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Shell Jugendstudie 2015 „Null Bock“ war gestern

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Viele Jugendliche befürworten Zuwanderung. Foto: dpaViele Jugendliche befürworten Zuwanderung. Foto: dpa

Berlin. Deutsche Jugendliche überwinden die Null-Bock-Mentalität. Sie interessieren sich so stark für Politik wie seit Jahrzehnten nicht mehr, sind offen für Migranten. Das geht aus der Shell Jugendstudie 2015 hervor, die am Dienstag in Berlin veröffentlicht wurde.

Studienleiter Mathias Albert von der Universität Bielefeld sprach von einer „Generation des Aufbruchs“ und des Pragmatismus, die sich von der Maxime leiten lasse „irgendwie schaffen wir es“. 70 Prozent der Bundesbürger zwischen 12 und 25 Jahren seien stolz darauf, Deutsche zu sein. Deutschland habe ihrer Einschätzung nach aus Fehlern der Vergangenheit gelernt. Zugleich stehen die jungen Menschen auch Zuwanderern deutlich offener gegenüber als bisher. Laut Studie sprachen sich 39 Prozent der jungen Bundesbürger dafür aus, dass künftig genauso viele Menschen aus dem Ausland zuwandern dürfen wie bisher. 15 Prozent der Befragten befürworteten sogar mehr Zuwanderung. Für die Erhebung werden seit 1953 alle drei bis fünf Jahre rund 2500 Jugendliche zu ihren Einstellungen befragt. Zum Vergleich: 2006 sprachen sich noch 58 Prozent dafür aus, Zuwanderung zu verringern. Aktuell ist dieser Anteil auf 37 Prozent gesunken. Die jüngste Befragung fand von Anfang Januar bis Anfang März statt.

Politisch interessiert

Danach fürchten immer mehr, dass Fremdenfeindlichkeit zunimmt. 48 Prozent der jungen Menschen haben Angst vor Ausländerhass. 2010 waren es noch 40 Prozent. Das Interesse der Jugend an Politik sei gewachsen, teilte Studienleiter Prof. Mathias Albert von der Universität Bielefeld mit. 41 Prozent der jungen Menschen nennen sich nach seinen Angaben heute „politisch interessiert“. 2002 waren dies nur 30 Prozent gewesen. Jeder Vierte hat bereits an einer Demonstration teilgenommen. Außerdem engagieren sich die Befragten bei Online-Petitionen. Das Interesse an Politikern nahm dagegen nicht zu. Auch große Unternehmen, Kirchen und Banken genießen weniger Vertrauen als Polizei, Gerichte oder Menschenrechts- und Umweltschutzgruppen.

Zunehmend in den Blickpunkt geraten das Weltgeschehen sowie die gestiegene Terrorgefahr und der Konflikt in der Ukraine. Fürchteten sich 2014 nur 44 Prozent der Befragten jungen Menschen vor Krieg in Europa, ist diese Zahl 2015 sprunghaft auf 62 Prozent angestiegen. Zugleich spreche aus den Ergebnissen der Studie, dass die Jugend sich von „ihrer positiven Grundhaltung nicht abbringen“ lasse, sagte Albert. 61 Prozent blicken laut Studie optimistisch in die persönliche Zukunft. Erstmals seit den 1990er-Jahren beurteilt eine Mehrheit (52 Prozent) auch die gesellschaftliche Zukunft optimistisch. „Davon können sich die vielen Skeptiker und Kritiker angesichts des aktuellen Flüchtlingszustroms eine Scheibe abschneiden“, sagte Albert. Er sprach von einer „Generation des Aufbruchs“ und des Pragmatismus, die sich von der Maxime leiten lasse: „Irgendwie schaffen wir es.“Nur drei Prozent der Befragten fühlten sich laut Studie „abgehängt“.

Nett zu Eltern

Einen hohen Stellenwert hat die Familie. 90 Prozent der jungen Menschen pflegen ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern, fand die Shell-Studie heraus. Dagegen geht der Wunsch nach Kindern zurück. Derzeit wollen 64 Prozent der Befragten eigene Kinder haben, 2010 waren dies noch 69 Prozent gewesen. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) stellte den jungen Deutschen ein sehr gutes Zeugnis aus. „Diese Studie macht Mut“, sagte sie. Anders als dargestellt, interessiere sich die Jugend nicht nur für sich selbst. Aufgeschlossen, aufgeklärt und nicht egoistisch nehme die Jugend ihr Leben selbst in die Hand.


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