Bekannt aus „Club der roten Bänder“ Schauspieler Damian Hardung ist weder Streber noch Wunderkind

Derzeit trägt Damian Hardung die Haare kurz. Doch auch eine Glatze findet er nicht schlecht. Foto: Vox/Martin RottenkolberDerzeit trägt Damian Hardung die Haare kurz. Doch auch eine Glatze findet er nicht schlecht. Foto: Vox/Martin Rottenkolber

Osnabrück. Nach dem Erfolg der ersten Staffel strahlt Vox im November die Fortsetzung der Eigenproduktion „Club der roten Bänder aus. Im Interview erzählt Mädchenschwarm und Serienliebling Damian Hardung, ob er Gefallen an der Glatze gefunden hat, warum es mit einem Studium in Oxford doch nicht geklappt hat und wie er sich durch die Rolle des krebskranken Jonas verändert hat.

Nach dem Erfolg der ersten Staffel strahlt Vox ab Montag die Fortsetzung der Eigenproduktion „Club der roten Bänder“ aus. Im Interview erzählt der 18-jährige Mädchenschwarm und Serienliebling Damian Hardung, ob er Gefallen an der Glatze gefunden hat, warum es mit einem Studium in Oxford doch nicht klappte und wie er sich durch die Rolle des krebskranken Jonas verändert hat.

Damian, tragen Sie lieber Haare oder Glatze?

Das sind beides interessante Frisuren. Persönlich trage ich relativ lange Haare, weil man damit mehr machen kann. Aber Glatze ist fast noch schöner als kurze Haare.

Hast du vor deiner Rolle im „Club der roten Bänder“ schon mal eine Glatze getragen?

Nein, noch nie.

Sie spielen den Jonas in der Serie. Wie viel haben Sie beide gemeinsam?

Unsere Ziele und Wünsche decken sich oft. Jonas ist da wie viele andere Jugendliche: Er sehnt sich danach, sein Leben in den Griff zu bekommen, rauszugehen mit seinen Freunden und Dinge zu tun, die man als Jugendlicher eben tut. Aber die Widerstände sind bei uns unterschiedlich, und die muss man als Schauspieler so gut wie möglich porträtieren. Man kann immer versuchen, Parallelen zum eigenen Leben zu ziehen. Ich hoffe, ich habe es geschafft, das abzubilden.

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Wenn man jung ist, beschäftigt man sich eher weniger mit Themen wie Krebs und Sterben. Haben Sie sich vor den Dreharbeiten damit auseinandergesetzt?

Wir alle haben Freunde oder Verwandte, die von uns gehen. Der Tod gehört zum Leben dazu, und wir müssen uns damit beschäftigen. Die Frage ist nur, ob wir es bewusst oder unbewusst tun. Ich fand das schon immer ein wichtiges Thema, da es oft von der Gesellschaft verschwiegen wird. Weil es keinen Sinn macht, die Augen davor zu verschließen, habe ich von Anfang an versucht, mich damit auseinanderzusetzen. Für jeden von uns ist die Zeit irgendwann gekommen. Jonas versucht genau wie die anderen Charaktere in der Serie, dagegen anzukämpfen. Dieser Drang nach Leben hat etwas total Positives; die Lebenslust und der Optimismus, den wir darstellen.

Was hat es in Ihnen ausgelöst, einen krebskranken Jungen zu spielen?

Ich habe mich intensiver mit dem Thema beschäftigt. Durch die Erfahrung mit der Glatze habe ich noch mal ein anderes Verständnis dafür bekommen, wie man mit einer Krankheit umgehen soll. Eben weil es so offensichtlich wird. Ich habe gemerkt, dass man Blicke erntet, die in Mitleid umschlagen. Aber Menschen, die in so einer Situation sind, müssen sowieso schon viel einstecken, und die wollen kein Mitleid. Sie wollen ganz normal behandelt werden. Wir kennen das ja alle, dass man nicht weiß, wie man einen Bekannten oder Verwandten ansprechen soll, der im Krankenhaus liegt, damit es nicht blöd rüberkommt. Diese Balance finden zu müssen, das ist mir bewusst geworden.

