Rechtsanwalt klärt auf Erhalten die Besucher von „Rock am Ring“ ihr Geld zurück?

„Rock am Ring“ musste am Wochenende wegen eines Unwetters abgebrochen werden. Foto: dpa„Rock am Ring“ musste am Wochenende wegen eines Unwetters abgebrochen werden. Foto: dpa

Osnabrück. Der wetterbedingte Abbruch von „Rock am Ring“ könnte auch noch ein juristisches Nachspiel haben. Viele Besucher fragen sich, ob sie nun einen Teil ihres Geldes für die Eintrittskarten zurückerhalten. Unsere Redaktion hat dazu einen Veranstaltungsrechtler gefragt.

Der Veranstalter eines solchen Events wie „Rock am Ring“ sei generell dazu verpflichtet, die angekündigten Programmpunkte zur Aufführung zu bringen und sie erlebbar, das heißt wahrnehmbar, zu machen, sagt Rechtsanwalt Jens Michow, Präsident und Geschäftsführer des Verbandes der Livebranche, im Gespräch mit unserer Redaktion. Nun sei aber der Fall eingetreten, dass ein Teil der Veranstaltung infolge des Unwetters nicht erlebbar gewesen sei.

Stadt Mendig traf Entscheidung

Dass die Besucher nun Schadensersatz einklagen können, schließt Michow aus. „Als Schaden könnte man hier nur die Tatsache betrachten, dass die Besucher für das gezahlte Eintrittsgeld nicht das vollständige Veranstaltungsangebot wahrnehmen konnten. Da es sich aber bei dem extremen Unwetter und vor allem der Absage aufgrund des Entzugs der Spielgenehmigung durch die Stadt meines Erachtens um eine Absage aus sogenannten Gründen höherer Gewalt handelt, scheiden Schadensersatzansprüche aus. Der Veranstalter hat die Absage nicht zu vertreten.

Dies bedeute aber nicht, dass die Besucher leer ausgehen müssen. Gerichtlich müsse geklärt werden, ob der Veranstalter nicht zu einer Teilrückzahlung der Eintrittsgelder verpflichtet sei. Sollten die Besucher den Klageweg bestreiten, könnte es schon vorkommen, dass sie einen Teil ihres Geldes zurückerstattet bekämen.

Appell an Fairness-Gedanken

Dennoch müssten sich die Besucher fragen, ob sie ein solches Verhalten für fair erachten würden. Schließlich sei das Festival in erster Linie deshalb abgebrochen worden, um sie zu schützen.

Zu möglichen Kostenerstattungen könne der Veranstalter derzeit noch keine Auskunft geben, heißt es von einer Sprecherin seiner Konzertagentur auf Anfrage unserer Redaktion. „Die Bewertung der durch die vorzeitige Beendigung des Festivals entstandenen Situation dauert an und wird sicher noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Erst wenn alle erforderlichen Fakten analysiert sind, können seriöse Schlussfolgerungen vorgenommen und Konsequenzen gezogen werden“, sagt sie weiter.

Veranstalter Marek Lieberberg hat derweil das Verhalten der Behörden in einem Zeitungsinterview kritisiert. Die Entscheidung der Verbandsgemeinde Mendig (Rheinland-Pfalz) für den Abbruch, die sich stark an der Empfehlung der Polizei orientiert habe, trage er nicht mit, sagte der Konzertveranstalter dem „Trierischen Volksfreund“ (Montag). „Die Entscheidung ist falsch.“

Gemeinde verteidigt sich

Die Gemeinde Mendig verteidigt dagegen ihre Entscheidung: „Die Entscheidung erfolgte aufgrund des überragenden

Schutzinteresses der Festivalbesucher und der auf dem Festivalgelände tätigen Menschen zur Abwehr von drohenden Gefahren für Leib und Leben. Sie war angemessen, verhältnismäßig und zielführend. Es gab zum Zeitpunkt

der Entscheidung keine verantwortbare Alternative“, heißt es in einer Pressemitteilung.


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