Kaum Zahlen über Abbruchquoten Unis im Nordwesten wollen Studienabbrecher unterstützen

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Schuften im Hörsaal: Für viele Studenten erweist sich ihr Fach nicht als geeignete Wahl – das kann viele Gründe haben. Foto: dpaSchuften im Hörsaal: Für viele Studenten erweist sich ihr Fach nicht als geeignete Wahl – das kann viele Gründe haben. Foto: dpa

Osnabrück. Jedes Jahr brechen in Deutschland schätzungsweise 100000 Studenten ihr Studium ab. Nicht bestandene Klausuren, Unzufriedenheit mit den Kursen, unerträglicher Prüfungsdruck: Die Gründe sind vielfältig. Verlässliche Statistiken über Abbruchzahlen sind jedoch Mangelware. Dennoch versuchen die Hochschulen in der Region, die Studenten bei ihren Problemen mit verschiedenen Initiativen zu unterstützen.

Wie viele Studenten brechen an den einzelnen Universitäten ihr Studium ab? Dies ist eine Frage, die – wenn überhaupt –nur sehr mittelbar beantwortet werden kann.

Viele Gründe möglich

Eine Exmatrikulation mag schließlich mehrere Gründe haben. Manche Studenten wechseln einfach nur das Fach, andere wiederum dürfen nicht weitermachen, wenn sie eine Prüfung wiederholt nicht bestanden haben. Wieder andere entschließen sich dazu, die jeweilige Hochschule zu verlassen, um an einer anderen weiterzustudieren.

Keine Erhebungen an Uni Osnabrück

„Es ist schwierig, genaue Zahlen zu liefern. Die Studierenden, die sich exmatrikulieren, sagen nicht, warum sie es tun. Deshalb haben wir da auch keine Erhebungen“, sagt Utz Lederbogen, Sprecher der Universität Osnabrück. Für eine Exmatrikulation gebe es drei zwingende Gründe, die statistisch erfasst werden können, berichtet Christina Vocke von der Bremer Uni. „Entweder der Student hat sein Examen gemacht, er ist endgültig durchgefallen oder tot“, sagt sie. Die anderen Gründe seien dagegen einfach schlecht zu erfassen.

Regelmäßige Befragungen

Um sich dennoch einen Eindruck davon zu verschaffen, warum Studenten ihr Studium abbrechen, nimmt die Uni Bremen regelmäßig an hochschulübergreifenden Befragungen teil. Das Problem dabei ist nur: Recht wenige Abbrecher verspüren Lust, lange Fragebögen zu beantworten. An der Fachhochschule Dortmund sind es beispielsweise nur zehn Prozent, die ihre Bögen ausgefüllt zurückschicken. Andere Hochschulen versuchen dagegen, ihre Ex-Studenten mit Belohnungen zu ködern, um mehr über die Gründe ihres Abgangs zu erfahren.

Keine akademischen Versager

„Wir wollen natürlich Abbrüche verhindern, gleichzeitig aber auch allen Studenten ihr persönliches Glück ermöglichen“, so Vocke. Generell sei es wichtig, Studienabbrecher nicht als akademische Versager abzustempeln. „Man sollte das Abbrechen nicht dramatisieren, man kann damit auch positiv umgehen“, sagt Vocke. Zum Beispiel, indem man den Abgängern Alternativen jenseits der Uni aufzeigt.

Projekt für Abgänger

In Bremen geschieht das unter anderem mit der Initiative „NewStart“. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt wurde im Januar gestartet und ist auf drei Jahre angelegt. Das Institut Technik und Bildung der Universität Bremen (ITB) kooperiert dabei mit dem Bildungszentrum der Wirtschaft im Unterwesergebiet (BWU) . Ziel ist es, Abgänger „auf die vielfältigen und attraktiven Möglichkeiten der betrieblichen Berufsausbildung aufmerksam“ zu machen und sie an Ausbildungsbetriebe zu vermitteln. In Zeiten, in denen der duale Ausbildungsweg immer mehr an Attraktivität verliert, ist dies sicherlich eine lohnenswerte Initiative.

Geeignete Zielgruppe

In diesem Jahr wurden bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) zwei Prozent weniger Ausbildungsverträge registriert. Viele Branchen hätten „zunehmend Schwierigkeiten, geeignete Bewerber zu finden, da die Zahl der Schulabgänger zurückgehe und immer mehr Jugendliche zu Abitur und Studium drängten“, heißt es von Seiten der IHK Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim. Dementsprechend stellen Studienabbrecher für die Betriebe eine geeignete Zielgruppe dar, um die geworben werden kann. Laut Schätzungen brechen jährlich rund 300 Studenten in der Hochschulregion Osnabrück ihr Studium ab.