Viele Leute, die an Krebs erkrankt sind, schreiben Ihnen bei Facebook. Was geht in Ihnen vor, wenn Sie diese Nachrichten lesen?

Es nimmt mich mit. Das ist wahnsinnig herzzerreißend, wenn man die Schicksale hört. Man wird jedes Mal wieder in ein anderes Leben hineingerissen. Ich komme mir oft überhaupt nicht qualifiziert dafür vor, Antworten geben zu können, und weiß nicht, ob ich das Richtige sage. Etwas Falsches zu sagen, davor habe ich manchmal Angst. Aber ich bin unheimlich dankbar dafür, dass diese Leute diese einzigartigen Geschichten, die sie haben, mit mir teilen. Ich versuche, so vielen wie möglich zu antworten und ihnen Kraft zu spenden.

Was haben die Dreharbeiten an Ihrem Verhalten gegenüber kranken Menschen verändert?

Ich lege weniger Gewicht auf die Krankheit und mehr auf die Menschen. Selbst im Krankenhaus liegen nicht kranke Menschen, sondern einfach Menschen. Darauf sollte man bauen, denn die Krankheit definiert den Menschen nicht. Wenn man ihn darüber definiert, dann fängt es an, pathologisch zu werden.

Die erste Staffel vom „Club der roten Bänder“ war ein voller Erfolg. Wie schaffen Sie es da, auf dem Boden zu bleiben?

Das ist für mich kein Problem. Ich wohne noch bei meinen Eltern, bin weiter zur Schule gegangen. Ich habe einen ganz normalen Alltag, der mich immer weiter begleitet hat, und ich mache jetzt auch weiter das, was viele meiner Freunde machen. Das ist wie eine Art Parallelwelt, in die ich da eingetaucht bin. Dadurch habe ich ganz viele Leute um mich herum, die mich an meinen Alltag erinnern. Es ist auch sehr schön, wenn man mal ganz wegkommt vom Set und den Dreharbeiten, um abschalten zu können.

Haben Sie schon Anfragen für andere Rollen bekommen?

Ich habe noch eine kleine Rolle im Frühling gehabt und wollte eigentlich auch im Sommer noch was drehen. Aber das hat sich mit dem „Club der roten Bänder“ überschnitten. Weil es total stressig ist, zwei Produktionen gleichzeitig zu machen und die Dreharbeiten zu koordinieren, gab es da nicht so viel Spielraum. Außerdem war ich auch noch ein paar Wochen weg. Im Winter werde ich auch noch mal wegfahren; aber wenn es so weiterläuft wie bisher, kann ich überglücklich sein.

Also würden Sie auch weiter schauspielern?

Ich würde es auf jeden Fall in Betracht ziehen. Wie viele andere nach dem Abi bin ich in so einer Situation, in der ich grade sage, es gibt vieles, was ich mit meinem Leben machen kann. Ich habe aber auch weiterhin den Plan, dass ich irgendwann an die Uni möchte. Das schließt die Schauspielerei aber nicht aus. Gerade genieße ich einfach den Augenblick und gucke, was kommt.

Sie haben Fotos von einem Shooting auf Kuba gepostet. Können Sie sich auch vorstellen zu modeln?

Nicht hauptberuflich. Nebenbei macht es Spaß, verschiedene Dinge auszuprobieren und mitzunehmen. Deswegen model ich ab und zu auch gerne, aber nur auf einer Schiene zu fahren ist nicht mein Ding.

Hatten Sie auch vor der Rolle in der Serie schon Aufträge für Fotoshootings?

Ich habe schon Presse- und Agenturfotos gemacht, aber Modefotoshootings kamen erst hinterher. Vom Set bin ich es aber gewöhnt, vor der Kamera zu stehen.  

Sie haben sich auch für ein Medizin-Studium in Oxford beworben. Haben Sie den Platz bekommen?

