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Versuch: Eine Woche ohne Plastik Funktioniert ein Leben ohne Plastik? – Ein Selbstversuch

Von Jörg Sanders

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Osnabrück. Es ist so allgegenwärtig wie nützlich – und auch umweltschädlich: Plastik. Egal ob Käseverpackung, Zahnpastatube oder Smartphone, ein Leben ohne Plastik scheint heutzutage schier unmöglich. Lässt es sich noch plastikfrei konsumieren? Ein Selbstversuch.


EINE WOCHE OHNE PLASTIK - EIN SELBSTVERSUCH

4. August 2015 22:13
Warum das Experiment?

Weil Plastik zwar ein sehr praktisches und nützliches Material ist, aber zunehmend für Mensch und Natur zum Problem wird. Ein paar Zahlen des BUND:
  • Weltweit werden jährlich geschätzt 200 bis zu 250 Millionen Tonnen Plastik hergestellt. Ein knappes Viertel des weltweiten Plastikverbrauchs geht auf das Konto Europas. Mit 11,5 Millionen Tonnen verbraucht in Europa kein anderes Land soviel Plastik wie Deutschland – Tendenz steigend.
  • Allein sechs Milliarden Plastiktüten werden in Deutschland jährlich verbraucht – mit einer Gebrauchsdauer von gerade einmal 25 Minuten.
  • Die Kunststoffabfallmenge hat sich in Deutschland im Zeitraum von 1994 bis 2011 von 2,8 auf etwa 5,5 Millionen Tonnen pro Jahr beinahe verdoppelt, hauptsächlich durch den Zuwachs an Müll beim Endverbraucher. Recycelt werden lediglich 42 Prozent des Plastikmülls. 56 Prozent werden verbrannt und gehen damit der Kreislaufwirtschaft für immer verloren.
  • Über sechs Millionen Tonnen Müll – das meiste davon Plastik – landen jedes Jahr im Meer. Plastikteile sowie deren Zersetzungsprodukte sammeln sich vor allem in riesigen Meereswirbeln an. Dem Nordpazifikwirbel hat dieses Phänomen den Beinamen "Großer Pazifikmüllfleck" eingebracht. Inzwischen gibt es in weiten Teilen der Meere sechsmal mehr Plastik als Plankton, in einigen Gebieten sogar bis zu 46-mal mehr. Ein weiteres Problem: Mikroplastik, winzigste Plastikteilchen, die durch Abrieb von Plastikmüll, aber auch über den Einsatz in Kosmetika in die Meeren landen. An ihnen binden sich giftige Chemikalien, die wiederum von Fischen und anderen Meeresbewohnern aufgenommen werden. Über diesen Weg gelangt der Plastikmüll mit den anlagernden Giftstoffen auch in für den menschlichen Verzehr bestimmte Lebensmittel. Plastik in den Meeren trifft letztlich also auch den Menschen.
  • Zur Produktion von einem Kilogramm Plastik wird mindestens die doppelte Menge an Öl benötigt. Wird ein Kilogramm Plastik verbrannt, entweichen etwa zwei Kilogramm CO2 in die Atmosphäre.

Jörg Sanders
4. August 2015 22:27
Experiment im Grunde genommen unmöglich

Müsste ich beim Experiment nicht nur auf neu gekauftes Plastik verzichten, sondern auf alles aus diesem Material, wären diese Zeilen bereits nicht möglich: Das Computergehäuse, die Tastatur und vermutlich viele weitere Teile des PCs sind aus Plastik, ebenso die Maus, Teile des Stuhls, auf dem ich sitze
Jörg Sanders
4. August 2015 22:34
Osnabrücker Einzelhandel stampft Tüten ein

Das Osnabrücker Emblem „Plastiktütenfreies Geschäft“ zeigt, grün umrahmt, unter anderem das aus dem Stadtwappen bekannte Rad sowie in der Mitte ein grünes Häkchen. Foto: Swaantje Hehmann 

