Kontakt löschen oder diskutieren? Was tun, wenn Freunde auf Facebook fremdenfeindlich werden?

Wie soll man reagieren, wenn Freunde oder Verwandte auf Facebook plötzlich fremdenfeindlich werden? Foto: dpaWie soll man reagieren, wenn Freunde oder Verwandte auf Facebook plötzlich fremdenfeindlich werden? Foto: dpa

dpa/coa Berlin. Die Flüchtlingsdebatte lässt bei vielen Menschen die Gefühle hochkochen. Bei manchen führt das so weit, dass sie fremdenfeindliche Parolen in sozialen Netzwerken verbreiten. Wie soll man sich verhalten, wenn Freunde oder Verwandte sich auf Facebook plötzlich fremdenfeindlich äußern?

Bei jedem Posting auf Facebook gibt es die Möglichkeit, über einen Button Inhalte wegen Hassbotschaften an das Hilfe-Team des sozialen Netzwerks zu melden. Kommen die Mitarbeiter zu dem Schluss, dass das Posting gegen die Gemeinschaftsstandards verstößt, wird es gelöscht. Nur: Wer will schon Freunde oder sogar Verwandte anzeigen?

„Fremdenfeindliche Äußerungen im Netz sollte man zunächst so behandeln wie auch im direkten Umfeld: mit Zurückhaltung“, rät Prof. Sabine Kirchhoff von der Hochschule Osnabrück. Ob man versuche, Einfluss auf sein Umfeld zu nehmen oder lieber den Kontakt abzubrechen, liegt im Ermessen eines jeden einzelnen. „Allerdings sollte man zur Klärung das persönliche Gespräch führen und die Kommunikation nicht auf Facebook verlagern“, sagt die Medienexpertin. Denn die Folgen einer öffentlich ausgetragenen Diskussion seien oft nur schwer abzuschätzen. „Man weiß nie, wer mitliest bei einem so sensiblen Thema.“

Beratungsstellen kontaktieren

Auch Julia Schramm von der Amadeu Antonio Stiftung sagt, dass Diskutieren sehr zeitintensiv ist und einen womöglich selbst „ins Fadenkreuz rücken“ könne. „Es gibt aber genug Menschen in Deutschland, bei denen man mit Argumenten noch etwas erreichen kann.“ Auch Beratungsstellen und Stiftungen könne man kontaktieren und sich dort Informationen und Hilfe holen. Im Ernstfall sollte man einen entsprechenden Post bei der Polizei anzeigen.

Falsche Quellen ansprechen

„Der Hass kommt selten von heute auf morgen und offen“, sagt Thomas Lückerath, der Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Oft fange es damit an, dass unseriöse Quellen mit falschen Behauptungen verbreitet werden. „Wenn man Freunde, Verwandte und Bekannte darauf hinweist und sagt: ‚Das, was du da gerade teilst, das stimmt nicht; was nutzt du für Quellen?‘, da kann man schon ein frühes Zeichen setzen.“ Bekommt man offenen Hass zu sehen, solle man versuchen, zunächst mit der Person zu sprechen. „Nur wenn das keine Wirkung mehr hat, sollte man die anderen Möglichkeiten ausschöpfen“, sagt Lückerath.

Probleme mit dem Arbeitgeber

Im Übrigen kann es auch Probleme mit dem Arbeitgeber geben, wenn man sich im Netz rechts äußert: So schreibt der AWO Landesverband Thüringen beispielsweise, dass sie nach einem fremdenfeindlichen Posting einer Mitarbeiterin arbeitsrechtliche Konsequenzen gezogen und – da in dem Posting Straftaten angedroht wurden – Anzeige erstattet hätte.

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