Im Interview So wurde Chaplins Leiche geraubt - Tochter Geraldine: Es hatte auch komische Seiten

Von Daniel Benedict, 05.08.2011, 13:00 Uhr
Der komischste Mensch aller Zeiten: Charlie Chaplin starb 1977. Im Frühjahr 1978 wurde seine Leiche vom Friedhof geraubt. Foto: dpa

dab Berlin. Wenige Monate nach Charlie Chaplins Tod raubten Erpresser seine Leiche. Seine Tochter, der Filmstar Geraldine Chaplin (67), erinnert sich im Interview mit unserer Zeitung an die Geldübergabe und sagt: „Es war wie ein letzter Chaplin-Film.“

Es klingt wie ein Horrorfilm, aber Geraldine Chaplin sieht auch das Slapstickhafte im Grauen: Als ihr Vater, der legendäre Komiker Charlie Chaplin, gestorben war, wurde seine Leiche vom Friedhof entführt. Die heute 67-jährige Schauspielerin („Wolfman“) führte damals die Verhandlungen mit den Erpressern: „Es war surreal, hatte aber auch komische Seiten“, sagte sie im Interview mit unserer Zeitung. „Ein Beispiel: Zur Geldübergabe sind wir mit dem Rolls Royce meiner Mutter gefahren. Im Fußraum war ein Polizist versteckt, so ein 007-Typ mit Waffe. Er neigte zur Reisekrankheit und hat sich mitten im Einsatz übergeben.“ Das war laut Geraldine Chaplin, die damals 33 Jahre alt war, nur der Auftakt zu weiteren Verwicklungen: „Ein Postbeamter hatte den Funkverkehr mitgehört. Er war in der Mittagspause und dachte: Action! Mit dem Postlaster hat er sich an uns drangehängt. Um uns herum waren überall Zivilpolizisten, die den Briefträger sofort aus dem Auto geholt haben. Besorgte Schweizer Bürger haben das dann für einen Postraub gehalten, die Nummern der Zivilstreife notiert und die örtliche Polizei auf ihre eigenen Kollegen gescheucht. Es war wie ein letzter Chaplin-Film.“

Eine lockere Haltung hat Geraldine Chaplin gegenüber dem minderschweren Verbrechen der Filmpiraterie: „Ich dürfte das nicht sagen, aber pfeift auf das geistige Eigentum!“, proklamierte die 67-Jährige im Interview. Bei einem Dreh in der türkischen Provinz sei sie einmal in eine Gruppe Halbstarker geraten: „Ich malte mir aus, wie ich ausgeraubt, vergewaltigt und verscharrt werde“, erinnerte sich der Filmstar. „Dann bauten sie sich vor mir auf und sagten: Du, Charlie Chaplin! Und sie haben seine Filmtitel aufgezählt und Lieblingsszenen nachgespielt! Diese Kinder kannten Charlie Chaplin – und das dank Raubkopien“. Ihr Fazit: „Lang lebe die Filmpiraterie!“ An diesem Wochenende endet das Berliner Chaplin-Festival im Filmtheater Babylon, bei dem alle Filme des Komikers gezeigt wurden.

Das Wortlaut-Interview mit Geraldine Chaplin lesen Sie am Samstag, 6. August, in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

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