Wegen unfreundlicher Menschen England: Iraner fordert eigene Abschiebung

Von Katrin Pribyl

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Recht freundlich, bitte: die britische Polizei. Symbolfoto: dpaRecht freundlich, bitte: die britische Polizei. Symbolfoto: dpa

Manchester. Ein Iraner stürmt eine Polizeistation in Manchester und fordert seine Auslieferung, weil er illegal im Land sei. Die Menschen seien unfreundlich und er finde keinen Job, beklagt er und will deshalb zurück in den Iran. Doch es gibt einen kleinen Haken.

Außer Frage steht, dass Arash Aria keinen guten Wochenstart hatte. Der Iraner war wütend und als Ventil für seinen Ärger suchte er sich ausgerechnet die Polizeistation in der nordenglischen Stadt Manchester aus. Immerhin hatte er ein konkretes, wenn auch ungewöhnliches Anliegen: Der 25-Jährige forderte von den Beamten, in sein Heimatland abgeschoben zu werden. Er sei seit zehn Jahren illegal im Vereinigten Königreich und nun habe er genug. „Ich hasse Manchester“, soll er wieder und wieder geschrien haben.

Doch nicht illegal im Land?

Die Polizisten beobachteten erst amüsiert und etwas sprachlos die Szene, dann verhafteten sie den Mann. Um ihn schließlich kurz darauf wieder zu „enthaften“. Denn nachdem die Behörden ihn anfangs der gesetzeswidrigen Einreise nach Großbritannien verdächtigt hatten, stellte sich nach Prüfung seines Status heraus, dass es einen nicht unbedeutenden Haken gibt: Arash Aria hält sich überhaupt nicht illegal im Land auf, sondern hat eine Aufenthaltsgenehmigung.

„Seltsamer Vorfall“

Er durfte, nein, er musste zu seinem eigenen Leidwesen wieder nach Hause gehen und das befand sich nicht etwa in Shiraz, wo er ursprünglich herstammt. Er stiefelte zurück in seine Wohnung in einem Häuserblock im Zentrum Manchesters. Den Fall hat die Polizei selbst über das soziale Netzwerk Twitter öffentlich gemacht, sie nannte die Geschichte einen „seltsamen Vorfall“. Doch die Beamten zeigten sich vor allem wegen der kuriosen Beweggründe irritiert.

„Viel Gewalt erlebt“

Die Menschen in Manchester seien unfreundlich, grob und nicht sehr einladend, beklagte Aria. Zudem habe er viel Gewalt erlebt. Er versuche zwar, das alles zu ignorieren, aber nun habe er „die Schnauze voll“, sagte der frustrierte Iraner gegenüber dem „Telegraph“. Einen Job finde er auch nicht. Zeitweise war er als Kellner und Barkeeper angestellt, doch ohne Grund bekomme er keine Schichten mehr zugeteilt, sagte der Mann, der von Sozialhilfe lebt. „Ich möchte arbeiten, um meine Träume zu verwirklichen, um etwas aus meinem Leben zu machen.“ Er wünsche sich, „jemand zu sein“.

Iranischer Pass ist abgelaufen

Dafür will er nun zurück nach Shiraz, doch schon wieder gibt es einen Haken: Sein iranischer Pass ist abgelaufen. Nachdem sein Ausraster durch die Medien ging, bot ihm die Botschaft in London Hilfe für die Rückkehr an, unter Umständen erhält er auch finanzielle Unterstützung. Nun aber wartet er erst einmal auf seinen neuen Pass, dann will er einen Flug buchen. Doch ob er Großbritannien wirklich für immer verlassen wird? Laut eines Polizisten kam er kurz darauf noch einmal in der Wache vorbei, um sein Fahrrad abzuholen, das er vergessen hatte. „Er sagte, er fühle sich schon besser“, berichtete der Beamte.

Spott über Manchester

Derweil sorgte der Vorfall auf Twitter für einigen Spott – und zwar weniger wegen Arash Aria, sondern vielmehr wegen Manchester. Die Stadt genießt bei vielen Briten nicht gerade den Ruf als Prachtexemplar. „An dem Punkt waren wir alle schon mal“, witzelte ein Nutzer. „Kann man es ihm verübeln?“, fragte ein anderer. „Zehn Jahre in Manchester?“, schrieb ein User, „gebt dem Mann eine Medaille“. Einige schoben es auf die grauen Regentage: „Wahrscheinlich das Wetter. Ich wollte heute auch schon an einen wärmeren Ort abgeschoben werden.“


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