Übrigens: Immer mehr Osnabrücker Geschäfte verzichten auf Plastiktüten - auf Initiative von Schülern der Ursulaschule. Bis 2017 wollen die Schüler die Stadt plastiktütenfrei bekommen - ein lobenswertes Ziel!
Mehr:
Jörg Sanders
5. August 2015 09:23
Shampoo, Zahnpasta, Zahnbürste, alles aus Plastik. Ich bin froh, diese Dinge schon zu haben, denn sonst würde meine Hygiene vermutlich eine Woche stark leiden. Und ob meine Kollegen das begrüßen würden ...
Jörg Sanders
5. August 2015 09:52
Eingepackt: Trinkflasche und Thermobecher für unterwegs, die ich ohnehin schon lange besitze und die Müll vermeiden.
Jörg Sanders
5. August 2015 12:31
Auch am Arbeitsplatz herrscht Plastik vor: PC, Tastatur, Monitore, Telefon, Maus, Teile des Stuhls etc.
Jörg Sanders
5. August 2015 15:01
Der Snack für den Nachmittag ist gesichert. Aber beim bestellten Mittagessen dürfte ich vermutlich indirekt Plastikmüll erzeugt haben. Mir drängt sich die Frage auf: Woher bekomme ich Nudeln???
Jörg Sanders
5. August 2015 18:41
Versagt an Tag 1

Verdammt! Zur Linderung des kleinen Hungers vor dem Feierabend führte mich mein Weg wie selbstverständlich zum Süßigkeitenautomaten.
Ohne nachzudenken wählte ich einen sicherlich äußerst gesunden Cerealien-Riegel und aß ihn. Fünf Minuten später die Erkenntnis: weniger Hunger, aber Plastikmüll. Das hatte ich schlichtweg vergessen, es hat sich also noch nicht eingespielt. Ich gelobe Besserung!
Das Corpus delicti 
Jörg Sanders
5. August 2015 18:44
Derweil hat mich die erste Rückmeldung einer sehr netten Leserin ereilt. Die 21-Jährige verzichte schon seit März zumindest weitgehend auf Plastik und gab mir einige Tipps. Vielen Dank!
Jörg Sanders
5. August 2015 19:04
Der erste Tag verlief bisher recht einfach. Einkaufen war ich bisher aber auch noch nicht. Darauf bin ich gespannt!
Jörg Sanders
5. August 2015 21:43
Das Abendessen (Falafel) beim Kogge-Spielplatz: ohne neues Plastik. Nur etwas Papier und selbst mitgebrachtes Wasser. Zugegeben, das war einfach.
Jörg Sanders
5. August 2015 21:44
Mein Vorgänger auf der Bank hinterließ hingegen viel Plastik, nicht mal im Mülleimer ...
Jörg Sanders
5. August 2015 21:57
Bald ganz ohne Müll aus dem eigenen Kleingarten: Hokkaido. Yeah!!!
Jörg Sanders
5. August 2015 21:59
Dafür war jemand bei der Zucchini schneller ... )-:
Jörg Sanders
6. August 2015 11:18
So, heute hätte ich mir gerne mal wieder einen Obstsalat mit Naturjogurt für die Arbeit gemacht. Aber Jogurt im Glas gibt es nicht in jedem Supermarkt - abgesehen davon, dass ich auch immer viel zu faul bin, Gläser zurückzubringen, weswegen ich sie nie kaufe.
Jörg Sanders
6. August 2015 18:01
So, heute hatte ich wenig zu berichten, da ich heute gar nicht erst zum Konsumieren gekommen bin. Um das Abendessen muss ich jedenfalls zum Glück nicht kümmern, da mir eine nette Kollegin ihr Brot überließ. So geht es natürlich auch (-:
Jörg Sanders
7. August 2015 10:19
Wenn die Auswahl im Supermarkt doch arg beschränkt ist, hilft eine Bestellung immer weiter (-: Allerdings ist dieser Weg nicht stringent, denn bei der Herstellung der Pizza ist sicherlich Plastik angefallen.
Nachtrag: Das war natürlich das Abendessen, kein Frühstück.
Jörg Sanders
7. August 2015 12:50

Jamjam ... 
Ach wie nett, nun helfen mir schon Kollegen beim Kampf gegen Heißhunger und Kampf gegen Plastik: Karamel-Brownie aus Papiertüte!

