Koexistenz von Mensch und Tier Wilde Kängurus leben in Wäldern bei Paris

Von dpa

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Niedlich sehen die kleinen Bennett-Kängurus aus. Während man sie sonst hauptsächlich im Zoo sieht, leben die Tiere in der Nähe von Paris in der freien Wildbahn. Foto: dpaNiedlich sehen die kleinen Bennett-Kängurus aus. Während man sie sonst hauptsächlich im Zoo sieht, leben die Tiere in der Nähe von Paris in der freien Wildbahn. Foto: dpa

Paris. Im Wald im Umland von Paris leben Bennett-Kängurus. Vor Jahren sind sie aus einem Gehege ausgebüxt. Mittlerweile fühlen sie sich in Rambouillet heimisch.

Lange wussten nur wenige Eingeweihte, was da südwestlich von Paris durch den Wald hoppelt. „Vor 20 bis 25 Jahren war das alles noch ein großes Geheimnis“, sagt Stéphane Walczak vom regionalen Jagdverband. Doch inzwischen sind die kleinen Kängurus so etwas wie das inoffizielle Maskottchen der Region – selbst die Schülerzeitung der Grundschule im Ort Émancé trägt das Beuteltier im Namen. Seit Ende der 1970er Jahre leben die Bennett-Kängurus in freier Wildbahn im Waldgebiet von Rambouillet.

Tiere ausgebüxt

Wahrscheinlich büxten damals ungefähr 25 Tiere aus einem Gehege aus. Die Wildparkbetreiber hätten das nicht an die große Glocke gehängt, erzählt Walczak. Die Kängurus kamen mit der neugewonnenen Freiheit gut klar und zeugten schnell Nachwuchs, inzwischen sind es Schätzungen zufolge etwa Hundert Tiere. „In Frankreich ein einzigartiger Fall“, sagt Bruno Munilla, der sich als Naturschützer mit den Beuteltieren beschäftigt.

Zusammenleben klappt

In den 1990er Jahren hätten Studenten gelbe Hinweisschilder mit Kängurusymbolen aufgestellt. Das Outback war nun offiziell im Wald von Rambouillet angekommen. „Mensch und Känguru kommen gut miteinander klar“, erzählt die Bürgermeisterin von Émancé, Christine David. Auch wenn es hin und wieder zu Zwischenfällen kommt: Verirrt sich eines der Tiere in einen privaten Vorgarten, muss schon mal die Feuerwehr anrücken. Und die Gemeinde ist darauf eingestellt, nach Zusammenstößen von Autos und Kängurus Bescheinigungen auszustellen – sonst glaube die Versicherung den Fahrern nicht.

Schwach ausgeprägtes Sozialverhalten

Seitdem die französische Presse das Thema für sich entdeckt hat, werden immer öfter Känguru-Sichtungen gemeldet. Meistens handele es sich aber um Rehe, die aus der Ferne nur schwer von ihren exotischen Nachbarn zu unterscheiden sind, so Munilla. Denn Kleinkängurus zeigten sich nur ungern: „Sie sind Einzelgänger, und ihr Sozialverhalten ist ebenfalls schwach ausgeprägt.“ Am liebsten sind sie nachts oder in frühmorgens unterwegs. Auf der Suche nach Nahrung bewegen sie sich in einem Radius von 20 bis 40 Kilometern. (Lesen Sie auch: Kängurus sind Linkshänder)

Kaum natürliche Feinde

Bennett-Kängurus sind eine Form des Rotnackenwallabys und vor allem auf Tasmanien südlich von Australien beheimatet. Das 200 Quadratkilometer große Waldgebiet von Rambouillet ist laut der Experten für die Kängurus ein idealer Lebensraum. Unter dem Schutz einer dichten Laubdecke finden sie alles, was ihnen schmeckt: Blätter, Gräser und kleine Sträucher. Natürliche Feinde hat das Wallaby hier kaum, selbst der Fuchs wagt sich nicht an die bis zu 20 Kilogramm schweren Männchen mit ihren scharfen Klauen heran.

Fall in Meckelenburg

Einziger Konkurrent ist das Reh. Selbst im Winter, bei knapperem Nahrungsangebot, schlägt sich das kleine Känguru tapfer – das zeigt sich auch in Mecklenburg, wo es seit 2001 einen ähnlichen Fall in freier Wildbahn gibt. Französische Jäger nehmen die Beuteltiere nicht ins Visier, sie stehen nicht auf der Liste der jagbaren heimischen Wildtiere, obwohl sie nicht unter Naturschutz stehen. „Eine friedliche Koexistenz zwischen Mensch und Känguru“, sagt Bruno Munilla.

Anzahl bleibt gleich

Allerdings werden zwischen 15 und 20 Tiere jährlich Opfer des Straßenverkehrs. Einer der möglichen Gründe, warum sich die Känguru-Population in Rambouillet auf gleichbleibendem Niveau hält. 2014 ertrank sogar einmal ein Känguru in einem privaten Schwimmbecken. Auch sei es schwer, das beliebte Ausflugsgebiet, mit zehn Millionen Besuchern jährlich als friedlichen Rückzugsort zu beschreiben, wendet Stéphane Walczak ein. Die geschützte Zone im Süden des Waldes ist außerdem begrenzt. Diesen Vorzug hat die tasmanische Heimat dann doch: Sie ist nicht so dicht besiedelt.


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