Spaniens blutrünstigstes Dorffest „Toro de la Vega“: Stier wird mit Lanzen zu Tode gequält

Mit Sitzblockaden und Menschenketten versuchten Tierschützer, die grausame Tötung des Stieres zu verhindern. Foto: dpaMit Sitzblockaden und Menschenketten versuchten Tierschützer, die grausame Tötung des Stieres zu verhindern. Foto: dpa

ze Madrid. Auch die größten Proteste, die Spanien bisher gegen den Stierkampf gesehen hat, konnten den Tod von „Rompesuelas“ nicht verhindern. Der 640 Kilo schwere Kampfbulle starb beim wohl umstrittensten Stierfest des Königreiches in dem zentralspanischen Dorf Tordesillas.

Bei der Dorffiesta namens „Toro de la Vega“ wird das Tier erst von einer johlenden Menschenhorde durchs Dorf auf eine Flussaue („Vega“) gejagt und dort von mit Lanzen bewaffneten Männern zu Tode gestochen.

Fest unter massivem Polizeischutz

Das grausame Lanzenfest, das zu Ehren der Schutzheiligen des Bauernnestes gefeiert wird, konnte dieses Jahr nur unter massivem Polizeischutz stattfinden. Die Beamten errichteten Straßensperren, kontrollierten alle Dorfzugänge, durchsuchten die Anreisenden.

Sogar ein Polizeihubschrauber kreiste über dem Dorf, in dem gerade einmal 9000 Menschen wohnen – das aber zum Stierspektakel von zehntausenden Menschen aus der umliegenden ländlichen Region Kastilien-León besucht wird.

Tierschützer richten Sitzblockaden ein

Auch hunderte Tierschützer waren gekommen und versuchten, die Hetzjagd und nachfolgende Tötung des Stieres „Rompesuelas“ zu verhindern. Zum Beispiel mit Sitzblockaden und Menschenketten. Immer wieder kommt es zu heftigem Gerangel zwischen Gegnern und Befürworten. Fäuste und Steine fliegen.

Mindestens 15 Verletzte

Beleidigungen werden ausgetauscht. Das Rote Kreuz meldete später mindestens fünfzehn Verletzte.

Dem Stier „Rompesuelas“ half dies nicht. Rund 20 Minuten, nachdem er aus seinem Verschlag stürmte und dann durchs Dorf zum Kampfplatz am nahe gelegenen Fluss Duero getrieben wurde, verendete er nach einem tödlichen Lanzenstich. Zuvor hatten schon Lanzenträger zu Pferd und zu Fuß auf den Stier eingestochen.

Kritik an „empörendem“ Spektakel

In einer Online-Umfrage der zweitgrößten spanischen Tageszeitung „El Mundo“ sprachen sich drei von vier Lesern gegen diese Fiesta aus. Spaniens größtes Blatt „El Pais“ forderte in einem Meinungsartikel, dieses „empörende“ Spektakel endlich abzuschaffen, „das ein bedauernswertes Bild Spaniens biete“.

Spaniens sozialistischer Oppositionschef Pedro Sánchez versprach das Fest zu verbieten, sollte er bei der Parlamentswahl Ende des Jahres an die Macht kommen – was mithilfe der in Spanien erstarkenden linken Protestparteien durchaus möglich ist.

Die Konservativen schweigen

Brutale Stierfeste wie jenes in Tordesillas „sollte es im 21. Jahrhundert nicht mehr geben“, meinte Sánchez. „Ich schäme mich dafür.“ Die in Spanien regierende konservative Partei, welche Spaniens zunehmend umstrittenen Stierkampf jüngst sogar als „nationales Kulturgut“ schützte, schwieg derweil.

Bürgermeister verteidigt Fest

Peinlich nur, dass der Bürgermeister des Lanzenstecherdorfes, José Antonio González Poncela, ein sozialistischer Parteigenosse von Sánchez ist. González Poncela verteidigte das Stiertöterfest, das seit mehr als 500 Jahren gefeiert wird, mit Hinweis auf den festen Willen seiner Bürger: „Solange die Bewohner von Tordesillas möchten, werden wir weitermachen.“

Theater- und Musikfestival statt „Toro de la Vega“

Die einflussreiche Tierschutz-Plattform „Folter ist keine Kultur“ erklärte derweil: „Das Leiden und der Tod eines Tieres sollten nicht Form der Unterhaltung einer modernen Gesellschaft sein.“ Die Tierschützer hatten dem Bürgermeister vergeblich angeboten, ein großes Theater- und Musikfestival im Ort zu organisieren, wenn er die Stierfiesta absage.

Rund 100 prominente Schauspieler, Komiker und Bands hatten zugesagt, kostenlos auf dem Festival aufzutreten und so dem Dorf eine neue Einnahmequelle zu verschaffen. Doch auch diese noble Geste konnte den stolzen Stier „Rompesuelas“ nicht retten.