Fahrrad-Monitor 2015 96 Prozent der Radfahrer finden Autoverkehr in Stadt gefährlich

Fahrradfahrer fürchten sich im Verkehr am meisten vor Autofahrern. Symbolfoto: dpaFahrradfahrer fürchten sich im Verkehr am meisten vor Autofahrern. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Die meisten Deutschen besitzen ein Fahrrad, nur wenige nutzen es regelmäßig, und lediglich die Hälfte der Radfahrer fühlt sich im Verkehr sicher. Als „Hauptgegner“ gilt bei ihnen der Autofahrer.

Das sind Kernergebnisse des am Mittwoch vom Bundesverkehrsministerium veröffentlichten Fahrrad-Monitors 2015. Demnach besitzen mehr als 76 Prozent der 2000 Befragten ein Fahrrad mit einem Durchschnittspreis von 685 Euro. 2,4 Räder kommen auf einen Haushalt. Aber: lediglich 14 Prozent nutzen das Rad täglich, 24 Prozent mehrmals in der Woche. Jeder Fünfte (21%) nutzt das Rad weniger als ein Mal im Monat, und 18 Prozent nutzen nie ein Rad. Geht es beim Rad als reines Verkehrsmittel zur Fortbewegung, fahren gar 29 Prozent niemals Fahrrad. 68 Prozent der Nicht-Fahrradfahrer meiden das Rad als Verkehrsmittel, weil ihnen die Wege zu weit sind.

Das Auto bleibt das beliebteste Verkehrsmittel im Land. 57 Prozent der Befragten nutzen es „sehr gerne“. Das Rad kommt auf lediglich 27 Prozent. Noch schlechter schneiden mit 9 Prozent öffentliche Verkehrsmittel ab. Und dennoch ist die große Mehrheit (82%) der Meinung, die Kommunen müssten sich mehr mit dem Thema Radverkehr beschäftigen.

„Zu viel Autoverkehr“

Die geringe Fahrradnutzung ist zum Teil auf das Sicherheitsgefühl zurückzuführen. Nur 3 Prozent der Befragten fühlen sich im Verkehr „sehr sicher“. 49 Prozent fühlen sich „meistens sicher“. Dementgegen fühlen sich 48 Prozent „überhaupt nicht“ oder „eher nicht sicher“. Auch beim vergangenen Fahrrad-Monitor 2013 hatte sich rund die Hälfte der Befragten nicht sicher gefühlt.

Zu viel Autoverkehr ist mit 85 Prozent der Hauptgrund – im städtischen Verkehr sagen das gar 96 Prozent der Befragten. Zu wenige und schlecht beleuchtete Radwege sind weitere Gründe. Fast ein Drittel trägt meistens oder immer einen Helm. Viele finden diesen aber unpraktisch (66%) oder nicht schön (37%).

Fahrt zur Arbeit bleibt Ausnahme

Zwei Drittel der Befragten gaben an, ihr Rad für Einkäufe und Erledigungen zu nutzen. Das ist eine Steigerung um fünf Prozent gegenüber 2013, als das noch 62 Prozent angegeben hatten. 2011 hatte der Wert allerdings schon bei 67 Prozent gelegen. Auch für Ausflüge nutzen 67 Prozent der Befragten das Rad. Für die Fahrt zur Arbeit nutzt aber weniger als Drittel das Rad. Dennoch sind es vier Prozent mehr als 2013 mit 25 Prozent.

Ausgabebereitschaft sinkt

Nur drei Prozent planen, in den nächsten zwölf Monaten sicher ein Rad zu kaufen. Jeder Fünfte überlegt noch. Dabei ist die durchschnittlich geplante Investitionshöhe gegenüber 2013 erheblich gesunken. 2013 hatte sie noch 658 Euro betragen, nun sind es 574 Euro. Das Interesse an E-Bikes und Pedelecs bleibt ungebrochen: Fast jeder Zweite kann es sich zumindest vorstellen, bei 17 Prozent ist das Interesse sogar sehr groß. Wer diese Räder ablehnt, hat meistens schlichtweg kein Interesse an ihnen (64%) oder erachtet sie als zu teuer (45%). Jeder Dritte meint, sie seien nur etwas für ältere Menschen. In der Tat ist das Interesse bei den über 50-Jährigen besonders groß, insbesondere bei Männern.

Zum Fahrrad-Monitor

Der Fahrrad-Monitor erhebt alle zwei Jahre das subjektive Stimmungsbild der Radfahrer in Deutschland. 2000 Bürger zwischen 14 und 69 Jahren wurden von der Sinus Markt- und Sozialforschung GmbH in Zusammenarbeit mit dem ADFC im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums befragt. Der Fahrrad-Monitor wird im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans 2020 vom BMVI gefördert. Dieser sieht vor, den Radverkehrsanteil auf 15 Prozent zu erhöhen. Der Autoclub VCD und der Fahrrad-Club ADFC erachten dies als zu wenig. Zum Vergleich: In den Niederlanden beträgt der Anteil der mit dem Rad zurückgelegten Wege 31 Prozent, in Dänemark 19. In Münster sind es 38 Prozent.

Weiterlesen: Zehn Irrtümer zum Thema Radfahrer im Verkehr


Sämtliche Ergebnisse des Fahrrad-Monitors 2015 finden Sie hier als PDF zum Herunterladen. Ausgewählte Ergebnisse finden Sie hier.

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