Tornado, Flut und Blitzeinschläge Unwetter in Deutschland: Ist der Klimawandel schuld?

Autos liegen in Braunsbach (Baden-Württemberg) unter einer Schutthalde. Durch heftigen Regen waren zwei kleine Bäche über die Ufer getreten, Häuser und Autos wurden beschädigt. Ist der Klimawandel schuld? Foto: Marijan Murat/dpaAutos liegen in Braunsbach (Baden-Württemberg) unter einer Schutthalde. Durch heftigen Regen waren zwei kleine Bäche über die Ufer getreten, Häuser und Autos wurden beschädigt. Ist der Klimawandel schuld? Foto: Marijan Murat/dpa

Osnabrück. Tagelang haben Unwetter in Deutschland gewütet. In Baden-Württemberg und Bayern starben Menschen in den Fluten. In Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz liefen Keller voll. Experten rechnen mit mehr Starkregen in Zukunft. Ist der Klimawandel schuld an den Unwettern?

Auf Tief „Elvira“ folgte Tief „Friederike“. In den vergangenen Wochen hielten sich die beiden Tiefdruckgebiete beständig über Deutschland. „Es war eine besondere Wetterlage“, sagt Annett Püschel, Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes (DWD). „Elvira“ und „Friederike“ waren eingekesselt von Hochdruckgebieten, „dadurch blieben sie ortsfest“, sagt Püschel. „Sie wurden täglich wieder aktiviert.“ Dadurch seien die besonders heftigen Unwetter in Deutschland entstanden. Weiterlesen: Unwettergefahr noch nicht gebannt

Besondere Wetterkonstellation

Dennoch „war das Wetter nicht außergewöhnlich“, sagt Püschel. Es sei nur eine besondere Konstellation gewesen, „die so nicht häufig auftritt“. Diese Wetterlage nennt sich „Tief Mitteleuropa“ – sie ist extrem selten, „vor allem für diese Jahreszeit“, sagt die Meteorologin. Der Standard im Sommer sei: „Es befindet sich ein Hochdruckgebiet über Mitteleuropa, das durch Westwind nach Osten abzieht. Weiterlesen: Was sind Tornados und wie entstehen sie?

Klimawandel und Unwetter

Den Klimawandel sieht Püschel nicht als Ursache für die Unwetter in Deutschland. Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung entgegnet: „Global gesehen“ würden solche Unwetter durch den Klimawandel zunehmen. Für Deutschland allein sind die Datenmengen laut Hoffmann aber noch zu gering, um dies zu beweisen.

Arktis erwärmt sich

Zudem bleiben Tiefdruckgebiete zunehmend länger über einzelnen Regionen stehen. Hoffmann: „Ihre Verlagerungsgeschwindigkeit verlangsamt sich.“ Das könne zu Extremwettern wie Überschwemmungen führen. Eine mögliche Ursache für die langsame Verlagerung etwa in Europa sei, dass sich die Arktis durch den Klimawandel wesentlich stärker erwärmt habe als südlichere Breiten, was zu schwächeren Westwinden führe.

Wie sieht es in Deutschland aus?

„Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat Hinweise darauf, dass solche Starkniederschläge häufiger werden, aber noch keine Beweise“, sagt DWD-Klimaexperte Andreas Becker. „Es gibt erst seit 15 Jahren die für diese Fragestellung benötigte homogene, flächendeckende und hoch-auflösende großflächige Radarbeobachtung aus dem Wetterradarverbund des DWD“. 15 Jahre seien aber klimatologisch zu kurz, um zu einer statistisch signifikanten Aussage zu kommen. „Nach Klimamodellen soll sich die Zahl solcher Tiefdruckgebiete wie derzeit über Mitteleuropa jedoch bis 2100 um 20 Prozent erhöhen“, sagt Becker.


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