Nein, tatsächlich nicht. Es gab da einen Test, den BMAT, den ich total unterschätzt habe, und dann habe ich ihn vergeigt. Mitten in den Dreharbeiten und während der Klausurphase in der Schule habe ich keine Zeit gefunden, mich vorzubereiten. Aber das ist auch in Ordnung, weil ich jetzt erst mal reisen werde. Ich mache jetzt erst mal ein Jahr Pause.

Aber der Plan, Medizin zu studieren, ist nach wie vor aktuell?

Ja, vielleicht bewerbe ich mich auch noch mal in Oxford. Mal sehen. Aber Medizin ist nach wie vor das, was mich am meisten anspricht, auch im Hinblick auf die Serie. Das Interesse hatte ich aber vorher schon: Das ist so ein tief reichendes und spannendes Thema, das sich zu studieren lohnt.

Sie sind viel auf Reisen. Warum zieht es Sie in die weite Welt?

Ich bin jemand, der Fernweh empfindet und es liebt, andere Kulturen kennenzulernen, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen und zu sehen, wie man auch anders leben kann. Es ist schön, wenn man dann zurückkommt und merkt, man hat plötzlich eine andere Sicht darauf, wie man hier lebt, und kann die Dinge ganz anders wertschätzen. Man lernt ganz viele Gemeinsamkeiten kennen, die alle Menschen auf der Welt verbinden. Das ist unbeschreiblich. Ich empfinde es als sehr bereichernd, sich mit Menschen auf der ganzen Welt verbunden zu fühlen – und diese andersherum hoffentlich auch.

Um Medizin studieren zu können und in Oxford angenommen zu werden, braucht man einen extrem guten Schulabschluss. Welchen Abischnitt haben Sie geschafft?

Einen ganz guten (lacht). Ich bin zufrieden.

Sie haben mal ein Stipendium für Hochbegabte bekommen, lernen Chinesisch und spielen Klavier. Sind Sie ein Streber oder ein Wunderkind?

Weder noch. Ich bin einfach der Typ von nebenan. Das, was ich bisher gemacht habe, hat mir alles sehr viel Spaß gemacht. Da habe ich mich immer total reingeschmissen. Wenn man sich mit etwas identifizieren kann und es Spaß macht, „verschwendet“ man auch gerne mehr Energie darauf. 

Also probieren Sie auch gerne neue Sachen aus. Brauchen Sie auch extreme oder risikoreiche Dinge wie Bungee-Jumping?

Das habe ich noch nie gemacht, aber tatsächlich würde ich es gerne mal (lacht). Ich bin einfach jemand, der gerne viele Erfahrungen mitnimmt.

Sie haben sehr viele, vor allem weibliche Fans. Wie geht Ihre Freundin damit um?

Ganz entspannt.

Wie ist das für Sie, wenn Fans Sie auf der Straße ansprechen?

Momentan ist das noch auf einem Level, wo ich es total nett finde. Es ist schön, Feedback zu bekommen und eine neue Sichtweise auf die Dinge, wenn mir die Menschen ihre Gedanken dazu mitteilen. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass das im Zuge der zweiten Staffel noch zunehmen wird und man irgendwann vielleicht auch gerne mal nicht mehr darauf angesprochen werden möchte. Man will ja nicht die ganze Zeit nur an die Rolle denken. Es ist irgendwann auch zu eindimensional, wenn man immer nur als „Jonas“ bezeichnet wird. Ich bin ja nicht nur das. Aber die Leute kennen mich durch die Rolle, deshalb nehme ich das auch keinem Übel.

Was erwartet die Zuschauer in der zweiten Staffel?

Ganz viele spannende neue Geschichten. Es ist wahnsinnig, wie sich die einzelnen Pfade der Charaktere wandeln. Es hat sehr viel Spaß gemacht, für mich zu entwickeln, wie Jonas weiter durch das Leben schreitet und welche Schwierigkeiten er noch hat. Als ich die Drehbücher gelesen habe, habe ich angefangen zu weinen, weil sie so geladen sind mit Galgenhumor, mit witzigen, traurigen, ernsthaften und lächerlichen Momenten. Genau das, was vielen Leuten an der ersten Staffel gefallen hat, diese Achterbahn der Gefühle, wird in der zweiten Staffel wiederkommen.

Vox hat schon verkündet, dass alle Hauptcharaktere dabeibleiben. Aber ist Alex nicht am Ende der ersten Staffel gestorben?

Tatsächlich. (Pfeift) Ja, es bleibt spannend.

Wird Jonas wieder gesund?

Momentan habe ich ein paar Haare, so viel kann ich sagen. Das kann ich ja nicht verheimlichen. Aber welchen Weg das dann bedeutet. Momentan sind wir noch am Drehen, es kann sich also noch alles ändern. Ich möchte da nicht zu viel verraten.

Gibt es eine Szene aus der ersten Staffel, die Sie am stärksten in Erinnerung haben?

Die Szene, in der ich den Abschiedstanz für mein Bein mache, und die, in der wir Alex in der Begräbniskammer Tschüss sagen, waren die zwei härtesten. Die hatten so eine tiefe Bedeutung, dass ich mich da auch sehr gefreut habe, als ich sie live gesehen habe. Da habe ich gedacht, es hat sich gelohnt, dass wir uns so haben mitnehmen lassen.

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Hatten Sie Bedenken, ob das Konzept aufgehen würde?

Wir hatten dahin gehend Bedenken, ob die Zuschauer etwas schauen wollen, das zunächst sehr abtörnend klingt, wenn man nur die Beschreibung liest. Sechs Kinder im Krankenhaus, das könnte deprimierend sein. Wer will sich so was nach einem harten Arbeitstag angucken? Da will man eher abschalten und ein Feierabendbierchen trinken. Aber die Leute haben gemerkt, dass es zwar auch um Tod und Verluste geht, aber vor allem auch um den Optimismus, den wir erzählen, um Lebensfreude.

 

Haben Sie sich in der Drehpause vor der zweiten Staffel auch privat mit den anderen Clubmitgliedern getroffen, oder brauchten Sie Abstand?

Ich bin erst mal in den Urlaub geflogen und habe noch einen Schüleraustausch gemacht, aber danach haben wir uns wirklich oft gesehen. Das klingt jetzt ein bisschen blöd, aber wir haben uns gefühlt einmal pro Woche bei einer Preisverleihung gesehen. Wir haben uns aber auch ab und zu privat getroffen. Ich war zum Beispiel mal ein Wochenende bei Timur (Bartels, spielt den Alex; Anm. d. Red.) in Berlin – definitiv wiederholungsbedürftig!


Damian Hardung

Damian Hardung wurde am 7. September 1998 geboren. Zusammen mit seinen Eltern Alex und Marika und seinen Brüdern Leon und Gabriel lebt er in Köln. Bis vor Kurzem besuchte Hardung dort das Humboldt-Gymnasium, das er jetzt mit dem Abitur abschloss. Einige Jahre zuvor besuchte er dank eines Stipendiums für Hochbegabte eine Privatschule in New York.

Zu seinen Hobbys gehört nicht nur Klavier spielen. Hardung spielte bis zur A-Jugend Fußball bei Fortuna Köln und war auch in der DFB-Jugendauswahl Köln. Zugunsten seiner Schauspielkarriere hörte er damit jedoch auf.

Schon seit einigen Jahren ist der junge Mann als Schauspieler aktiv. So war er etwa in den Filmen „Der magische Umhang“, „Die Holzbaronin“, „Der Hodscha und die Piepenkötter“ und „Mord in Eberswalde“ zu sehen. In diesem Jahr drehte er auch für eine Sendung der Serie Soko Stuttgart.

Seinen Durchbruch schaffte Hardung aber in der Vox-Eigenproduktion „Club der roten Bänder“. In der Fernsehserie spielt er den krebskranken Jugendlichen Jonas Till Neumann. Nach dem Erfolg der ersten Staffel, die im vergangenen Jahr ausgestrahlt wurde, zeigt der Sender ab November die zweite Staffel.

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