Experte bedauert fehlenden Protest Brief an Merkel: Flüchtlinge entsetzt über Silvesterübergriffe

Von epd

Vier Flüchtlinge aus Duisburg und Mülheim/Ruhr haben sich mit einem Offenen Brief zu den Silvesterübergriffen an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewandt. Foto: dpaVier Flüchtlinge aus Duisburg und Mülheim/Ruhr haben sich mit einem Offenen Brief zu den Silvesterübergriffen an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewandt. Foto: dpa

Duisburg. Vier Flüchtlinge aus Duisburg und Mülheim/Ruhr haben sich mit einem Offenen Brief zu den Silvesterübergriffen an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewandt. In dem am Sonntag in Duisburg veröffentlichten Schreiben bekunden die drei Syrer und ein Pakistani Entsetzen und Abscheu angesichts der Vorfälle in Köln, Hamburg und Stuttgart, an denen vermutlich Migranten und Flüchtlinge beteiligt waren.

Am Samstag hatte es der Berliner Integrationsexperte Kazim Erdogan bedauert, dass es bisher keine Protestdemonstrationen nach der Silvesternacht gegeben habe.

Überall in Deutschland hätten Männer, egal aus welchen Teilen der Welt, auf die Straße gehen müssen, um zu sagen: „Wir ächten das und ekeln uns vor so etwas“, sagte der Psychologe in einem Interview von Radio RBB in Berlin. Die betroffenen Frauen brauchten jetzt Unterstützung und Solidarität. Erdogan sagte: „Ich rufe uns alle - einschließlich mich selbst - dazu auf, das überall zu thematisieren: mit Ehrenamtlichen, in Väter- und Frauengruppen, in Kinos, im Theater und Kabarett, in der Werbung.“ (Weiterlesen: Justizminister glaubt, dass Übergriffe organisiert waren)

Menschenwürde unantastbar

In dem Schreiben der Flüchtlinge aus Duisburg heißt es, „auch für uns ist die Würde des Menschen unantastbar, ob Mann oder Frau. Für uns ist es selbstverständlich, die Gesetze des Aufnahmelandes zu achten“. Sie seien vor Krieg und Terror, vor Bomben, politischer Verfolgung und sexuellen Übergriffen geflohen. „Wir sind froh, endlich in Deutschland Schutz gefunden zu haben.“

Viele Flüchtlinge seien gläubige Muslime oder Christen und teilten die Werte ihrer Glaubensbrüder und -schwestern in Deutschland, betonen die Autoren. „Wir treten dafür ein, die Würde und Ehre von Frauen zu schützen, wie es Koran und Bibel gebieten.“ Darüber hinaus erklären sie ihre Bereitschaft, im Rahmen ihrer Möglichkeiten „mitzuhelfen, dass sich Verbrechen wie die in Köln nicht wiederholen“. Er werde in seiner Arbeit täglich mit dem patriarchalen Frauenbild islamischer Männer konfrontiert, sagte hingegen der Psychologe Erdogan, der 2007 die erste türkische Männergruppe in Berlin gründete.

Gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Erdogan forderte Migranten dazu auf, Flüchtlinge bereits in Grenzländern wie der Türkei oder Griechenland über das deutsche Gesellschaftssystem zu informieren. Diese Aufgabe könnten organisierte Migranten übernehmen, aber auch Moschee-Dachverbände oder die Regierungen, Botschaften und Konsulate der jeweiligen Länder. „Keine EU, keine Regierung der Welt wird das allein schaffen, das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, betonte Erdogan. Viele Migranten hätten keinerlei Informationen über die Realität in Deutschland. „Sie denken, dass die deutschen Frauen auf der Straße auf die Männer warten und sich freuen, wenn sie angemacht werden.“