Erste Rettungsstation eröffnet Verwahrloste Großkatzen: Neue Heimat für Tiger in der Pfalz

Von dpa

Müde gähnt Cara in die Kamera. Für sie und andere Tiger ist die erste Rettungsstation für Großkatzen eröffnet worden. Foto: dpaMüde gähnt Cara in die Kamera. Für sie und andere Tiger ist die erste Rettungsstation für Großkatzen eröffnet worden. Foto: dpa

Maßweiler. Immer öfter stoßen Behörden auf Großwildkatzen, die in erbärmlichen Zuständen gehalten werden. In Rheinland-Pfalz bietet nun eine spezielle Aufnahmestation für Tiger Rettung in höchster Not.

Von Oliver Hilt

Bela und Shahrukh lassen sich kaum von der Neugier der Fotografen beeindrucken. Zusammengekauert hat sich das Tigerpärchen in eine schattige Ecke des weitläufigen Geheges an einem Waldhang zurückgezogen. Bei hochsommerlichen Temperaturen ist ihnen eher nach Mittagsruhe.

Seit wenigen Tagen ist eine Aufnahmestation im Pfälzer Wald auf dem Gelände eines ehemaligen US-Waffendepots beim Örtchen Maßweiler ihr neues Zuhause. Sie sind gemeinsam mit Tigerin Cara die ersten Bewohner einer neuen Auffangstation für Großwildkatzen. In absehbarer Zeit werden sie mit einem Tiger aus einem französischen Zirkus Bekanntschaft machen.

„Das Ganze ist Tierquälerei“

Die vier Großkatzen stehen mit ihrem Schicksal beispielhaft dafür, warum sich die Tierschutzvereine Tierart und Vier Pfoten zu diesem in Deutschland nach Betreiberangaben bislang einzigartigen Projekt im Pfälzer Wald entschlossen haben.

Es sei leider immer noch so, „dass die Tiere bei Privatpersonen im Hinterhof oder Hundezwinger sitzen oder in fahrenden Zirkussen ihr Leben in Lkw-Anhängern verbringen müssen“, kritisiert Helmut Dungler, Gründer von Vier Pfoten. „Das Ganze ist Tierquälerei.“

In einer Garage entdeckt

Bela und Shahrukh sind einem privaten Halter in Baden-Württtemberg von den Behörden entzogen worden, weil dieser nicht für artgerechte Haltung sorgte. Cara wurde zufällig von der italienischen Polizei bei einer Razzia in einer Garage entdeckt. Die Fälle häufen sich. „Die Polizei wird immer aktiver, nur keiner weiß, wohin mit den Tieren“, sagt Dungler.

Die Rettungsstation ist nun eine Anlaufadresse. Der Verein Tierart hat das Gelände nach dem Abzug der Amerikaner schon vor Jahren übernommen, viel Geld in Infrastruktur investiert, wie die Vorsitzende von Tierart, Roswitha Bour, berichtet.

Waschbären und Füchse

25 Waschbären und 15 Füchse, für die eigens Höhlen gegraben wurden, bevölkern bereits das 14 Hektar große Gelände. Für die Großkatzenkäfige in der neue Auffangstation hat Vier Pfoten rund 1,1 Millionen Euro investiert. Der Verein Tierart hat mit Landeszuschüssen ein Gebäudedach für 100 000 Euro instand gesetzt.

Die Betreiber setzen auf gute Zusammenarbeit mit den Behörden, was die Kommunalvertreter zur Eröffnung ausdrücklich lobten. „Es geht nur über Vertrauen“, gerade bei einer solchen Anlage, sagt Thomas Peifer, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Fröschen-Wallhalben, zu der Maßweiler gehört. Der Ortsbürgermeister von Maßweiler, Herbert Semmel, erhofft sich gar touristische Impulse für die Kommune.

Kein Touristenspektakel

An großen Massenandrang denken die Betreiber indes kaum. Die Auffangstation solle kein Zoo werden, in dem Tiere gehalten werden, um sie zu zeigen, betont Dungler.

Geplant ist aber, die Anlage zu einem Lernort beispielsweise für Schulklassen zu machen. „Wir wollen Menschen erreichen, um für die Tiere etwas zu verändern“, sagt Dungler.