Angesichts dieser Zahlen hat die IHK 2014 das Projekt „Neustart“ ins Leben gerufen, dabei kooperiert sie mit der Hochschule und der Uni Osnabrück, mit der Agentur für Arbeit sowie mit Stadt und Landkreis Osnabrück. Ziel der Initiative ist es, „motivierte junge Menschen, die ihr Studium ohne Abschluss beenden, für die regionale Wirtschaft als Fachkräfte zu gewinnen“, heißt es von Seiten der IHK Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim. Bisher sei das Projekt sehr gut angenommen worden. Nach einem Jahr wurden schon 100 Beratungsgespräche geführt, in denen die Kammer Studienaussteiger über Ausbildungsberufe in der Region informiert hat.

Münster freut sich über viele Absolventen

Auch die Uni Münster kann keine genauen Zahlen zur Abbruchquote liefern. Durch einen Vergleich von Studienanfänger- und Abschlusskohorten könne der Erfolg der Studenten zumindest mittelbar erfasst werden, sagt Pressesprecher Peter Wichmann auf Anfrage unserer Redaktion. Mit den Ergebnissen ist die Westfälische Wilhelms-Universität sehr zufrieden. Rund 41000 Studenten sind dort laut Statistischem Jahrbuch 2014 immatrikuliert – das macht sie zur fünftgrößten Uni in ganz Deutschland.

Bei der Zahl der Absolventen liegt sie jedoch hinter der Ludwig-Maximilians-Universität und TU München bundesweit auf dem dritten Rang. Trotz dieser erfreulichen Zahl betont Wichmann, es handele sich dabei „immer nur um grobe Schätzungen. Wir wissen nicht, ob sich jemand wirklich mit dem Ziel des Studienabschlusses immatrikuliert. Auch verzerren Hochschulwechsler, die in höheren Semestern zu uns kommen oder von uns an andere Hochschulen wechseln, selbstverständlich den Vergleich zwischen Anfangskohorte und Absolventenzahl.“ Zudem werde die Statistik ebenfalls dadurch verzerrt, dass nicht alle Studenten in der Regelstudienzeit abschließen.

Jeder vierte Bachelor-Student schmeißt hin

Auch wenn wirklich verlässliche Zahlen über die Abbruchquote von den Studenten schwer zu ermitteln sind, gibt es dennoch einige Anhaltspunkte. So kann beispielsweise – wie in Münster – die Zahl der Studienanfänger damit verglichen werden, wie viele von ihnen später in der Regelstudienzeit einen Abschluss erworben haben.

Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) bricht mehr als jeder vierte Bachelorstudent (28 Prozent) sein Studium ab. In einigen Fächern fällt die Quote sogar deutlich höher aus. 47 Prozent der Mathe-Studenten schmeißen beispielsweise vorzeitig das Handtuch, in Maschinenbau liegt die Abbruchquote bei 36 Prozent. Insgesamt sind die Abbrecherquoten in den technischen Studienfächern höher als in anderen Fächern.

Viele Abbrecher in MINT-Fächern

In den sogenannten MINT-Fächern liegen sie durchschnittlich bei rund 30 bis 35 Prozent. Doch auch da gibt es Schwankungen. Die Zahlen variieren erheblich nach der jeweiligen Abinote des Studenten. Studienanfänger mit einer Note von 3,0 bis 4,0 hätten gar eine Abbruchwahrscheinlichkeit von 60 bis 70 Prozent, heißt es in einer Mitteilung der Hochschule Osnabrück auf Anfrage unserer Redaktion.

Modellversuch an Hochschule Osnabrück

Zahlen, die deutlich zu hoch sind. So versucht die Hochschule, Studienanfänger zu unterstützen. „Wir haben in den letzten zwei Jahren diese Daten genauer analysiert, um Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten“, sagt Ralf Garten, verantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. So biete die Hochschule mit dem Modellversuch „Flexible Studieneingangsphase“ einen „alternativen Studieneinstieg an, der gerade schwächeren Anfängern helfen soll, besser ins Studium zu kommen“. Zahlen zum Erfolg des Projekts werden jedoch erst im kommenden Jahr vorliegen.

Nur wenige brechen den Master ab

Während die Abbruchzahlen im Bachelor teils recht hoch sind, fallen sie beim Staatsexamen vergleichsweise niedrig aus. Die Abbruchrate liegt dort bei 13 Prozent. Auch im Masterstudium verlassen nur wenige Studenten (11 Prozent) die Uni ohne den angestrebten Abschluss.


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