun wollen Tierschützer sie endgültig retten. Screenshot: NOZ/Twitter.com/FreoSeaRescue

Sydney. Beim Verladen auf einen großen Frachter springt eine Kuh in Australien mutig vom Schiff aus ins Meer und schwimmt in die Freiheit. 24 Stunden lang gelingt ihr die Flucht, bevor sie eingefangen wird. Jetzt kämpfen Tierschützer im Internet um ihre Rettung.

Diese Geschichte dreht in den sozialen Netzwerken ihre Runden. #FreeTheCow („Befreit die Kuh“) – unter diesem Hashtag haben Tierfreunde eine Kampagne für eine Kuh gestartet, die unglaublichen Mut bewiesen hat, um dem Schlachter zu entgehen.

Sprung in die Freiheit

Begonnen hat die Geschichte des mutigen Rindes bereits am Sonntag im Hafen von Fremantle, einem Vorort von Perth in Westaustralien. Von hier werden jedes Jahr Tausende Tiere lebend verschifft. Der größte Exporteur Australiens, Wellard Rural Exports, transportiert jährlich fast eine Million Schafe und Rinder unter anderem nach Asien und in arabische Länder.

Für die australische Kuh wäre die Reise ihre letzte gewesen. Am Zielort hätte sie höchstwahrscheinlich der Schlachter erwartet. Das muss das mutige Tier irgendwie verspürt haben. Es befreite sich und sprang mit einem Satz in den Indischen Ozean vor Perth.

Die lokale Küstenwache Fremantle Sea Rescue wurde gerufen und schaffte es, die schwimmende Kuh mithilfe eines Jetskis in Richtung Land zu leiten. Das Video davon wurde auf Facebook inzwischen fast 20.000-mal angeschaut. Die Kuh habe zwischenzeitlich unter einem Steg festgesteckt, schrieb die Küstenwache auf ihrer Facebookseite, habe es dann jedoch an Land geschafft, und sei dort dann „ins Stadtzentrum von Fremantle gerannt, wo andere Behörden und Ranger die Rettungsaktion übernahmen“. Doch zunächst gelang es auch den Behörden an Land nicht, den Ausbrecher zu stoppen. Die Kuh rannte durch das Stadtzentrum von Fremantle, soll später jedoch an einem Strand in der Nähe und in einem Park gesichtet worden sein.

Fehler beim Verladen

Laut der australischen Nachrichtenseite News.com.au war die Flucht nicht nur ihr gelungen, sondern auch noch neun anderen Kühen, die falsch von einem Lastwagen entladen worden waren. Acht waren jedoch sofort wieder eingefangen worden, eine neunte Kuh verletzte ihre Beine und musste eingeschläfert werden, während die mutige Nummer Zehn ins Wasser und in die Freiheit sprang.

24 Stunden suchten Mitarbeiter der Viehexportfirma sowie Gemeindemitarbeiter nach dem Tier. Am Montag berichtete das lokale Medium WAToday noch, dass die Kuh trotz einiger Sichtungen verschwunden sei. „Gemeindemitarbeiter in Fremantle gaben die Jagd nach der Kuh auf, sobald sie am Sonntagnacht in die Gemeinde Cockburn hinübergerannt ist“, hieß es. Doch laut dem Fernsehsender Channel Ten wurde sie letztendlich nach über 24 Stunden auf der Flucht und fünf Kilometer von Fremantle entfernt im Stadtteil North Coogee entdeckt und eingefangen. Exporteur Wellard bestätigte, dass die Kuh inzwischen wieder auf einer der Farmen des Viehexporteurs sei und dort auf das nächste Schiff warte.

Tierschützer wollen die Kuh retten

Tierschützer wollen die mutige Kuh, die um ihr Leben schwamm, nun aber gerne retten und haben deswegen eine Internetkampagne mit dem Hashtag #Freethecow oder „Befreit die Kuh“ gestartet. Sie wollen, dass das Tier auf einem Bauernhof oder in einem Tierheim sein Leben verbringen darf, anstatt als Lebendtransport auf dem Schiff in Richtung Schlachter zu enden. So schrieb Neil Mitchell: „Ich finde, sie sollte jetzt begnadigt werden, wo sie ohne Zweifel so an ihrem Leben hängt.“ Nik Taylor, eine Soziologieprofessorin an der Flinders Universität in Südaustralien schrieb dazu jedoch auf Twitter: „Ich vermute, sie hängen ohne Zweifel alle sehr an ihrem Leben. Es ist seltsam, dass wir für Individuen fühlen, aber nicht für die Massen.“

Ob die Kampagne jedoch diesem einen Individuum helfen kann, bleibt abzuwarten. Während eines Telefonats mit Wellard Rural Exports gab eine Mitarbeiterin zu verstehen, dass die Regulierungen eigentlich nicht zuließen, dass das Tier nun auf einen Bauernhof oder in ein Tierheim komme.


Lebendtransporte: Von Australien aus in den Tod

Australiens Viehtransporte per Schiff sind seit Jahren umstritten. Per Seeweg zum Schlachthof – dabei quälen sich Rinder und Schafe oft wochenlang in engen und heißen Schiffen. 2011 forderte die Tierschutzorganisation Peta beispielsweise ein Verbot des Lebendexports von Schafen aus Australien in die Türkei, nach Ägypten und in den Nahen Osten. Zuvor war es wiederholt zu Tierquälereien enormen Ausmaßes gekommen. Im August 2011 musste der Lebendexportfrachter Al Messilah nach einem Defekt zum Hafen in Adelaide umkehren. Allein in den ersten zehn Tagen bis zum Ausladen der Schafe sollen laut Peta 298 Tiere gestorben sein. Weitere 206 Schafe verendeten wohl während der restlichen Reise. 2002 kam es auf dem Schiff MV Becrux zu einem ähnlichen Drama: Damals starben auf dem Viehtransportschiff 614 von 1977 Rindern an Bord und weitere 200 wenig später an Land.

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