Neben Pablo Picasso ausgestellt Australischer Künstler hängt eigenes Gemälde im Museum auf

Von Barbara Barkhausen


Sydney . Der australische Künstler Ben Butcher wollte eines seiner Werke neben einem Picasso hängen sehen. Deshalb überlegte er sich eine gewagte Aktion und hängte sein Bild einfach in einem Museum auf. Butcher hat bereits einen wenig schmeichelhaften Titel errungen.

Normalerweise müssen Museen fürchten, dass ihre oft mehrere Millionen teuren Ausstellungsstücke beschädigt oder gestohlen werden. In Australien kam es vergangene Woche nun jedoch zum entgegengesetzten Fall. Ein Künstler hängte sein Bild in der National Gallery of Victoria in Melbourne auf – ganz in der Nähe der „Weinenden Frau“ von Pablo Picasso, einem Bild aus der berühmten Serie aus dem Jahr 1937.

Der „schlechteste Künstler Australiens“

Vor einigen Jahren gewann Ben Butcher, der nie eine Kunstakademie besucht hat und für seinen Lebensunterhalt als Lehrer für behinderte Kinder arbeitet, den nicht ganz ernst zu nehmenden „Itchiball Prize for Bad Art“; also einen Preis für besonders schlechte Kunst, der sich in Anlehnung an den Archibald Preis, den bekanntesten Kunstpreis Australiens, zu etablieren versuchte – jedoch ohne großen Erfolg.

Doch seit seinem „Sieg“ im Jahr 2009 bewirbt sich Butcher deswegen als „Australiens schlechtester Künstler“ , obwohl das, wie er selbst sagt, natürlich nicht stimmt. „Es braucht eine Menge Grips, um so schlecht zu sein“, schreibt er in einer E-Mail. Vor allem ein besonders kitschiges Bild, auf dem ein Einhorn mit Glitzerschwanz einen Delfin aufspießt, ist zu seinem Markenzeichen geworden. Seine Arbeit sei „unbeschwert, ein magischer Realismus, farbenfroh und spaßig“. Ab und zu baue er einen sozialen Kommentar mit ein.

Kein Monopol auf Distribution von Ideen

Auch in diesem Fall ging es ihm deswegen um mehr als nur Medienaufmerksamkeit. Auf dem eher naiv gemalten Bild ist er selbst im gleichen buntgestreiften Pullover mit Kapuze zu sehen, den er auch in echt während der Aktion anhatte, bei genau dem Akt, den er auch in der Realität ausführte: Beim Aufhängen eines Bildes im Museum.

Seine Motivation erklärte der Nachwuchskünstler auf einem Schild, das er gleich nebenan befestigte: Dort schrieb er, dass wir nicht mehr in einem Zeitalter leben würden, in dem Kulturinstitutionen ein Monopol auf die Distribution von Ideen hätten. „Medien, die einst nur für die Privilegierten zugänglich waren, stehen nun den Massen zur Verfügung und direkte Reaktion und Eigenverlag sind nun auf noch nie dagewesene Art und Weise möglich“, schrieb er dort. Als Selbsterfüllung habe er deswegen beschlossen, sein eigenes Gemälde in der National Gallery of Victoria zu installieren und damit den Museumsbesuchern „Seufzer der Freude“ zu bringen.

Picasso-Bild wurde schon mal gestohlen

Laut Butcher waren zwar Museumswärter in der Nähe, als er das Bild aufhängte, aber nur Besucher seien im Raum selbst gewesen. Insgesamt habe die Aktion nur wenige Sekunden gedauert. Dass sie gelang, ist trotzdem erstaunlich, denn das berühmte Picasso-Bild ganz in der Nähe wurde 1986 erst gestohlen. Zu der damaligen Tat bekannten sich die sogenannten Australian Cultural Terrorists, die damit einen Protest gegen das Kulturengagement des Landes zum Ausdruck bringen wollten. Sie gaben das Bild eine Woche später wieder zurück, nachdem ein anonymer Anrufer die lokale Zeitung über den Aufenthaltsort in einem Bahnhofsschließfach informierte. Die Täter wurden nie gefunden.

Lokale Medien stellten deswegen nach Butchers Aktion die Sicherheitsbestimmungen des Museums in Frage, doch eine Sprecherin der Galerie wollte dem „Sydney Morning Herald“ darüber keine Auskunft geben, sondern bestätigte nur: „Der Gegenstand wurde vom Personal der Galerie entfernt.“ Laut Butcher hing „der Gegenstand“ aber immerhin 24 Stunden an der Wand, bis der Schwindel dem Museumspersonal auffiel. „Ich nehme an, dass sie dachten, es sei einfacher und billiger, das Gemälde zu entfernen, als ihre ausführlichen Kataloge neu zu drucken, um mein Werk hinzuzufügen.“


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