Klappt nicht immer, aber immer öfter Leben ohne Plastik – Studentin aus Haren berichtet

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Ellen Achter aus Haren verzichtet seit März dieses Jahres weitgehend auf Plastik. Foto: privatEllen Achter aus Haren verzichtet seit März dieses Jahres weitgehend auf Plastik. Foto: privat

Osnabrück. Nudeln, Shampoo, Jogurt, Kleidung – ungezählte Dinge des alltäglichen Lebens bestehen aus Plastik oder sind in Plastik verpackt. Ein nützliches wie zugleich umweltschädliches Material. Ellen Achter aus Haren verzichtet seit März weitgehend darauf. Das klappt nicht immer, aber immer öfter.

Es begann mit dem Dokumentarfilm „Plastic Planet“, den die 21-jährige Studentin aus Haren sah. Der Film beschreibt die Gefahren, die von Plastik ausgehen. Die 21-Jährige informierte sich weiter über dieses Thema und entschied sich letztlich, ein Leben weitgehend ohne Plastik zu führen. „Das hat im März mit der Fastenzeit angefangen“, erzählt die 21-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. Ihr Fokus liegt auf Lebensmitteln, doch auch in anderen Bereichen, etwa bei der Kleidung, verzichtet Achter weitgehend auf Plastik.

Obst und Gemüse vom Bauern

Im Alltag funktioniere das schon recht gut, versichert sie. „Anfangs dachte ich, das ist richtig schwierig.“ „In Haren, also im ländlichen Raum, sei es das aber gar nicht so sehr“, ergänzt sie. Obst und Gemüse besorge sie sich direkt von Bauern und auf dem Markt. Milch bekomme sie aus einer Milchtankstelle eines Bauern – praktisch direkt aus dem Stall. Nachteil: Die mag ihr Freund wiederum nicht, er muss sie abkochen.

Doch nicht in allen Bereichen schafft Achter es, auf Plastik zu verzichten. „Schwierig ist es bei der Körperhygiene.“ In einem speziellen Online-Shop habe sie immerhin ein Deo gefunden, das ist Pappe verpackt ist – aber rund zehn Euro kostet. „Und ich hatte eine Zahnbürste aus Bambus, aber das hat mein Zahnfleisch nicht vertragen.“ Daher steht nun wieder die herkömmliche Zahnbürste in ihrem Bad. Beim Duschgel dasselbe Bild: verpackt in Plastik. „Zum Selbstmachen fehlt mir die Zeit.“

Jogurt und Eis aus Eigenproduktion

Achter geht weiterhin im Supermarkt einkaufen, wenngleich dort ungezählte Produkte in Plastik verpackt sind. Müsli etwa, worauf sie nicht verzichten könne und das sie weiterhin kaufe. Lediglich Haferflocken gebe es in Papier verpackt. Dennoch wird sie im Supermarkt fündig, fand einen Nudelhersteller, der seine Produkte in Papier verpackt, und viele Tiefkühlprodukte wie Buttergemüse sind im Karton. Jogurt und Eis machen ihr Freund und sie inzwischen teilweise selbst. „Aber das klappt noch nicht so gut“, gesteht Achter.

Second-Hand-Kleidung statt H&M

Auch beim Kleidungskauf kommt kein Plastik in den Jutebeutel (selbstredend keine Plastiktüte). Sie kauft ihre Kleidung aus Baumwolle primär gebraucht oder neu in Bioqualität. „Und man muss eben auch nur die Sachen kaufen, die man auch wirklich braucht und nicht, weil alle anderen sie haben.“ Beispiel: Ihr für heutige Maßstäbe uraltes Smartphone, ein Samsung Galaxy S1 (es gibt derweil das S6). „Ich kaufe nun gezielter ein und konsumiere bewusst“, sagt Achter. Läden wie H&M meide sie gänzlich.

Unterstützung bekomme die Studentin von Freunden und Familie. „Viele wollen es zwar gar nicht hören, weil sie sich sonst auch mit der Problematik beschäftigen müssten.“ Zugleich erfahre sie Bewunderung für ihr Anliegen. „Da bringen Freunde auch schon mal Nüsse in der Dose mit statt Chips in der Tüte.“ Die Eltern würden inzwischen Getränke in Glas- statt Plastikflaschen kaufen.

Ellen Achters letzter Kauf mit Plastik war übrigens eine DVD. „Im Internet streamen geht im Emsland noch nicht so gut“, erklärt Achter ihren Kauf. „Man kann eben nie alles perfekt machen.“

Weiterlesen: Funktioniert ein Leben ohne Plastik? – Ein Selbstversuch


Ellen Achter studiert in Vechta Germanistik und noch Theologie. Letzteres gibt sie bald zugunsten des Faches Designpädagogik auf.

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