Konzert im Gerry Weber Stadion Hartmut Engler und Pur im Kessel der Emotionen

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Halle (Westfalen). So funktioniert die Kunst des großen Entertainments: Deutschlands Kultband Pur verwandelte das Gerry Weber Stadion in Halle am Mittwochabend in einen riesigen Kessel der Emotionen.

Welche deutsche Band schafft es heute noch, drei Generationen zu einem Konzert zu locken? Welche deutsche Gruppe ist heute noch in der Lage, die großen Arenen dieser Republik zu füllen? Die Namen sind überschaubar, die Schwaben aus Bietigheim-Bissingen gehören dazu. Sicher, die Jungs, pardon Männer, um Hartmut Engler reiten gerade in diesem Jahr auf einer besonders hohen Welle des Erfolgs – woran der Pur-Frontmann mit seiner Teilnahme am TV-Erfolgsformat „Sing meinen Song“ sicherlich einen Löwenanteil trägt. Ansonsten ist nicht wegzudiskutieren, dass diese Band seit mehr als 30 Jahren die deutsche Musiklandschaft prägt – mit allen positiven und negativen Facetten. Mit allen positiven und negativen Kritiken. Vielleicht mittlerweile sogar mit einem Musikstil, der eben nur Pur zuzuordnen ist – und exakt die Seele einer riesigen Fangemeinde trifft. Da nimmt es die Band gerne in Kauf, dass immer wieder von den polarisierenden Schwaben geschrieben wird. Sie polarisieren, ja. Sie haben aber auch Erfolg. Und wie heißt es so schön: Wer Erfolg hat, hat recht.

Seit dem Start ihrer Tour am 5. Dezember werden sie überall gefeiert. Im Gerry Weber Stadion war das am Mittwochabend nicht anders. Hartmut Engler und seine sechs Kollegen wählten für diese Tournee mal wieder eine Mittelbühne, um den Fans sehr nahe sein zu können. In Halle führte das an manchen Punkten der Bühne dazu, dass sich Band und Fans fast die Hände reichen konnten. Die rund 7500 Anhänger genossen das. Gut zweieinhalb Stunden lang gab es Pur „pur“ auf die Ohren – mit vielen Songs des neuen Albums „Achtung“, die von der Anhängerschaft durchaus textsicher aufgenommen wurden, aber noch nicht unbedingt den erwähnten Kessel der Emotionen entfachten. Der brodelte dann bei zahlreichen Klassikern, die – und so wollen es die Pur-Fans – bei jedem Konzert einfach dazugehören: „Abenteuerland“, „Lena“, „Funkelperlenaugen“ oder „Indianer“.

Die Stimmung im Stadion kochte fast über, als Überraschungsgast Daniel Wirtz die Bühne betrat. Der Rocksänger, der vor Monaten im erwähnten TV-Format „Sing meinen Song“ Hartmut Engler zu Tränen gerührt hatte – mit seiner ganz persönlichen Version der Pur-Ballade „Wenn sie diesen Tango hört“. Diesmal zelebrierte Daniel Wirtz dieses Lied mit Hartmut Engler im Duett. Und der Pur-Chef drückte anschließend noch einmal kräftig auf die Tränendrüse, als er unter tosendem Applaus den Song „Anni“ nachlegte, den er seiner Mutter zum 90. Geburtstag gewidmet hatte.

Ansonsten? Hartmut Engler, Ingo Reidl, Martin Ansel, Joe Crawford, Rudi Buttas, Frank Dapper und Cherry Gehring schickten die Fans über eine Achterbahn der Gefühle. Dabei holten sie auch wieder Stücke aus der Pur-Kiste, die eigentlich schon längst Staub angesetzt hatten, aber in Zeiten von Terrorgefahr, Flüchtlingsdramen und Fremdenhass aktueller denn je sind: „Bis der Wind sich dreht“, „Neue Brücken“ oder „Brüder“ lieferten und liefern exakt die entsprechenden Botschaften dazu. Dazu passte der dezente Hinweis von Hartmut Engler, „dass Demokratie, Menschlichkeit und Freiheit die Quellen sind, aus der wir unsere Kraft beziehen“.


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