Schmähparolen gegen Urlauber Mallorcas Einwohner haben genug von Touristen

Lauschige Sommerabende in Palma de Mallorca sind bei Touristen beliebt. Den Einwohnern ist das recht – solange sich die Gäste vernünftig verhalten und nicht zu zahlreich kommen. Foto: imago/Westend61Lauschige Sommerabende in Palma de Mallorca sind bei Touristen beliebt. Den Einwohnern ist das recht – solange sich die Gäste vernünftig verhalten und nicht zu zahlreich kommen. Foto: imago/Westend61

Palma. Beim Spaziergang durch Palmas Altstadt könnten Urlauber in diesen Tagen den Eindruck bekommen, dass sie auf Mallorca nicht mehr erwünscht sind.

„Ausländer, raus“, prangt auf Englisch in großen schwarzen Graffiti-Lettern an Hauswänden. Zu lesen ist auch „Touristen = Terroristen“ und an einem Torbogen steht die in Mallorquinisch aufgesprühte Warnung: „Der Tourismus zerstört die Stadt.“ Schmierereien, die signalisieren, dass offenbar nicht alle Inselbewohner den immer weiter wachsenden Massentourismus auf der Insel willkommen heißen.

Mallorca erwartet im Sommer einen Rekordandrang. Viele Hotels sind bereits ausgebucht. Umweltschützer warnen angesichts wachsender Trinkwasserprobleme vor einem Ökokollaps. 2015 besuchten rund zehn Millionen Gäste die Insel, auf der 850000 Menschen leben und 290000 Hotelbetten stehen.Aus Deutschland stammen rund 40 Prozent der ausländischen Urlauber.

In den sozialen Netzwerken haben die fremdenfeindlichen Sprüche eine heftige Debatte darüber ausgelöst, wie viel Tourismus die Insel verträgt. Auf der Facebook-Seite der „Mallorca Zeitung“ schreibt ein Insulaner: „Die Respektlosigkeit mit der manche Touristen Land und Leuten entgegentreten ist ein verständlicher Grund für so manchen Unmut!“ Dort steht auch: „Touristen sichern Arbeitsplätze auf Mallorca. Aber ich verstehe die Mallorquiner. Zuviel ist zuviel.“

Bürgerinitiativen gehen schon länger auf die Barrikaden. Einige von Palmas Altstadtbewohnern warnen in einem offenen Brief vor der „touristischen Überfüllung“ und dem „Tod“ ihres Viertels, durch das sich endlose Besucherkarawanen schieben, um die Kathedrale oder den historischen Königspalast zu bewundern. Dabei habe sich die Unsitte eingeschliffen, dass viele Besucher Herzchen und Namensinitialen in die Hausfassaden ritzen, was ein „Akt des Vandalismus“ sei.

Ähnlicher Unmut braut sich am Urlauberstrand Playa de Palma zusammen, an dem das „Ballermann“-Vergnügungsviertel liegt. Auch dort läuft eine Anwohnerinitiative Sturm gegen den „Schmuddeltourismus“. Die Bürger klagen darüber, dass sie nicht schlafen können, wenn auf den Straßen Sauforgien stattfinden. Oder dass sie am Morgen Müllberge, Erbrochenes oder Fäkalien vor ihren Haustüren finden.

Exzesse, gegen die Palmas sozialistischer Bürgermeister José Hila mit noch mehr Polizeipräsenz und härteren Strafen vorgehen will. Doch der Vorsitzende des Bürgervereins, Biel Barceló, ist skeptisch, dass sich wirklich etwas verbessert: „Wir warten seit Jahren auf Lösungen.“Die Angst vor dem Massentourismus, der Überfremdung oder vor dem Immobilien-Ausverkauf auf der Insel sind übrigens gar nicht so neu: Bereits vor zehn Jahren, auf dem Höhepunkt der Spekulations- und Baublase in Spanien, zogen Zehntausende Menschen durch Palma und riefen: „Schluss mit der Zerstörung“ und „Rettet Mallorca“. Geholfen hat es offenbar nicht viel - denn die Protestparolen, die jetzt wieder über die Insel schallen, klingen ziemlich ähnlich.


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