Brauchen wir das „v“ noch? (Un-)Nötig? Gesellschaft für deutsche Sprache diskutiert über „v“

Das „v“ ist der 23. Buchstabe unseres Alphabets – aber brauchen wir ihn noch? Foto: ColourboxDas „v“ ist der 23. Buchstabe unseres Alphabets – aber brauchen wir ihn noch? Foto: Colourbox

Osnabrück. „V“ und „f“ oder auch „v“ und „w“ werden im Deutschen gleich ausgesprochen. Brauchen wir das „v“ überhaupt noch oder könnten wir es aus dem Alphabet streichen? Mit dieser Frage hat sich die Gesellschaft für deutsche Sprache beschäftigt – und ist zu einer eindeutigen Antwort gekommen.

Vater, Freude, Vogel, faul, Vandale, Wald – zwischen den Buchstaben „f“ und „v“ oder „w“ und „v“ gibt es keinen phonetischen Unterschied, sie klingen in der Aussprache gleich. Wofür also brauchen wir das „v“ in der deutschen Sprache überhaupt? Könnten wir es auch aus dem Alphabet streichen und dieses auf 25 Buchstaben reduzieren? Mit dieser Frage hat sich die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) beschäftigt. Angestoßen wurde diese von einem koreanischen Kollegen, dem der richtige Gebrauch der Buchstaben „f“ und „v“ beim Lernen der deutschen Sprache Schwierigkeiten bereitete, sagt Andrea-Eva Ewels, Geschäftsführerin der GfdS.

Nicht nur für Fremdsprachler stellt der ähnliche Klang eine Hürde dar. „Auch Kinder fragen, warum ein Wort mit ‚F‘das andere mit ‚V‘ geschrieben wird. Es ist einer der häufigsten Fehler in der Grundschule“, sagt Ewels.

Ein wichtiger Unterschied

Betrachtet man also nur die Laute, sei das „v“ verzichtbar. Fater, Fogel, foll – mit „F“ geschrieben sähen diese Worte zwar ungewohnt aus, würden aber dennoch genauso ausgesprochen, wie Vater, Vogel, voll. Das gleich gilt für Klawier, wiolett oder Wandalismus.

Aber: „Es gibt einen graphemischen Unterschied“, erklärt Ewels. Ob ein Wort mit „v“ oder „f“ geschrieben wird, kann einen großen Unterschied machen. Bei „fiel“ und „viel“ zum Beispiel. „Aufgrund der verschiedenen Schreibweise weiß ich sofort, ob der Quantifikator ‚viel‘ gemeint ist oder ‚fiel‘ von ‚fallen‘“, sagt Ewels. Weitere Beispiele sind „Volk“ und „Folk“ oder „Verse“ und „Ferse“. „Wir sollten unser ‚v‘ also behalten.“

Das „ä“

Das „v“ ist übrigens nicht der einzige Buchstabe, über den man diskutieren könnte. „Das ‚ä‘ wird mittlerweile wie ein ‚e‘ ausgesprochen, ‚Medchen‘ statt ‚Mädchen‘“, sagt Ewels. Doch auch in diesem Fall gebe es graphemische Unterschiede.

Ursprünglich kommt das „v“ aus dem griechischen Alphabet. Es besteht nach Angaben der GfdS seit vielen Jahrhunderten im Alphabet; wird heute jedoch nicht mehr so häufig verwendet wie früher. Im Alt- und Mittelhochdeutschen wurden viele Wörter mit einem „v“ statt des heutigen „b“ geschrieben, heißt es von der GfdS. „Aver“ oder „haven“ zum Beispiel. In manchen Sprachen wird bei der Aussprache auch heute noch kein Unterschied zwischen „v“ und „u“ gemacht, etwa im Hebräischen.


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