Queen Elizabeth II. wird 90 Die ewige Königin feiert Geburtstag

Von Katrin Pribyl

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Royal bis in die Haarspitzen: Queen Elizabeth II. lächelt ihr berühmtes Lächeln. Am 21. April wird sie 90 Jahre alt. Foto: dpaRoyal bis in die Haarspitzen: Queen Elizabeth II. lächelt ihr berühmtes Lächeln. Am 21. April wird sie 90 Jahre alt. Foto: dpa

London. Majestätisch, bescheiden, unverwüstlich: Am 21. April wird Queen Elizabeth II. 90 Jahre alt. Sie hat als Monarchin große Umwälzungen erfahren und doch mit Disziplin und Würde für Kontinuität und Stabilität gesorgt. Außerdem gilt sie als beliebtestes Mitglied aus dem Hause Windsor.

Die Königin befand sich zu einem Routinecheck gerade im Krankenhaus, da verschickte eine BBC-Journalistin die Nachricht per Twitter: „Queen Elizabeth ist gestorben.“ Es war ein Mittag im Juni vergangenen Jahres, und Großbritannien stockte der Atem. In Nachrichtenredaktionen auf der ganzen Welt dürfte für wenige Momente eine Schockstarre ein- und die berufliche Professionalität ausgesetzt haben. Dann gab es Entwarnung: falscher Alarm. Es handelte sich um einen irrtümlich abgesetzten Tweet während eines zugegebenermaßen etwas makabren Testlaufs. Doch für den Ernstfall des Unaussprechlichen und Undenkbaren wird regelmäßig geprobt, eben weil er als unaussprechlich und undenkbar gilt. Kaum ein Brite kann sich vorstellen, dass die Königin einmal nicht mehr in ihren farbenfrohen Kostümen und Hüten in die Menge winken wird. Sie ist so etwas wie das Aushängeschild der Nation – zwar ohne Macht in der Tagespolitik, aber dennoch mit größter Bedeutung. Als Monarchin übt sie mit stoischer Ruhe, viel Symbolik und strenger Disziplin ihren Dienst am Volk aus. Königin Elizabeth II., die Ewige, schwebt über allem, offenbar auch über der Zeit. Am 21. April feiert Elizabeth II. ihren 90.Geburtstag – im Kleinen, wie es die Tradition will. Erst im Juni begeht sie den Ehrentag mit mehreren Veranstaltungen, da sich seit Jahrzehnten das Gerücht auf der Insel hält, im Juni herrsche dort besseres Wetter als im April.

Plötzlich Königin

Seit mehr als 64 Jahren sitzt sie auf dem Thron. Erst im vergangenen Jahr überholte die Monarchin, die nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters König George am 6. Februar 1952 über Nacht zur Königin wurde, Queen Victoria mit der längsten Regentschaft. Während aber ihre Ururgroßmutter das goldene Zeitalter Britanniens geprägt hat, ist unter der Herrschaft Elizabeths II. das Empire zerfallen, die Macht und der Einfluss des einstigen Weltreichs sinken stetig. Die Royals, die das herrschaftliche Theater voller Prunk, Pracht und Pomp auf beispiellose Weise zelebrieren, verkörpern in all ihrer Traditionsverbundenheit das alte Britannien, dem noch immer viele nachtrauern – trotz des Kolonialismus mit all seinen oft verdrängten Schattenseiten.

Die Welt wandelt sich, die Queen bleibt

Elizabeth Alexandra Mary Windsor, so ihr voller Name, hat in mehr als sechs Jahrzehnten große Umwälzungen erfahren, die Suez-Krise miterlebt, den wirtschaftlichen Kollaps in Großbritannien, die technischen Neuerungen und den blutigen Unabhängigkeitskampf der nordirischen Untergrundorganisation IRA. Sie hat das Commonwealth mit aufgebaut und zusammengehalten, ist Schirmherrin von mehr als 600 Wohltätigkeitsorganisationen, weltliches Oberhaupt der anglikanischen Kirche, Chefin der Streitkräfte und natürlich: Staatsoberhaupt des Vereinigten Königreichs. Jeden Morgen sieht sie deshalb, wenn sie denn zu Hause im Buckingham Palace weilt, nach dem Aufstehen ihre Korrespondenz durch, beantwortet Mitteilungen, wobei nur die per Post geschickten Briefe auf eine persönliche Antwort der Queen hoffen dürfen. Häufig aber hat sie Termine, weiht Bahnstrecken ein oder besucht Schulen und Krankenhäuser: Sich zeigen, lächeln, Smalltalk führen. Pausen gönnt sie sich nur wenige. Dann kümmert sie sich am liebsten um ihre geliebten Hunde und Pferde. Ihr wird ein guter Humor nachgesagt, aber wer weiß das schon so genau? Die Queen bleibt unnahbar und mysteriös, noch nie hat sie ein Interview gegeben.