Jörg Sanders
7. August 2015 13:40
Warum? Selbst Tee ist von Plastik umhüllt. Also kein Tee ...
Jörg Sanders
8. August 2015 08:44
Das Abendessen: Vöner, also veganer Döner. Sehr lecker!
Jörg Sanders
8. August 2015 08:46
Sehr leichte Möglichkeit, morgens Folie zu vermeiden: ein dauerhafter Frühstücksbeutel. Übrigens auch viel schöner ...
Jörg Sanders
8. August 2015 19:35
Rasierschaum wollte ich eben kaufen, aber wie es aussieht, muss mein Gesicht erst einmal ohne auskommen. Aua
Jörg Sanders
8. August 2015 19:36
Auch auf Müsli werde ich wohl vorerst verzichten müssen ...
Jörg Sanders
8. August 2015 20:26
Kleine Minz-Pastillen konsumiere ich normalerweise in Mengen. Aber alle sind in Plastik verpackt. Es sind “nur“ Bonbons, aber ich gebe zu: Damit ist ein Tiefpunkt erreicht. Habe ich ein Problem???
Jörg Sanders
8. August 2015 20:27
Immerhin: Zucker gibt's in Papier verpackt (bis auf das kleine Sichtfenster).
Jörg Sanders
8. August 2015 21:26
Kekse für einen Familienausflug - gestrichen, unmöglich offenbar. Menno ...
Jörg Sanders
8. August 2015 23:56
Ellen Achter aus Haren verzichtet schon seit März weitgehend auf Plastik. Meistens klappt es, aber nicht immer. Etwa bei der Zahnbürste aus Bambus. Warum nicht? Das können Sie hier lesen: www.noz.de/artikel/604007
Jörg Sanders
9. August 2015 20:03
Heute ging es nach Tecklenburg zu “Die Schöne und das Biest“, sehr schön übrigens. Mittags gab's Bio-Fritten in Pappschalen.
Jörg Sanders
9. August 2015 20:05
Aber: Danach wollten meine Gäste Eis, da scheiterte ich, schließlich ist es nicht ihr Versuch. Immerhin: Das schlechte Gewissen war da. Ist der Umwelt aber wohl egal ...
Jörg Sanders
10. August 2015 11:52
Dass ich in der Regel in der Woche nicht frühstücke, ist natürlich von Vorteil für mich. Was mir aber fehlt: Obstsalat mit Joghurt. Bio-Bananen sind oft in Folie verpackt, und Joghurt im Glas gibt es nur von wenigen Marken, die ich aus bestimmten Gründen meide. Abgesehen davon, dass sie total überteuert sind, wovon die Bauern aber nichts haben.
Jörg Sanders
10. August 2015 11:55
Beim heutigen Mittagessen werde ich (indirekt) ohne Plastik auskommen: Mit Kollegen teste ich heute Eintopf im neuen Mellow's in der Redlinger Straße. Bin gespannt. Das ist immerhin bio, regional etc.
Jörg Sanders
10. August 2015 12:29
Erneut gescheitert: Eine meiner Jeans hat ein Loch. Flicken, nicht in Plastik verpackt? Keinen gefunden. Die Hose deswegen entsorgen hielt ich aber für noch unangebrachter.
Jörg Sanders
10. August 2015 14:53
Finde den Fehler ...
Jörg Sanders
10. August 2015 14:57
Eine junge Frau hinter mir an der Kasse bei Allfrisch wünscht eine Papiertüte. Gibt es nicht. Sie kauft einen Baumwollbeutel. Vorbildlich!
Jörg Sanders
11. August 2015 14:02
Nachdem das Mellow's gestern wegen eines Wasserschadens geschlossen hatte, folgte heute der Test. Leckere vegetarische Lauchsuppe für meine Freundin, sehr köstliche, vegane Linsensuppe für mich. Wieder eine Mahlzeit ohne Plastik.
Jörg Sanders
11. August 2015 14:04
Zum Nachtisch gab es Eis. Auf den Einweglöffel konnten wir dank eigener Löffel verzichten. Immer dabei und vermeidet Müll. Der ist zwar auch aus Plastik, aber jahrelang einsetzbar. Ganz einfach ...
Jörg Sanders
11. August 2015 14:47
Statt Coffee to go - und viel gemütlicher.
Jörg Sanders
11. August 2015 17:36
Heute musste ich Duschgel kaufen. Unabhängig vom Preis war keines zu finden, das nicht in Plastik verpackt ist. Schade.
Jörg Sanders
Herzlich willkommen zu unserem Experiment: Eine Woche lang möchte ich ohne Plastik beim täglichen Konsumieren auskommen. In diesem Live-Blog werde ich täglich über meine Erfahrungen berichten.
Start: Mittwoch, 5. August, 8 Uhr; Ende des Experiments: Mittwoch, 12. August, 8 Uhr
Bei Fragen uns Anregungen schreiben Sie mir: j.sanders@noz.de 
Viel Spaß beim Lesen!
Jörg Sanders