Prozess nach Unfall in Ibbenbüren Kollision mit Gülle-Fass: Bewährungsstrafe für Traktorfahrer

10 Monate auf Bewährung heißt das Urteil für einen 25-Jährigen, der im Mai 2015 auf dem Bahnübergang in Ibbenbüren einen tödlichen Unfll verursachte. Foto: Jörn Martens10 Monate auf Bewährung heißt das Urteil für einen 25-Jährigen, der im Mai 2015 auf dem Bahnübergang in Ibbenbüren einen tödlichen Unfll verursachte. Foto: Jörn Martens

Münster. Im Sommer 2015 sind bei Ibbenbüren zwei Menschen gestorben, als ein Zug ein auf den Schienen stehendes Güllefass gerammt hatte. Das Amtsgericht Ibbenbüren verurteilte den verantwortlichen 25-jährigen Traktorfahrer am Montag zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe.

Das Gericht sprach den Mann wegen zweifacher fahrlässiger Tötung, der fahrlässigen Körperverletzung in 13 Fällen sowie des fahrlässigen gefährlichen Eingriffs in den Schienenverkehr schuldig. „Bei Ihnen ist es so: Aufgrund Ihrer Ausbildung und der Erfahrung mit diesen Geräten war eine vorherige Prüfung für Sie machbar“, so der vorsitzende Richter.

2000 Euro Geldstrafe

Ausschlaggebend seien zudem die gravierenden Folgen des Unfalls, mit zwei Todesfällen und zahlreichen Verletzten, heißt es in der Urteilsbegründung. Zusätzlich zur Bewährungsstrafe wies das Gericht eine Geldstrafe von 2000 Euro (20 Raten à 100 Euro) verurteilt, die an die Notfallseelsorge im Kreis Steinfurt zu entrichten ist.

Güllefass blieb auf Schienen liegen

Am Unglückstag, dem 15. Mai 2015, hatte der Verurteilte auf dem Hof einer befreundeten Familie ausgeholfen und Gülle mit einem Trecker samt Anhänger zur umliegenden Biogasanlage transportiert. Auf dem Bahnübergang löste sich das Güllefass jedoch und blieb auf den Bahngleisen liegen. Bei dem Aufprall wurde der Zug seitlich aufgeschlitzt. Der 41-jährige Lokführer und eine 18-jährige Passagierin kamen ums Leben. Zahlreiche weitere Personen zogen sich teils schwere Verletzungen zu. An der Westfalenbahn entstand ein Sachschaden von rund 1,7 Millionen Euro.

Zeugen berichten vom Unglück

Am Montagmorgen sagten weitere Zeugen aus. Eine 23-jährige Zeugin sagte aus, sie sei durch den Aufprall mehrere Meter durch den Zug geschleudert worden und habe sich zahlreiche Blessuren an Schulter, Beinen und im Gesicht zugezogen. Mit dem Hubschrauber sei sie ins Uni-Klinikum nach Münster transportiert worden und habe dort mehrere Tage auf der Intensivstation verbringen müssen. „An den genauen Unfallhergang kann ich mich nicht mehr erinnern“, so die Zeugin. Ein weiterer Zeuge, der sich durch seinen Anwalt vertreten lies, sei seit dem Unfall arbeitsunfähig und leide unter den physischen und psychischen Belastungen des Unglücks, sagte der Anwalt.

Staatsanwalt: Erheblich strafbar gemacht

„Der Angeklagte hat sich nicht ausreichend vergewissert, dass das Gespann den technischen Gegebenheiten entsprochen hat. Wer ein Gespann im Straßenverkehr führt, hat eine Sorgfaltspflicht“, sagte der Staatsanwalt. Allerdings sei dem Angeklagten zu Gute zu halten, dass er mit allen Mitteln versucht habe, das Unglück zu verhindern, so die Staatsanwaltschaft weiter. Nichtsdestotrotz habe sich der Angeklagte in erheblichem Maße strafbar gemacht.

Der Verteidiger des Angeklagten plädierte für eine milde Strafe, und wies darauf hin, dass sich sein Mandant in erheblichem Maße bemüht habe, den Unfall zu verhindern.

Vergebliche Warnung

Der 25-jährige Nutzfahrzeugmechatroniker war auf den entgegenkommenden Zug zugerannt, um auf das Güllefass aufmerksam zu machen. Doch die aus Osnabrück in Richtung Bad Bentheim fahrende Westfalenbahn konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und prallte frontal mit dem Güllefass zusammen. (Weiterlesen: Kollision mit Gülle-Fass)

Verurteilter reumütig

Bereits am ersten Verhandlungstag hatte sich der 25-Jährige reumütig gezeigt und bekannte sich in allen Anklagepunkten schuldig. „Es tut mir wahnsinnig leid. Ich bereue es zutiefst“, sagte der Mann. Wegen Platzmangels tagte das Amtsgericht Ibbenbüren in den Räumen des Landgerichts Münster.


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