Fünf Visiten allein in Deutschland

Im Auftrag der Diplomatie reist sie derweil auch im hohen Alter an der Seite ihres 94-jährigen Ehemanns Prinz Philip durch die Welt. So hat sie allein Deutschland auf fünf Staatsvisiten besucht: 1965, 1978, 1992, 2004 und erst im vergangenen Jahr, als die Deutschen mit ihrer Bewunderung für die britische Monarchin für sehr viel Verwunderung bei der britischen Bevölkerung sorgten. Sie führt all diese Aufgaben stets pflichtbewusst, höflich-reserviert sowie mit Würde aus und hält sich an das Versprechen, das sie ihren Landsleuten 1947 gegeben hat: „Mein ganzes Leben, sei es kurz oder lang, werde ich in Euren Dienst stellen.“ Ihre Untertanen verehren sie für diese Integrität. Elizabeth II. ist das mit Abstand beliebteste Mitglied der Familie Windsor – der Firma, wie Prinz Philip, mit dem sie seit 1947 verheiratet ist, einmal die Royals bezeichnete.

Skandale, Scheidungen und ein Schlossbrand

Dabei stand die Monarchie nicht immer so gut da wie heute. In den 90er-Jahren sorgte die jüngere Generation, hierbei vor allem drei ihrer vier Kinder, für Skandale und Peinlichkeiten, die sich keine Seifenoper hätte besser ausdenken können. Prinz Andrew trennte sich von seiner Frau Sarah Ferguson, Tochter Anne ließ sich von Mark Philips scheiden, und Prinz Charles und Diana gingen auseinander – all das nicht ohne Affären, Peinlichkeiten und Enthüllungen in der sensationslüsternen Presse. Als wäre es nicht genug, brannte Schloss Windsor zu Teilen nieder. Die Queen bezeichnete deshalb 1992 als „annus horribilis“, als Schreckensjahr. Hinzu kam, dass die Bevölkerung dagegen rebellierte, mit ihren Steuergeldern für das Königshaus zur Kasse gebeten zu werden. Elizabeth II. fand die passende Antwort und bezahlt seitdem Steuern.

Das schwierige Verhältnis zu Lady Di

Ihr persönlicher Tiefpunkt sollte erst noch folgen, als 1997 ihre Ex-Schwiegertochter Diana bei einem Unfall starb. Damals tauchte die Regentin tagelang ab, während das Volk in seiner Trauer „mehr Mitgefühl“ von seinem distanziert wirkenden Staatsoberhaupt forderte. Mittlerweile aber haben die Briten Elizabeth II. alle Fehltritte verziehen, die Monarchie scheint gewappnet für die Zukunft.

Angenehm unmodern

Ihr Geburtsort in der 17 Bruton Street im schicken Londoner Viertel Mayfair, wo damals ihre Eltern wohnten, beherbergt heute ein Restaurant für kantonesische Küche. Es ist ein Detail, das zu dieser Metropole passt, die im steten Fluss ist, sich unaufhörlich verändert und den Takt angibt in Mode, Musik und Kultur. Die Hauptstadt Großbritanniens ging in den vergangenen Jahrzehnten in Krisen und Finanzcrashs in die Knie und stand wieder auf, hat Terror erlebt und Trends genauso wie Politiker kommen und verschwinden sehen. Die Zeiten scheinen mit den Jahren schneller geworden zu seinen, die Momente flüchtiger. Königin Elizabeth II. aber ist sich in ihrer Unmoderne treu geblieben und strahlt eben deshalb jene Kontinuität aus, nach der sich offenbar so viele Menschen sehnen.


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