Fünf Inseln sind schon weg Wegen Klimawandels: Salomonen drohen im Meer zu versinken

Von dpa

Neben den Hütten von Einheimischen in Posarae auf Choiseul, Salomonen, ist links im Bild ein Erdrutsch zu sehen. Weil der Meeresspiegel in der Region steigt, könnten die Hütten bald vom Wasser bedroht sein. Foto: Wulf Killmann/GIZ/dpaNeben den Hütten von Einheimischen in Posarae auf Choiseul, Salomonen, ist links im Bild ein Erdrutsch zu sehen. Weil der Meeresspiegel in der Region steigt, könnten die Hütten bald vom Wasser bedroht sein. Foto: Wulf Killmann/GIZ/dpa

Honiara. Wie viele Millimeter steigt der Meeresspiegel durch den Klimawandel? Experten forschen und prognostizieren, aber für die Menschen auf den Salomonen-Inseln im Pazifik geht es längst ums Überleben.

Robert Satu hat sein Leben lang in seinem Fischerdorf mit ein paar Dutzend Hütten auf den Salomonen-Inseln in der Südsee gelebt. „Von der Straße bis zum Meer, das waren immer gut 120 Meter“, sagt der Dorfälteste in einem Dokumentarfilm über die Folgen des Klimawandels. „Heute ist es noch die Hälfte. Das Meer drängt uns Richtung Straße, aber viel weiter können wir nicht. Irgendwann müssen wir gehen. Ich habe Angst.“

Die Salomonen, das ist ein Staat mit Hunderten von Inseln und gut einer halben Million Einwohnern, sechseinhalb Flugstunden nordöstlich von Sydney in Australien gelegen. „Entdecken Sie das beste Geheimnis der Welt“, lockt die Tourismusbehörde und macht mit Palmen und Kokosnüssen und langen Sandstränden Reklame. „Radio Happy Islands“ heißt der Hauptsender. Doch haben die Salomonen jetzt ein trauriges Kapitel der Klimawandel-Geschichte geschrieben.

Fünf Inseln untergegangen

Wissenschaftler haben dort erstmals hieb- und stichfest den Verlust von fünf Inseln wegen steigender Meeresspiegel dokumentiert, wie sie im Frühjahr im Fachjournal „Environmental Research Letters“ berichteten. Auf sechs weiteren Inseln versinkt immer mehr Küste im Meer. Der Kampf gegen die Erderwärmung und die Umsetzung des Pariser Klimavertrags sind Thema der UN-Klimakonferenz vom 7. bis 18. November in Marrakesch.

Die fünf verschwundenen Inseln zwischen einem und fünf Hektar waren nicht bewohnt, aber mit mindestens 300 Jahre alten Wäldern bewachsen, wie die australischen Wissenschaftler berichten. Auf der Insel Nuatambu, auf der 25 Familien leben, seien seit 2011 elf Häuser fortgespült worden. „Dies ist der erste wissenschaftliche Beweis, der die dramatischen Folgen des Klimawandels bestätigt, von dem viele Menschen im Pazifikraum berichten“, schreiben die Forscher um Simon Albert von der University of Queensland. „An den Salomonen ist der Meeresspiegel dreimal so stark gestiegen wie im weltweiten Durchschnitt: 7 bis 10 Millimeter pro Jahr seit 1994.“

„Früher haben die Fischer die Mangroven an den Küsten abgeschlagen, um besser anlanden zu können, und irgendwo im Wald ein paar Nutzpflanzen angebaut“, sagt der Direktor des Klimawandelprogramms der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in der Pazifik Region, Wulf Killmann. „Das ging, als die Bedingungen noch verlässlich waren und die Bevölkerung überschaubar.“

Klimawandel hat verheerende Folgen

Der Klimawandel hat aber verheerende Folgen: stärkere Regenfälle, die das Erdreich an den Hängen abrutschen lassen. Niederschläge, die die dort üblicherweise angebauten Nutzpflanzen absaufen lassen. Küstenerosion durch unberechenbarere Stürme als früher. Korallensterben unter anderem durch höhere Wassertemperaturen. Dadurch sinken die Fischbestände dramatisch, wie eine Studie der Wissenschaftsorganisation der Pazifikstaaten (SPC) zeigt. (Weiterlesen: Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre erreicht Rekordwerte)

Die schwindenden Ressourcen müssen bei rasantem Bevölkerungswachstum zudem immer mehr Menschen ernähren. Die GIZ hat einige vielversprechende Projekte angestoßen, vor allem auf der Insel Choiseul, die von 1985 bis 1899 deutsche Kolonie war.

In Pflanzschulen werden etwa neue Sorten von Knollengewächse wie Taro, Yams, Maniok und Süßkartoffel gezogen, die bei starkem Regen nicht eingehen, wie Killmann sagt. An den Hängen werden im rechten Winkel zum Hang Gräser gepflanzt. Sie fangen durch starke Regenfälle abrutschende Erde auf und bilden so natürliche Terrassen, die besser bepflanzt werden können. Vor den Küsten werden senkrechte Seile gespannt, an einem Ende ein schweres Gewicht, das auf den Meeresboden sinkt, am anderen ein Schwimmer für die Wasseroberfläche. An den Seilfasern sammelt sich Plankton. Das zieht Fische an.

Aufhalten lässt sich der Klimawandel nur durch Reduzierung der klimaschädlichen Emissionen. Programme wie auf den Salomonen helfen den Menschen etwas, die Folgen zu bewältigen. „Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend“, sagt Killmann.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN